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Fahrer setzen Regenabbruch durch

Ein Regenschauer kurz vorm Endlauf treibt die sechs Finalteilnehmer auf die Barrikaden. So wird die Langbahn-DM in Mühldorf abgebrochen.


Erik Riss straft sich selbst Lügen. Hat er im exklusiven Videointerview vor dem Finale der Langbahn-DM in Mühldorf noch gesagt, er sehe sich nicht fit genug für den Titel, so gewinnt der Memminger wenige Stunden später den Titel.


Mit einer Kontroverse. Denn die Art und Weise, wie die Veranstaltung endet, gefällt unter Insidern längst nicht jedem


Riss drückt dem Rennen von Anfang seinen Stempel auf. Seine ärgsten Verfolger gehen unruhiger zu Werke als der Rückkehrer – damit aber auch unsteter.


Riss kommt in Lauf 1 am besten aus dem Band und türmt danach in einer Soloflucht an der Spitze zum ersten Laufsieg vor Daniel Spiller. Dominik Werkstetter büsst jede Chance schon beim ersten Gasaufreißen vorm eigentlichen Start ein: Sein Hinterrad dreht durch und gräbt sich schon ein, ehe das Startband sich auch nur rührt. Stephan Katt ist auf den ersten Metern noch auf Kurs zu Rang 2. „Der eigentliche Start war Bombe, aber nach den ersten 20 Metern war kein Wasser mehr da“, hadert der Titelverteidiger, „deswegen hatte ich keinen Griff mehr.“ Katt wird deswegen noch vor Kurve 1 auf Rang 4 durchgereicht.


In Heat 2 landet Lukas Fienhage einen ebenso sicheren Start/Ziel-Sieg wie Erik Riss einen Lauf zuvor – ist aber beim Temposchnitt um 3,3 km/h schneller als Riss. Ein Fingerzeig? Fienhages Tuner Robert Barth winkt ab: „Ich habe genau vor Start und Ziel gestanden – und deswegen gehört, wie Erik Riss in seinem ersten Lauf schon früh zugemacht hat, nachdem er sich umgeschaut und gesehen hat, dass von hinten keine Gefahr mehr droht.“


Die Analyse von Barth wird sich zwei Läufe später bewahrheiten. Doch zuvor setzt sich Martin Smolinski in Heat 2 in einer tumultartigen ersten Kurve aus einem Pulk mit Louis Tebbe und Fabian Wachs heraus durch und wird so vor Tebbe Zweiter.


Die Finalisten treffen sich zur Wetterkonferenz an der Bahneinfahrt. Foto: Heike Kleene
Die Finalisten treffen sich zur Wetterkonferenz an der Bahneinfahrt. Foto: Heike Kleene

Es folgt eine lange Pause, weil B-Lizenzfahrer Johannes Vagt sich beim Versuch, einem vor ihm Gestürzten auszuweichen, in die Bande manövriert und dabei übel verletzt. Er wird mit Verdacht auf gebrochene Hüfte ins Krankenhaus Altötting gefahren. Im darauffolgenden Bahndienst verwechselt ein Wasserwagenfahrer die Reihenfolge der Spuren, die er nacheinander bewässern soll; ein mittlerer Teil der Gesamtbreite der Bahn wird so quasi doppelt bewässert. Der Belag muss nachbearbeitet werden.


Die Verzögerung von mehr als einer halben Stunde wird sich hinten raus, am späten Nachmittag noch rächen: Da wird dem Veranstalter die Zeit ausgehen.


Vorerst wird bei Tebbe während der langen Pause das Massekabel vom Totmacher gewechselt. Der eine vereitelte mögliche Ausfall hilft dem Junior aus dem Emsland aber auch nicht weiter: Prompt geht ihm beim Start zu seinem nächsten Lauf der erste Gang entzwei. Das wird dem B-Lizenzfahrer letztlich die Finalteilnahme kosten.


In Heat 3 gewinnt Katt – der in seiner Nummer 1-Maschine genau wie Keijo Busch auch einen Vergaser mit Schwimmerkammer statt der Zapf-Neuerung ohne verbaut hat – den Start und das Rennen. Werkstetter kommt hinter ihm wieder bedrohlich nahe, verhakt sich aber zwei Mal in der Zieleingangskurve kurz hinterm Scheitelpunkt und hat jedes Mal einen Cowboyritt, sodass Katt sich wieder freischwimmen kann. Werkstetter wird Zweiter vor Keijo Busch.


Lauf 4 bringt die bislang stärkste Fahrerbesetzung ans Band: Riss, Fienhage und Smolinski, dazu Spiller. Riss schafft wieder den besten Start und setzt sich an der Spitze unwiderstehlich ab. Sein Rundenschnitt dieses Mal: 124,8 km/h – klar der schnellste Lauf des bisherigen Rennens.


Spiller hält Smolinski danach mehr als drei Runden lang hinter sich. Smolinski versucht sich auf zwei Linien, Spiller kann jede kontern. Dadurch rückt der schlechter gestartete Fienhage von hinten auf, kann aber nicht mehr in das Duell um Rang 2 eingreifen.


Das entscheidet Smolinski erst mit einem überfallartigen Manöver in der letzten Kurve doch noch für sich.


Im nächsten Durchgang gewinnt Smolinski Lauf 5. Katt liegt zwei Runden lang auf der zweiten Stelle. Dann überholt Fienhage ihn außenrum. Und es ist auch der Block, in dem Riss seine weiße Weste verliert: Spiller klaut ihm den Start. Zwei Runden lang duckt sich Riss auf der Gegengeraden, wo Gegenwind herrscht, in den Windschatten, kommt ran und versucht, in der letzten Kurve jeweils innen den Hebel anzusetzen. Spiller kann imi weiten Bogen an der Griffkante alle Angriffe abperlen lassen, Riss wird Zweiter vor Tebbe.


Fürs Halbfinale darf Riss als Erster seinen Startplatz wählen. Das wird wichtig. Denn, berichtet Busch, „einige Rillen sind inzwischen so tief, dass man aufsitzt. Und bei anderen, die eigentlich gut aussehen, ist nach zwei, drei Metern alles knochentrocken und hart“. Riss setzt auf den äußeren Startplatz.


Auffällig, schon den ganzen Tag: Er kauert sich ganz außen in den tiefen Belag – und bleibt dann dort stoisch stehen, während andere Fahrer immer wieder zu Warteschleifen vom Band gen Fahrerlagereinfahrt aufbrechen. Riss bleibt einfach ruhig.


Im Halbfinale setzt er sich direkt vor FIenhage und Katt ab – und sichert sich so auch für den Endlauf die Pole bei der Helmfarbenwahl. Im zweiten Halbfinale gewinnt Smolinski von außen mit einem Start/Ziel-Sieg vor Spiller und Tebbe. Werkstetter stürzt dahinter.


Weil die Punkte aus den Vorläufen und Semis in die Addition für die Finalteilnahme einfließen, hat der Sturz dramatische Folgen: Werkstetter geht leer aus. Tebbe schiebt sich mit seinem dritten Rang im Halbfinale punktgleich an den Lokalmatadoren heran. Der hat aber einen zweiten Rang in der Heatbilanz, Tebbe als bestes Ergebnis Platz 3 – sodass der Bayer ins Finale kommt.


Allerdings nicht ohne Dramen: Auf der Auslaufrunde verliert er den Ventildeckel und schiebt die Maschine zurück ins Fahrerlager. Neben ihm, in der Box von Katt, wird da schon emsig geschraubt: Der Neuwittenbeker ist in seinem Halbfinale in einen Strahl gefahren – in einem so unglücklichen Winkel, dass der Vergaser getroffen wurde. Der will runterfallen, bleibt aber letztlich noch so gerade eben am letzten Dichtgummi hängen. Trotzdem reinigen die Schwager Katt und Busch gemeinsam den Vergaser – sicherheitshalber.


Kurz vorm Finale geht ein kurzer Platzregen mit dicken Tropfen nieder. Der wächst sich zu einem beharrlichen Schauer aus. Während die Rennleitung den Bahndienst mit Schleppen rausschickt, verschafft sich Seitenwagenbeifahrer Markus Eibl am Fahrerlagerausgang ein Bild von der Piste. „Das ist nur oben“, stellt er fest, nachdem er mit seinem Schuh im Belag herumgestochert und -geschabt hat. „Das geht schon. Das kann man richten.“


In denselben Minuten treffen sich die Finalisten unter der Zuschauerbrücke an der Ausfahrt zur Bahn. Nach einer kurzen Konferenz kehrt man geschlossen ins Fahrerlager zurück. „Alle Fahrer sind sich einig“, fasst Smolinski zusammen. „Wir wollen aus Sicherheitsgründen nicht fahren. Jetzt liegt die Entscheidung bei den Offiziellen.“


Die schließen sich der Meinung der Fahrer an und werten Mühldorf ohne Finale. Erik Riss wird somit Deutscher Langbahnmeister vor Martin Smolinski, Daniel Spiller, Lukas Fienhage, Stephan Katt und Dominik Werkstetter.

 
 
 

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