Alles nur wenig aussagekräftig?
- Norbert Ockenga
- vor 3 Minuten
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So lief das Training vor der Team-WM in Landshut, und das sagen die Deutschen vorm Rennabend.
England hat vorgelegt. Die Briten sind in den Trainings vor dem Team-WM-Halbfinale in Landshut klar die Schnellsten gewesen: Im ersten Anlauf hat Robert Lambert zunächst als Einziger die 17-Sekundenschallmauer durchbrochen – auf einer Bahn, die knüppelhart und staubig gewesen ist.
Im turnusgemäßen Bahndienst wurde dann Wasser gefahren und die Bahn mit dem Wonderwheel aufgeraut, sodass zwei Deutsche sich an Lambert vorbei an die Spitze setzen konnten. Denn die Deutschen waren unmittelbar nach dem Bahndienst zu ihrem ersten Schuss draußen, Mario Häusl war Schnellster.
Kai Huckenbeck musste nach dem ersten Anlauf seinen Ash-Tech-Motor durchatmen lassen. „Der hat im Training auf ein Mal kein Gas mehr angenommen“, berichtet der Werlter. „Keine Ahnung, ob’s an der Zündung oder was Anderem gelegen hat.“ Für die zweite Sitzung wechselte Huckenbeck auf das Motorrad mit einem Aggregat von Bert van Essen, war damit zweitschnellster Deutscher – und wird mit dieser Spezifikation auch ins Rennen gehen.
Bester Deutscher war Norick Blödorn auf Gesamtrang 4. „Wir haben noch einen Zahn schneller übersetzt“, verrät der 21-Jährige, „das hat sich beim Start besser angefühlt und war auch beim Fahren schneller. Ich habe mich auf dem Bike wohlgefühlt, das ist schon Mal die Hauptsache – und damit ist die Stimmung dann auch gleich gut.“
Die Bahn wird heute Abend komplett anders sein. – Kevin Wölbert
Für ganz vorn reichte es allerdings nicht: Dan Bewley markierte in 16,541 Sekunden die Bestzeit vor Lambert in 1,644 und Jan Kvěch in 16,825. Blödorn liegt drei Tausendstel hinter dem Tschechen und um 0,287 Sekunden hinter Bewleys Bestzeit, Huckenbeck als Fünfter hat 0,296 Sekunden Rückstand.

Kevin Wölbert warnt: „Auf die Zeiten braucht man nicht allzu viel zu geben. Denn die Bahn wird heute Abend komplett anders sein. Die Sonne wird weggehen, und sie machen jetzt noch mal ausgiebig Bahndienst.“ Wölbert, der für den AC Landshut in der polnischen Landesliga fährt, weiß allerdings auch: „Die Bahn ist ganz anders als bei den Ligarennen. Einen Heimvorteil im klassischen Sinne haben wir hier nicht.“ Allerdings sei die Bahn besser in Schuss als beim letzten Ligarennen. „Damals haben sich innen richtige Löcher rausgefahren. Die haben sie jetzt zugemacht – und zwar so gut, dass sie auch nicht wieder kommen werden. Das hat sich schon im Training gezeigt. Mit unseren Aufzeichnungen im Buch über das Setup können wir hier jedenfalls heute nichts anfangen.“
Wölbert ist einer der Wenigen, die auf Reifen mit Schlauch fahren. „Ich habe meinen schlauchlosen zuhause gelassen“, verrät er. „Das ganze Hin und Her finde ich ziemlich überflüssig. Bei einem schlauchlosen Reifen kann man um zwei Zähne anders übersetzen. Aber ob das am Ende wirklich schneller ist, steht auch noch Mal auf einem anderen Blatt.“
Huckenbeck nickt: „Ich finde, Reifen mit Schlauch sind vom Gefühl her besser. Aber das muss nicht unbedingt heißen, dass sie auch schneller sind.“ Deswegen fährt der Mannschaftskapitän anders als in der polnischen Liga Pflicht in Landshut wieder ohne Schlauch.

Genau wie auch Nationalmannschaftsneuling Lars Skupień. Der ist allerdings Mitas-bereift, nicht Anlas-. Im Training ereilte ihn ein Platten. „Ich habe schon auf den ersten Metern gespürt, dass sich irgendwas nicht richtig anfühlt. Mir ist der Reifen nicht von der Felge gesprungen – er hat einfach nur Luft verloren.“ Der 28-Jährige wird das Rennen auf einem Motorrad mit Ash-Tech-Motor in Angriff nehmen. Im Training war er mit 0,463 Sekunden Rückstand auf Bewley Zehntschnellster – zwei Positionen hinter Häusl. Über den Reifenschaden staunt er: „Ich fahre schon das ganze letzte Jahr schlauchlos – aber so etwas ist mir noch nie passiert.“
Dessen Berater Martin Smolinski verrät: „Mario fährt hier mit Ash-Tech-Motoren; die schieben brutal an, und er tut sich manchmal schwer damit, am Ende der Geraden umzulegen. Das ist dann auch viel Kopfsache.“
Wölbert findet sich mit 0,784 Sekunden Rückstand auf Bewley auf dem letzten Trainingsrang wieder. „Wir haben jetzt so ziemlich alles umgebaut: Radstand, Zündung – einfach alles. In den Rennen wird viel auf die Starts drauf ankommen, auch wenn man im Laufe des Abends sicher außenrum wird überholen können, wenn sich da loses Material angesammelt hat.“
Innerhalb der einzelnen Mannschaften taten sich im Training ziemliche Gefälle auf: Bei den Briten konnten weder Tom Brennan noch Will Cairns und schon gar nicht Leon Flint das Tempo der beiden Grand Prix-Fahrer halten. Am homogensten zeigten sich die Tschechen: Václav Milík jr. und Adam Bubba Bednář landeten auf den Rängen 6 und 7. Daniel Klíma hingegen wurde vor Flint nur 15.
Blödorn schätzt: „Starten wird das Allerwichtigste.“ Eine Strategie, ab wann und für wen Huckenbeck von der Reserveposition eingewechselt wird, gebe es noch nicht, sagt der Mannschaftskapitän mit der 5: „Das ist auch nicht geheim oder so was“, versichert er. „Matze“ – also Teammanager Mathias Bartz – „hat mit mir bislang noch nicht darüber gesprochen.“



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