Lars macht mobil
- Norbert Ockenga
- vor 19 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Norick Blödorn gewinnt das Master of Speedway. Doch hinter dem Sieg von Moorwinkelsdamm steckt eine ganz besondere Geschichte.
Wer genau hinschaute, konnte schon in Landshut so etwas erahnen. Da steckten Norick Blödorn, sein Vater Guido und Lars Zandvliet am Morgen vorm Grand Prix schon auffällig lange die Köpfe zusammen. Und das, obwohl Zandvliet eigentlich in der Box gegenüber der Blödorns zuhause war: Der 35-jährige Niederländer ist einer der Stammmechaniker von WM-Silberrücken Fredrik Lindgren.
Doch Zandvliet strebt nach Höherem. Der ehemalige Speedway- und Langbahnfahrer aus Mussel, einem Dorf bei Stadskanaal im Südosten der Provinz Groningen und kurz hinterm Grenzübergang bei Dörpen im Emsland gelegen, verdingt sich dem vergangenen Jahr auch als Motortuner. Und beim Master of Speedway in Moorwinkelsdamm fährt Norick Blödorn erstmals mit einem Aggregat aus der Schmiede von Zandvliet.
Der Schleswig-Holsteiner gewinnt damit auf Anhieb das prestigeträchtige offenen Rennen in Friesland – unter anderem vor Jason Doyle. Der Australier gilt eigentlich als Vorabfavorit. Doch wegen einer der vielen stauträchtigen Baustellen im Nordwesten kommt er zunächst zu spät ins kleine Stadion draußen zwischen Felder, Wiesen und Auen. Er verpasst Training verpasst, fährt in seinen ersten Rennen einige Male in den Strahl, der in Mowi’damm viel Schwung raubt. In seinem letzten Vorlauf stürzt er – und muss sich rollend über die Ziellinie retten, um so den Halbfinaleinzug zu sichern.
Mir war es als Fahrer zu teuer, immer zu Tunern zu gehen. – Lars Zandvliet
Der Rennabend steht nicht nur im Zeichen von Spektakel und Show – sondern auch von deutlich mehr Überholmanövern als früher, weil man die Bahn in voller Breite nutzen kann und sich im Laufe der Heats Rillen rausbilden, die gekonnt als Schrittmacher mitgenommen werden können. Vor allem von jenen Fahrern, die über intetrnationale Erfahrung verfügen – wie Nicolai Klindt, Václav Milík jr., Mateusz Szczepaniak und vor allem Blödorn.
Der schießt im Finale vom Start weg vor Doyle, Milík und Szczepaniak in Front und landet einen ungefährdeten Start/Ziel-Sieg. Und das, obwohl der Zandvliet-Motor für ihn komplettes Neuland gewesen ist, er ihn nur vom ausgiebigen Fahrerlagergespräch in Landshut theoretisch kennt. „Ich möchte eigentlich Motoren bauen, die man überall auf jeder Bahn fahren kann und bei denen man nur mit der Übersetzung und der Zündung auf die Bahnbedingungen zu reagieren braucht“, schildert Zandvliet. „Mit Norick Blödorn haben wir den ganzen Tag immer etwas verändert. Er ist ab dem Training mit meinem Motor gefahren. Wir haben den Motor vor Ort reingebaut. Ich habe diesen Motor schon mit Jacob Thorssell beim Nicolai-Klindt-Memorial in England getestet. Auch da war der Motor schnell unterwegs: Er war gut für zwei Laufsiege und am am Ende für den dritten Platz.“

Blödorn ist nicht der einzige Fahrer, der in Moorwinkelsdamm mit einem Zandvliet-Treibsatz unterwegs. Klindt ist zuerst mit seinem eigenen gestartet, dann, als die Bahn Billig wurde, auf ein Zandvliet-Pendant umgestiegen. Mateusz Szczepaniak begann mit einer Maschine aus niederländischer Produktion, ging bei mehr Rillen aber einen anderen Weg.
Für Zandvliet ist der Einstand als Partner von Blödorn ausgerechnet in Moorwinkelsdamm etwas Symbolträchtiges. Denn der Blondschopf hat auf der Friesischen Wehde sein allererstes Speedwayrennen bestritten – beim Sechserspeedway der Dutch Open, das seinerzeit noch auf der Bahn unweit der Grenze von Bad Neuschanz stattfand.
Aus seiner Zeit auf Lang-, Gras- und Speedwaybahnen stammt auch sein Interesse am Tuning: „Ende letzten Jahres habe ich mit eigenen Köpfen angefangen. Aber in den Jahren, in denen ich selbst unterwegs war, habe ich die Motoren auch schon meistens selbst überholt, weil es mir zu teuer war, immer zu Tunern zu gehen.“
Klindt, Blödorn und Szczepaniak beweisen in Mowi’damm zu unterschiedlichen Rennen, dass die Motoren vor allem gut ausm Start gehen. „Alle Tuner brauchen gutes Material. Meine Köpfe sind mit CNC gefräst“, konkretisiert Zandvliet. „Ich habe eine Firma als Partner dafür, die eigentlich nichts mit Speedway macht. Und das ganz bewusst. Denn wenn ich eine Firma nehme, zu der auch andere Kunden vom Speedway kommen, dann haben am Ende auch wieder alle dieselben Ein- und Auslasskanäle.“

Die Motoren von Klindt und Blödorn betrachtet er als versatile Allrounder. Den von Blödorn nimmt er aus Moorwinkelsdamm gleich wieder mit über die Grenze in sein Heimatdorf, um ihn dort am Mittwoch nach dem Master of Speedway zu zerlegen. Denn „bis jetzt war die Zusammenarbeit mit Norick nur für dieses eine Rennen. Ich habe auch keine Motoren von ihm, die ich überhole. Ob wir mehr machen, hängt jetzt von ihm ab.“
Der Niederländer rüstet seine Werkstatt weiter auf, hat gerade eine Maschine für die Nachbearbeitung von Ventilfedern bestellt. Und er hat mit einer weiteren Firma, an der er beteiligt ist, auch noch prominentere Kunden als Blödorn und Co.: Gerade erst hat Nigel Mansell, der legendäre Formel 1-Exweltmeister aus Birmingham, bei ihm ein umgerüstetes Van für Transport und Reisen zu Motocrossrennen gekauft. Denn Greg Mansell, einer der beiden Söhne von „Our Nige“, hat nach erfolglosen Autorennversuchen in der Formel Renault 3.5 und bei den 24 Stunden von Le Mans inzwischen seine Liebe zum Offroadsport für sich entdeckt.



Kommentare