Aus Frust mach’ Lust
Beim Goldenen Band in Olching macht Erik Riss die Technik einen Strich durch die Rechnung. Im neuen Blog schildert er, was er daraus für Konsequenzen zieht.
Es fing eigentlich gut an. Die ersten beiden Läufe habe ich recht einfach gewonnen. Das Setup hat nicht optimal gepasst. Denn ich bin mit einem meiner für England vorgesehen Motoren angetreten, den ich dieses Jahr noch gar nicht gefahren habe.
Wir haben nach meinem zweiten Heat ein paar Veränderungen vorgenommen. Im dritten Lauf hat die Abstimmung denn auch gepasst; da ich dreieinhalb Runden lang souverän geführt. Aber dann ist mir die vordere Kette gerissen. Warum weiß keiner von uns. Denn die Kette war wie neu – erst einen Lauf alt. Sie ist einfach gerissen. Es gab auch keine Anzeichen.
Wenn die Kette zu stramm ist oder zu heiß wird, weil sie nicht ausreichend geschmiert worden ist, kann es zwar durchaus vorkommen, dass sie reißt. Aber so etwas ist selten – und bei mir auch nur höchst selten vorgekommen. Um so überraschter waren wir, als es nun in Olching passiert ist. Denn wir hatten auch keine Anzeichen dafür, dass sie zu heiß gewesen sein könnte – da hat nichts geraucht oder Ähnliches. Auf einen Schlag ist die Kette gerissen.
Ich wäre sogar fast gestürzt, konnte mich aber dennoch als Dritter ins Ziel retten. Denn der Kettenriss ist am Ausgang der letzten Kurve passiert.
Den ganzen Frust werde ich für 2027 in zusätzliche Motivation umwandeln. – Erik Riss
Nach dem Lauf mussten wir die Kette wechseln und das Vorgelege verstellen. Das während des Rennens tun zu müssen, ist immer heikel. Denn am Vorgelege ist unweigerlich alles voller Öl und Dreck.
Im vierten Lauf hatte ich eigentlich machbare Gegner. Doch beim Start ist die Primärkette stramm geworden. Also hat sich das Vorgelege wieder verzogen. Infolge dessen ist nicht nur die Vorderkette stramm geworden, sondern entsprechend auch die hintere Kette lose. Deswegen war ich Zweiter – und konnte nicht mit Vollgas rumfahren, weil ich nicht riskieren wollte, dass mir die Kette reißt und ich deswegen womöglich noch stürze und mich verletze.

Deswegen habe ich für den letzten Vorlauf entschieden, dass wir das Ersatzmotorrad verwenden. In dem war auch ein Englandmotor drin, den ich dieses Jahr noch nicht gefahren bin. Wir haben mit dem gleichen Setup weitergemacht, das wir auch für die erste Maschine rausgearbeitet hatten. Aber das hat gar nicht gepasst; ich hatte überhaupt keinen Speed und war deswegen im letzten Lauf Letzter.
Das hat mich nicht nur vor Ort in Olching tierisch geärgert, sondern auch tagelang danach. Denn ich wollte unbedingt noch ein gutes letztes Rennen des Jahres hinlegen. Mein Ziel war ein Podumsplatz. Das wäre auch möglich gewesen: Ohne den Ausfall hätte ich nach den Vorläufen mindestens 11 Punkte gehabt – und damit wäre alles drin gewesen.
Dieses Jahr war für mich irgendwie eine unendliche Geschichte: Immer, wenn es gerade wieder aufwärts ging, setzte es gleich wieder einen Rückschlag. Aber ich gebe nicht auf, im Gegenteil: Den ganzen Frust, der sich in den vergangenen beiden Jahren in mir angesammelt habe, werde ich fürs kommende Jahr in zusätzliche Motivation umwandeln.



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