Bloodbath in Paradise
- Norbert Ockenga
- 2. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Wie Norick Blödorn der heimliche Held von Landshut wurde.
Auf Einzelschicksale kann keine Rücksicht genommen werden. Unmittelbar vor dem Start zu seinem ersten Heat als Gastfahrer beim Grand Prix in Landshut schießt Norick Blödorn plötzlich Blut aus beiden Nasenlöchern.
Das Team, das am Samstagabend von Michael Härtel als eine Art Berater verstärkt wird, erbittet bei Renndirektor Phil Morris eine kurze Wartezeit, um das Nasenbluten stillen zu können. Doch der Herr der Ringe mag keine Karenzzeit gewähren: Verzögerungen im Betriebsablauf sind an einem Grand Prix-Abend nicht vorgesehen.
Also fährt Blödorn Heat 1, während ihm die Suppe in den Helm rinnt. Und so nur auf den letzten Platz.
Der Schleswig-Holsteiner reiht sich damit ein in eine Ahnentafel der besonderen Heldentaten von unappetitlichen Fahrten: Mark Webber hat schon Mal einen ganzen Grand Prix in Fuji mit einem Helm voller Erbrochenen von verdorbenem Sushi am Vorabend bestritten. Und Robby Gordon musste auf einer Etappe der Rallye Dakar sogar anhalten, weil sein Beifahrer von dem ewigen Auf und Ab in den Dünen schlecht wurde, er speien musste – und danach den vollgereiherten Helm nicht wieder aufsetzen musste. Also gab Gordon dem Co. kurzerhand seinen, stülpte sich selbst den eingesauten Helm seines Beifahrers auf – und fuhr die 800 Kilometer in der süßsauren Sauerei weiter.
Brrr.
Nach den vier blutrünstigen Runden kollabiert bei Blödorn im Fahrerlager der Kreislauf. Taumelnd fällt er in den Sessel in seiner Box, berappelt sch aber schon während der rennärztlichen Begutachtung wieder – und kann weitermachen.

Dem 21-Jährigen geht es wie weiland James Hunt in der Formel 1: Vor großen Rennen packt ihn schon Mal eine unbotmäßige Nervosität. Genau wie Hunt, hat auch Blödorn sich vor lauter Lampenfieber schon übergeben müssen. An der Ellermühle bricht sich die Angespanntheit in Nasenbluten ihre Bahn.
Nachdem die Blutung gestillt ist, baut das Team die Übersetzung um. Damit wird Blödorn zunächst zwei Mal Dritter – und geigt dann richtig auf: Er wird in zwei Läufen jeweils Zweiter, nur von Brady Kurtz und Bartosz Zmarzlik geschlagen. Dabei ist er deutlich näher an den beiden Superstars der Szene dran als seine jeweiligen Verfolger an ihm. Insgesamt holt Blödorn so sechs Punkte. Das ist genau jene Marke, die man braucht, um es in einen der beiden Hoffnungsläufe zu schaffen.
Nur wegen der schlechteren Ergebnisse mit Nasenbluten und direkt danach kommt er mit seinen sechs Punkten nicht in einen der Last Chance-Heats. Dominik Kubera, der letzte der Hoffnungslaufteilnehmer, hat genauso sechs Punkte wie Blödorn.
Man kann nicht umhin zu konstatieren: Blödorn ist der heimliche Held des Abends. Wegen des Nasenblutens – und aufgrund der Art und Weise, wie er auf dem Weg zu seinen beiden zweiten Rängen Anschluss an die beiden WM-Ersten des Vorjahres gehalten und dabei gleichzeitig Patryk Dudek und Jack Holder sowie Nasar Parnitski und Michael Jepsen Jensen schlicht und ergreifend abgehängt hat.



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