Aus für Bad Zwischenahn
- Norbert Ockenga
- vor 14 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Der Ausrichterverein der Langbahnrennen im Ammerland wird mangels Betätigungsfeld aufgelöst.
Das Ende naht. Der MSC Bad Zwischenahn wird nur noch weniger als ein Jahr bestehen. Dann wird einer der deutschen Traditionsvereine schlechthin aufgelöst.
Die entsprechenden Schritte bei einem Notariat seien bereits eingeleitet, berichtet Schatzmeister Jens Kreklau aus dem Luftkurort im Ammerland. „Im Moment bin ich eigentlich eher Liquidator als Schatzmeister“, scherzt der Nordwestdeutsche, der auch als Mechaniker mit allerlei Finnen bei diversen Speedway- und Langbahnrennen unterwegs ist. „Wir haben alles Nötige für die Auflösung in die Wege geleitet. Aber es gibt dort eine Frist von einem Jahr, die man noch abwarten muss, ob sich irgendwelche Gläubiger mit Forderungen melden.“
Leiser, aber bestimmter Nachsatz des Buchhalters mit den goldenen Mechanikerhänden: „Wir wissen von keinen.“
Das Rennen am Ortsrand von Bad Zwischenahn hat Geschichte geschrieben. Zuerst als Speedwayrennen, später als Langbahnveranstaltung – obwohl die Bahn im Fußballstadion unverändert geblieben ist. „Aber weil sie außen neben eine Tartanbahn gelegt werden musste, war sie mehr als 440 Meter lang“, erläutert Jens Budden, langjähriger Rennleiter des MSC Bad Zwischenahn. „Außerdem war der Belag für reine Speedwaymotoren zu tief, deswegen haben wir nach ein paar Speedwayrennen eine Langbahnveranstaltung daraus gemacht.“
Die zog zu Beginn noch zigtausende Zuschauer in das Stadion. Doch gleichzeitig wuchs der beschauliche Ort, der von einem großen Binnensee, einem Kasino und einer großen Reha-Einrichtung für chirurgische Patienten geprägt wird, immer weiter. Einst stand das Fußballstadion reichlich verwaist zwischen Ortsschild und Zwischenahner Meer. Doch die Wohnbebauung und der Jachthafen Eyhausen rückten von zwei Seiten immer näher.
Da, wo jetzt noch die Bahn liegt, sollen Flutlichtmasten gebaut werden. – Jens Budden
Inzwischen sind Blocks von großen Mehrparteienhäusern bis auf den sprichwörtlichen Katzensprung an den Stadioneingang herangerückt. „Unsere Bahn war schon immer bekannt für ihre Steinchen“, weiß Kreklau. „So nahe, wie die neuen Wohnhäuser inzwischen stehen, wäre Steinschlag bei den Rennen gar nicht mehr zu vermeiden.“
Budde ergänzt: „Das Stadion soll weiter ausgebaut werden. Dort, wo noch die Bahn liegt, sollen Flutlichtmasten hingestellt werden. Dann wäre für die Bahn ohnehin kein Platz mehr“. Kreklau weiß: „Die kann man inzwischen sowieso nicht mehr sehen, weil komplett Gras drüber gewachsen ist.“

Da der Klub seit dem letzten Rennen im Dornröschenschlaf liegt, bleibt die Auflösung als naheliegende Alternative. Auch wenn sich gerade bei der Lage, der Anziehungs- und Strahlkraft sowie der Demografie des Orts, der für seine Aale berühmt geworden ist, eigentlich eine Oldtimerrallye als neues Betätigungsfeld anbieten würde.
Kreklau winkt ab: „Dafür hätten wir gar nicht mehr die Leute. Weil in den letzten Jahren im Verein nichts mehr passiert ist, haben wir auch kaum noch Mitglieder, die sich engagieren würden. Das könnte man zwar alles wieder aufbauen – aber es würde dauern.“

Und in Sachen Oldtimerrallyes sind die Anrainergemeinden ohnehin gut versorgt: In Oldenburg, der nächstgelegenen Stadt, gibt es einen MSC, der alljährlich eine Oldtimerrallye in der Region veranstaltet und auch an der Wiederauflage des wegen Corona abgesagten City Grand Prix in der Universitätsstadt arbeitet. Im MSC Oldenburg ist in Günther Büsing der Bruder des vor 10 Jahren verstorbenen, aber immer noch unvergessenen EUROSPORT-Kommentators Gustav Büsing Schatzmeister.
Und auf der Grasbahn im Schlosspark Rastede haben die Vintage Race Days mit Vorkriegs-Bentley und anderen Dickschiffen mit einer Gleichmäßigkeitprüfung Quartier bezogen. Die Vintage Race Days gibt es zwar ebenfalls nicht mehr unter der alten Flagge – sie werden aber mit der Industriellen Tanja Balz aus Brake am Ruder im September neu aufgelegt.

Bad Zwischenahn bleibt auch ohne eigenes Rennen ein Epizentrum des Bahnsports. Vor allem die Pension Budden im vorgelagerten Ortsteil Rostrup. Warum? Das hört Ihr am Aschermittwoch im dritten Teil unserer neuen Mini-Videointerviewserie „Klönschnack zu Karneval“.
Die beginnt am Rosenmontag mit einer Schalte zu einem ganz und gar ungewöhnlichen Gesprächspartner: dem einzigen Australier, der Eisspeedway fährt. Und sie endet am Mittwoch mit einem Besuch im Ammerland.



Kommentare