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Altes Leiden, neue Diagnose

Sein altes Augenleiden, das eigentlich schon überwunden schien, hat Erik Riss Mitte April doch wieder eingeholt. In seiner neuen Kolumne schildert er, wie es nun weitergeht.


Als das Ganze letzte Woche wieder losging, war ich zunächst ratlos und verzweifelt. Und ich war auch verwundert, dass ich wieder in eine solche Situation gekommen bin – schließlich hatte ich genau und rigoros das befolgt, was mir im vergangenen Jahr von dem Doktor in Freiburg empfohlen worden war. Jeden Tag. Und trotzdem ging die ganze Geschichte nun wieder von vorn los.


Das ist schwer zu verkraften. Man fühlt sich in dem Moment unheimlich hilflos. Ich wusste zuerst wirklich nicht, was ich tun soll. Ich hatte das Gefühl, ich hätte in Deutschland schon jede mögliche Station abgeklappert – ohne eine Lösung gefunden zu haben.


Es gab doch im Vorjahr eine Diagnose, die scheinbar Sinn ergab und nach der es dann auch so eingetreten ist, wie der Doktor es gesagt hat: Ich habe das gemacht, was er empfohlen hatte; er meinte, nach sechs Wochen sollte meine Sicht wieder normal sein – und das ist auch genau so eingetreten. Ich habe danach auch den ganzen Winter keine Probleme gehabt. Und zu Saisonbeginn auch nicht. Also schien doch alles zu passen.


Ich war verzweifelt und wusste nicht, wo ich noch hin sollte. – Erik Riss

Und kaum hat die Saison begonnen, und ich kann endlich wieder die ersten Rennen fahren, sogar noch mit guten Resultaten – da geht doch alles wieder von vorn los?


Beim Auswärtsrennen mit dem AC Landshut in Gnesen hatte ich plötzlich wieder dieselben Symptome wie im vergangenen Jahr. Ich wusste sofort, was los war – aber ich fand keine Erklärung warum.


Ich war zunächst verzweifelt und wusste nicht, wo ich noch hin sollte. Bis ich mit einem Bekannten in England gesprochen habe, der mal Optiker war. Der kannte sich mit dem Problem ein bisschen aus. Dem habe ich die genaue Diagnose erklärt, die mir im vergangenen Jahr in der Uniklink Freiburg gestellt worden war. Er war der Meinung, dass ich dort nicht ausreichend untersucht worden sei, weil es für trockene Augen immer ein grundsätzliches Problem gibt, das man finden müsse. Er hat mir deswegen zwei Termine in England organisiert: bei einem normalen Augenarzt und in einer Klinik, die sich voll und ganz auf trockene Augen spezialisiert hat.


Erik Riss mit Partner Jörg Grohmann, der den Memminger auch in dessen neuerlicher Zwangspause weiter unterstützen wird.
Erik Riss mit Partner Jörg Grohmann, der den Memminger auch in dessen neuerlicher Zwangspause weiter unterstützen wird.


Der Termin beim Augenarzt war schon, die Untersuchung in der Klinik folgt am 27. April. Bei der augenärztlichen Untersuchung kam bereits heraus, dass ich eine Meibomdrüsendysfunktion habe.


Bis dahin hatte ich noch nie etwas von diesen Drüsen gehört, geschweige denn von einer möglichen Fehlfunktion. Also musste ich mir alle Zusammenhänge erst mühsam erklären lassen.


Die Meibomdrüsen in den Augenlidern spielten demnach eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Tränenqualität. Die Dysfunktion sei eine Erkrankung, die durch eine Fehlfunktion jener Meibomdrüsen gekennzeichnet ist, die für die Produktion der öligen Schicht des Tränenfilms verantwortlich sind. Diese ölige Schicht sei wichtig, um die Verdunstung der Tränenflüssigkeit zu verhindern und die Augenfeuchtigkeit zu erhalten. Wenn die Meibomdrüsen verstopft seien oder nicht genügend Öl produzierten, könne das zu trockenen Augen, Reizungen und Entzündungen führen. Die Fehlfunktion sei häufig mit anderen Augenerkrankungen und dem Syndrom des trockenen Auges verbunden und könne die täglichen Aktivitäten und die allgemeine Augengesundheit erheblich beeinträchtigen.


Allerdings.


Also: Wenn man solch’ eine Dysfunktion hat, verpufft der Tränenfilm viel zu schnell. Das wurde beim Augenarzt auch gemessen. Bei einem gesunden Menschen hält der Tränenfilm 10 bis 30 Sekunden, bei mir ist er innerhalb von drei Sekunden gerissen und hat sich aufgelöst.


Mir wurde nun eine BTL-Laserbehandlung empfohlen, das ist eine Therapie mit einem hochintensiven, leistungsstarken und robotergestützten Laser. Da habe ich am folgenden Tag auch gleich die erste Behandlung gehabt. Diese Lasertherapie soll die Meibomdrüsendysfunktion quasi beheben; dadurch sollten meine Augen dann auch nicht mehr austrocknen.


Ich werde noch drei weitere Sitzungen der Laserbehandlung haben, jeweils im Abstand von zwei Wochen. Der Augenarzt meinte auch, es benötige vier Sitzungen, um das Problem zu beheben; ich sollte mir erst gar keine großen Hoffnungen machen, dass ich gleich nach der ersten Sitzung schon etwas bemerke. Ich habe an den Tagen 4 und 5 nach der ersten Behandlungen zwar schon ein bisschen Besserung verspürt. Aber seitdem hat es auch wieder stagniert.


Ich werde mir immer Sorgen machen, dass die Krankheit wiederkommen kann. – Erik Riss

Am Dienstag habe ich die nächste Laserbehandlung. Ich hoffe, dass ich dann etwas merke. In der Zwischenzeit sind mir weitgehend die Hände gebunden. Ich kann zwei Mal pro Tag Wärmebehandlungn auf den Augen machen, dazu, Lidrandmassagen und -pflege – und die Augentropfen weiter nehmen, was ich aber ja eh’ schon gemacht hatte.


Die neue Diagnose samt Behandlung sind nun ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es ist sehr nervig, dass man das in Freiburg offenbar nicht intensiv und weit genug untersucht, sonst hätte man schon vorher wissen können, dass die Ursache für die trockenen Augen in der Meibomdrüse und deren Fehlfunktion liegt. Aber in der Uniklinik war so ein bisschen Massenabfertigung. Damals habe wurde nur der Befund „Sicca-Sydndrom“ festgestellt: chronisch trockene Augen. Die Ursache dahinter wurde einfach nicht weiter untersucht.


Am ärgerlichsten ist, dass ich nie Gewissheit haben werde, was das Ganze eigentlich in allererster Instanz ausgelöst hat. Ich hatte mein Leben lang noch nie Probleme mit meinen Augen gehabt – bis 2023, als dasplötzlich und ohne Vorwarnung zum ersten Mal aufgetreten ist. Es gibt Theorien, was es gewesen sein könnte – von einer bakteriellen Infektion über genetische Veranlagung bis hin zur Annahme, dass es einfach altersbedingt sei.


Diese offene Frage nach der echten Ursache macht es für mich mental schwierig, mit der Krankheit umzugehen – weil ich mir immer Sorgen machen werde, dass es wiederkommen könnte.


Immerhin: Die Laserbehandlung könnte auch immer wieder gemacht werden, um das Problem zu vermeiden. Deswegen hoffe ich natürlich jetzt, dass sie anschlägt – und dass sie dann auch für die Zukunft eine Methode ist, die Sache im Griff zu behalten.

 
 
 

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