„Bei der Beerdigung habe ich versprochen, für sie zu gewinnen“
- Norbert Ockenga
- vor 7 Minuten
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Wie Max Koivula trotz der Tragödie um seine Großkusine zum dominierenden Fahrer bei der EM wurde und warum ihn im Finale ein Groschendefekt um den Titel brachte.
Max Koivula hat keine Zeit. Am Montag nach dem EM-Finale in Varkaus muss der Finne auf einem See eine Trainingsbahn schieben – für seinen Vater Janne und seinen Vetter Jani-Pekka. „Die trainiere ich noch ein bisschen, damit die beiden bei der Finnischen Meisterschaft am nächsten Wochenende richtig mitmischen können“, lässt Koivula verlauten.
Das ist vor allem deswegen bemerkenswert, weil Vetter Jani gerade erst seine 10-jährige Tochter Ninja zu Grabe getragen hat – am Freitag vorm EM-Finale in Varkaus war die Trauerfeier. „Aber Dinge, die man gern tut“, philosophiert Max Koivula, „nehmen einem für eine Zeitlang die trüben Gedanken.“
Deswegen müssen die Gespräche für den neuen Podcast von bahndienst.com übers EM-Finale in Varkaus warten, bis der See trainingsbereit gemacht worden ist.
Etwas so Kleines und Dummes kann etwas derart Gravierendes auslösen. – Max Koivula
Der Blondschopf aus Nokia hat ein bemerkenswertes Wochenende hinter sich. Und genau darum geht es maßgeblich im neuen Podcast: Wie er sich nach der Beerdigung am Freitag fürs EM-Rennen motiviert hat; wie er sogar noch in der Nacht vorm Rennen in Varkaus um drei Uhr in der Früh’ Pannenhilfe beim auf der Anreise mit Panne gestrandeten Rivalen Sebastian Reitsma geleistet hat, damit der Niederländer es an die Bahn schafft; und natürlich, warum der in den Vorläufen so dominante Koivula im Finale auf Platz 1 liegend ausgefallen ist.

Im Podcast verrät er den genauen Grund: Er sei als Bester aus den Bändern gekommen, doch dann hätte Maschine einen Satz gemacht und kein Gas mehr angenommen. „Zuerst dachte ich, ich hätte den Benzinhahn nicht aufgemacht – oder an einen Ventilschaden“, schildert Koivula. „Erst zuhause habe ich die wahre Ursache gefunden.“ Ein Brocken von jenem Kleber, der ein Doppelventil in der Benzinleitung halten sollte, hätte sich gelöst und die Vergaserdüse verstopft. „Etwas so Kleines und Dummes kann etwas derart Gravierendes auslösen.“
Besonders emotional und bemerkenswert offen schildert er den Umgang mit der Familientragödie um seine Großkusine Ninja. „Ich habe gar nicht erst versucht, das fürs Rennen aus dem Kopf zu kriegen. Jani ist mein Vetter, Ninja war seine Tochter. Wir sind sehr eng mit seiner ganzen Familie“, seufzt Koivula. „Bei der Beerdigung habe ich versprochen, für Ninja zu gewinnen. Als das nicht klappte, war das für mich viel schwerer zu verdauen als Niederlagen bei anderen Rennen. Aber um den Schmerz und die Enttäuschung etwas zu lindern und das Andenken zu wahren, habe ich extra noch den Helm mit Ninjas Namen drauf zur Siegerehrung aufs Podest mitgenommen.“



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