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Wachwechsel nach Scharmützel

Brady Kurtz übernimmt in seiner Wahlheimat die Tabellenführung. Doch der wahre Gewinner des Samstagsrennens von Manchester ist ein Anderer.


Für einen Moment riecht es nach der ganz großen Sensation. Und der Augenblick verweilt lange. In seinen letzten drei Heats am Samstagabend in Manchester kann Michael Jepsen Jensen beim vierten WM-Lauf eine Linie fahren, auf der sonst keiner sein Motorrad halten kann: ganz innen, direkt am Strich, hat sich ein schmaler Streifen losen, griffigen Materials aufgetan.


Denn vor dem dritten Durchgang hat Bahndienstchef Andy Meredith erstmals das Wonderwheel rausgeschickt, um damit innen das glatte Drittel aufzureißen und -rauen. Und zwar gegen die Rennrichtung. Gleichzeitig kam wegen des Regens, der den Samstag über bis in den Spätnachmittag über Manchester gepladdert hat, kein Wasserwagen zum Einsatz. Diese ungewohnte Kombination des Bahndiensts und der besondere, lehmlose Belag im National Speedway Stadium hat dazu geführt, dass noch eine Linie mehr möglich wurde als die ohnehin schon fünf vorhandenen des Abends.


Jepsen Jensen erkennt diese Möglichkeit als Erster. Und er kann sie als Einziger nutzen. Damit schleicht er sich sich innen rum als Kurvenkratzer zu zwei Laufsiegen. Im letzten Vorlaufheat überrumpelt er so sogar Brady Kurtz – der als Nummer 1-Fahrer der Belle Vue Aces Heimrecht genießt und bis dahin dachte, die Bahn am besten zu kennen und lesen zu können.


Kurtz ist bis zum letzten Vorlaufheat unschlagbar und steht schon im Finale, als er sich von der gewaltigen Fahrt des Dänen „Lig’lad“ abkochen lässt. Der hätte seinen Sieg gar nicht mehr gebraucht, nachdem Bartosz Zmarzlik seinen letzten Vorlauf nur auf Rang 2 beendet hat. Der Stettiner fühlt sich nach dem Finalsturz vom Vortag noch nicht wieder voll auf dem Damm, interpretiert die Entwicklung der Bahn längst nicht immer richtig, reitet einige spektakuläre Manöver – wird aber auch einige Male überrumpelt.


Zudem startet Zmarzlik mit der identischen Abstimmung wie am Vortag. Doch die Bahn ist feuchter und schwerer. Das Setup passt nicht, erst als der Pole zu seinem dritten Vorlauf auf die Ersatzmaschine wechselt, kann er seinen ersten Laufsieg hoeln. Da er in Heat 18 von Max Fricke geschlagen wird, muss er in einen der beiden Hoffnungsläufe – während Jepsen Jensen und Kurtz sich direkt fürs Finale qualifizieren.


Die Hoffnungsläufe und das Finale werden wieder zu jenem spektakulären Getümmel, für das Manchester berühmt-berüchtigt ist. Jack Holder und Zmarzlik gewinnen ihre Hoffnungsläufe. Im Finale entscheidet sich Kurtz für die falsche Rille auf dem gelben Startplatz – wie schon in einem Vorlauf: Von Gelb für eine Rille schnurstracks auf die Außenbahn der ersten Kurve, eine zweite im geschwungenen Bogen nach innen. Zwei Mal greift Kurtz daneben.


Doch im Finale bleibt das folgenlos. Zwar gehen Jepsen Jensen und Zmarzlik links und rechts an ihm vorbei, als er auf dem Bogen ins erste Heck nach Traktion sucht. Doch danach lässt der Australier sich auf seine in Manchester favorisierte äußere Linie tragen, driftet nach spitzen Kurveneingängen diagonal weit nach außen und kann sich die Führung zurückerobern.


Michael Jepsen Jensen verblüfft alle mit seiner Kurvenkratzerlinie. Foto: HighSpeedPhotographix
Michael Jepsen Jensen verblüfft alle mit seiner Kurvenkratzerlinie. Foto: HighSpeedPhotographix

Jepsen Jensen probiert sich zunächst im äußeren Dritten der Bahn. Dort fährt er ein Mal Zmarzlik radikal vor die Maschine, sodass der zumachen und artistisch zaubern muss, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Dadurch fällt der Weltmeister hinter Holder auf Rang 3 zurück.


Während „Lig’lad“ vorn wieder auf seine Kurvenkratzerlinie umschwenkt und Kurtz erneut bedrohlich auf den Pelz rückt, ringt Zmarzlik Holder nieder und wird Dritter. Kurtz kann dieses Mal verhindern, dass Jepsen Jensen sich innen vorbeistiehlt, und übernimmt mit dem Sieg in Manchester mit drei Punkten Vorsprung die WM-Tabellenführung.


Kai Huckenbeck setzt nach einem blassen Auftritt am Vortag mit der Qualifikation für den zweiten Hoffnungslauf ein Ausrufezeichen. Am Freitag hatte der Ersatzmann für Dominik Kubera lange mit zu viel Leistung und durchdrehendem Hinterrad zu kämpfen. Er wechselte kurz vor Schluss vom Motorrad Nummer 1 mit dem Aggregat von Tuner Bert van Essen auf die Maschine mit jenem Ashley-Holloway-Motor, den er im Vorsommer gebraucht vom Australier Ryan Douglas gekauft hatte.


Mit dem geht er auch in Heat 1 vom Sonnabend, fährt aber wieder hinterher. Danach wechselt er zurück auf die Groninger Motoren – und kann damit zwei Heats gewinnen, darunter einen gegen Zmarzlik.


Im Hoffnungslauf hält Huckenbeck zunächst auch mit, irrlichtert dann aber bei der Linienwahl in den Strahl der Vorderleute und verliert den Anschluss. Am Ende wird er vor Robert Lambert als 9. klassiert.

 
 
 

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