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Bromberg verabschiedet Huckenbeck

vor 7 Stunden
5 Min. Lesezeit

Was die Spatzen von den Dächern pfiffen und bahndienst.com schon vor Monaten berichtete, ist seit Mittwoch auch offiziell.


Der Aufstieg ist geschafft, doch bei Polonia Bromberg bleibt von der Aufstiegsmannschaft für die kommende Saison nicht allzu viel übrig. Der Verein hat nach dem Sprung in die polnische Speedway-Eliteliga einen weitreichenden Umbau eingeleitet. Mehrere Leistungsträger verlassen den Klub, gleichzeitig wird der Kader gezielt mit Fahrern verstärkt, die nach Einschätzung der Verantwortlichen besser für die Anforderungen der höchsten Klasse geeignet sind.


Zu den prominentesten Abgängen gehört Kai Huckenbeck. Der 33-Jährige aus dem Emsland war drei Jahre lang ein wichtiger Bestandteil der Bromberger Mannschaft und lieferte in der zweiten polnischen Liga konstant starke Leistungen ab. Seine Punkteschnitte sprechen zunächst eine klare Sprache: 2,077 Punkte pro Lauf im Jahr 2024, 2,229 im Jahr 2025 und 2,026 in der Saison 2026. Damit war Huckenbeck zweifellos ein guter und verlässlicher Fahrer für Bromberg – in der zweiten Liga.


Für die kommende Saison – also in der ersten Liga – reicht diese Bilanz aus Sicht der Kaderplanung nicht aus. Das ist ein entscheidender Unterschied: Huckenbeck hat seine Qualität in der zweiten Liga mehrfach unter Beweis gestellt, doch nun geht es für Bromberg eine Klasse höher. Und genau dort liegt das Problem. Seine Auftritte im Speedway Grand Prix haben bereits gezeigt, dass der Schritt zur absoluten Weltspitze und damit auch zur höchsten nationalen Liga sportlich ein anderes Niveau bedeutet. Die Grand Prix-Einsätze dürften deshalb bei der Bewertung seiner Perspektive für den neuen Bromberger Kader eine wichtige Rolle gespielt haben.


Bromberg stellt sich für 2027 neu auf – ohne Kai Huckenbeck. Foto: HighSpeedPhotographix
Bromberg stellt sich für 2027 neu auf – ohne Kai Huckenbeck. Foto: HighSpeedPhotographix

Der Verein hat sich gegen die emotionale Entscheidung entschieden, sämtliche Aufstiegshelden mitzunehmen. Stattdessen soll eine Mannschaft entstehen, die nicht nur den Aufstieg geschafft hat, sondern auch realistische Chancen besitzt, sich in der Ekstraliga zu behaupten.


Huckenbeck wird Bromberg deshalb nach drei Jahren verlassen. Das bestätigte der Klub am Mittwoch in einem freundlichen, aber unverbindlichen Eintrag auf den Konten der Sozialen Netzwerke. Als neuer Verein ist für ihn voraussichtlich Posen vorgesehen. Dort könnte er erneut eine zentrale Rolle übernehmen und wieder zu den Führungskräften eines Teams gehören. Für Huckenbeck wäre das sportlich durchaus sinnvoll: In der zweiten Liga hat er gezeigt, dass er zu den starken Fahrern gehört und eine Mannschaft tragen kann.


Auch Aleksander Loktajew wird Bromberg verlassen. Der Ukrainer kam 2026 auf einen Schnitt von 1,926 Punkten pro Lauf und wird künftig für Krosno fahren. Sein Platz im neuen Bromberger Kader soll durch den Australier Max Fricke besetzt werden. Damit setzt Bromberg auf einen Fahrer, von dem man sich für die höhere Liga mehr internationale Erfahrung und größere Konstanz verspricht.


Ebenfalls nicht mehr zum Erstligakader gehört Tom Brennan. Der Brite hatte 2026 nur vier Ligaeinsätze und kam dabei auf einen Schnitt von 1,211 Punkten pro Lauf. Nach den ersten Saisonrennen verlor er seinen Platz im Team. Auch für ihn geht es voraussichtlich nach Posen. Dort würde er wieder mit seinem Dartskumpel Huckenbeck im Hotelzimmer Pfeile auf Scheiben werfen können, wie die beiden das in Bromberg in ihrer Freizeit so oft zusammen getan haben. Zusätzlich hat Brennan für die kommende Saison bereits eine Vereinbarung mit Eskilstuna in Schweden getroffen.


Der vierte Abgang betrifft den jungen Kacper Andrzejewski. Der Nachwuchsfahrer wird nicht Teil des neuen Bromberger Ekstraliga-Kaders und soll nach Lodz wechseln.


Damit wird deutlich, wie konsequent Bromberg den Aufstieg nutzt, um die Mannschaft neu aufzustellen. Gleichzeitig bleibt aber ein wichtiger Teil des erfolgreichen Grundgerüsts erhalten. Szymon Wozniak, Krzysztof Buczkowski, Wiktor Przyjemski und Maksymilian Pawelczak sollen weiterhin das polnische Fundament der Mannschaft bilden.


Besonders stark präsentierte sich dieses Quartett bereits in der Aufstiegssaison. Wozniak kam auf 2,402 Punkte pro Lauf, Buczkowski auf 2,100, Przyjemski auf 2,231 und Pawelczak auf 2,338. Bromberg verabschiedet sich also keineswegs komplett von der Mannschaft, die den Aufstieg geschafft hat. Vielmehr werden die Positionen verändert, bei denen der Verein für die Ekstraliga den größten Nachholbedarf sieht.


Eine der interessantesten Personalien ist dabei Ryan Douglas. Der Australier kommt von Posen nach Bromberg und soll eine zentrale Rolle im neuen Team übernehmen. Damit entsteht ein bemerkenswertes Transfer-Puzzle: Douglas geht nach Bromberg, während Huckenbeck in die Gegenrichtung nach Posen wechseln soll. Beide Klubs tauschen damit gewissermaßen ihre bisherigen Führungskräfte aus.


Douglas hat in der zweiten polnischen Liga bereits eindrucksvoll bewiesen, dass er dort zu den stärksten Fahrern gehört. Für Bromberg geht es nun darum, diese Leistung in die Ekstraliga mitzunehmen. Zusammen mit Max Fricke soll er das neue ausländische Rückgrat der Mannschaft bilden.


Auch bei den Junioren soll aufgerüstet werden. Neben Pawelczak ist Bastian Pedersen als weiterer junger Fahrer vorgesehen. Der Däne steht langfristig bei Thorn unter Vertrag, weshalb eine Ausleihe nach Bromberg notwendig wäre. Jacob Jensen war ebenfalls ein Kandidat, soll aber eher nach Lodz gehen, weil er den Sprung in die Ekstraliga zum jetzigen Zeitpunkt offenbar noch nicht als ideal für seine Entwicklung betrachtet.


Der Umbau folgt damit einer klaren sportlichen Logik. Bromberg hat die zweite Liga mit einer Mannschaft dominiert, die für dieses Niveau stark genug war. Die Vereinsführung scheint jedoch nicht bereit zu sein, daraus den falschen Schluss zu ziehen, dass derselbe Kader automatisch auch in der Ekstraliga konkurrenzfähig wäre.


Gerade bei Huckenbeck wird dieser Unterschied deutlich. Seine Zahlen in der zweiten Liga sind stark und rechtfertigen keineswegs die Einschätzung, er sei ein schlechter Fahrer. Im Gegenteil: Für einen ambitionierten Zweitligisten ist er ein äußerst wertvoller Mann. Die Frage ist vielmehr, ob sein Leistungsniveau ausreicht, um in der ersten Liga regelmäßig gegen die stärksten Fahrer Europas zu bestehen. Bromberg scheint diese Frage nach der Analyse der vergangenen Jahre und insbesondere seiner Grand Prix-Auftritte mit Nein beantwortet zu haben. Denn in den Grands Prix traf Huckenbeck auf jene Fahrer, auf die er auch im polnischen Oberhaus treffen wird – und war dort meist chancenlos, von einigen Strohfeuern abgesehen. Die WM-Bilanz dient Bromberg als Bemessungsgrundlage in der Frage der Weiterverpflichtung.


Für Huckenbeck bedeutet der Abschied die Rückkehr zu einer Rolle, in der seine Stärken besser zur Geltung kommen: als Führungskraft eines starken Zweitligisten, bei dem er regelmäßig viele Punkte liefern und Verantwortung übernehmen kann.


Für Bromberg beginnt dagegen ein neues Kapitel. Der Verein will nach dem Aufstieg nicht lediglich dabei sein, sondern sich in der Ekstraliga etablieren. Dafür werden mehrere Aufstiegshelden geopfert und durch Fahrer ersetzt, von denen man sich auf dem höheren Niveau mehr verspricht.


Das ist die eigentliche Botschaft des Umbaus: Bromberg belohnt nicht automatisch die Fahrer, die 2026 den Aufstieg geschafft haben, sondern stellt den Kader danach zusammen, was für die erste Liga benötigt wird. Huckenbeck, Loktajew, Brennan und Andrzejewski gehören zu denjenigen, die diesem Schnitt zum Opfer fallen. Douglas und sein aus Graudenz geholter Landsmann Fricke sollen dagegen helfen, aus dem Aufsteiger eine Mannschaft zu machen, die auch in der Ekstraliga bestehen kann.

 
 
 

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