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Dann eben künftig keine EM mehr

Warum Chris Harris nach den Vorkommnissen vom Sonnabend in Aduard keine Grasbahn-EM mehr bestreiten möchte.


Chris Harris ist enttäuscht. Um ihn herum tobt das Geschehen in Aduard. Doch der Engländer darf nicht mitmischen beim EM-Finale auf der niederländischen Grasbahn. Und daraus zieht er spontan seine Konsequenzen: „Ich habe schon einen EM-Titel. Das reicht mir auch. Ich glaube nicht, dass ich die EM noch ein weiteres Mal bestreiten werde.“


So sagt es Chris Harris im Gespräch mit Josef Hukelmann, das der Emsländer in Aduard für bahndienst.com aufgenommen hat.


Der Grund für Harris’ Groll: Er hat es wegen eines Reisekuddelmuddels nicht rechtzeitig bis ins kleine Dorf vor Groningen geschafft. „Ich habe das Rennen um eine Viertelstunde verpasst. Ich habe den Veranstalter seit acht Uhr heute Morgen regelmäßig auf dem Laufenden gehalten, wann ich ankommen würde. Und als klar war, dass es zu knapp werden würde, habe ich die Organisatoren sogar noch gebeten, ob sie den Beginn nicht ein bisschen rauszögern könnten“, konkretisiert Harris. „Letztlich war ich um 15 Minuten hinter der Zeit. So sind zwar die Regeln. Aber es ist trotzdem nervig: viel Geld und viel Anstrengung investiert – für nichts.“


Die Ursache für die Verzögerung: Am Abend vor dem Rennen in Aduard hat Harris mit seinen Glasgow Tigers noch ein Zweitligarennen bei den Redcar Bears verloren, also in Middlesbrough. Es war ein neuer Rekord: Harris hat in Middlesbrough sein Ligarennen Nummer 1.200 bestritten, seit seinem Einstieg 1998 als 15-Jähriger.


Und Harris’ Reise in die Niederlande war so gebucht, dass sie bei normalem Verlauf locker zum rechtzeitigen Eintreffen gelangt hätte.


Ich habe schon einen EM-Titel. Das reicht mir. – Chris Harris

Aber? „Der Flieger von Stansted nach Amsterdam ist eine Stunde vor dem geplanten Abflug gestrichen worden. Wir haben es geschafft, auf einen anderen Flug von Heathrow aus umzubuchen“, erläutert Harris. „Die Fahrt dorthin dauert eineinhalb Stunden. Wir waren zwar rechtzeitig in Heathrow, hatten aber dann eine halbstündige Verzögerung mit dem Gepäck, weil meine ganze Rennausrüstung im Aufgabegepäck war. Deswegen haben wir die ersten beiden Heats verpasst. Als ich ankam, wurde mir noch gesagt, ich könne fahren. Aber nach der Technischen Abnahme und nachdem ich mich umgezogen haben, haben einige Fahrer losgemäkelt, dass ich nicht fahren sollte, wegen der Regeln: Weil ich zu Heat 1 eben noch nicht da war. Das waren dieselben Fahrer, die vorher noch gesagt hatten, dass sie mich gern im Rennen fahren sehen wollten. Na ja. So ist es nun Mal.“


Keiner reist so viel und oft auch so spektakulär wie Publikumsliebling Chris Harris. Foto: FIM
Keiner reist so viel und oft auch so spektakulär wie Publikumsliebling Chris Harris. Foto: FIM

Die Kleinkariertheit bei der Regelauslegung – vor allem im Zusammenspiel mit dem nervtötenden Reisestress, den jeder Vielflieger kennt – ging Harris am Samstagnachmittag fulminant gegen den Strich: „Ich bin schon lange genug dabei, um zu wissen, worum es geht: Ich hätte für Heat 1 hier sein müssen. Aber um eine Viertelstunde? Da bleibe ich nächstes Jahr bei solchen Rennen lieber zuhause und lege die Beine hoch.“


Den Titel in Aduard holt sich derweil Lokalmatador Romano Hummel. Der Niederländer riskiert auf der teils noch schlammigen Bahn vor allem an den Kurveneingängen vom Fleck weg deutlich mehr als alle Gegner. Erst im Finale findet Landsmann Dave Meijerink einen Weg, das bis dato überragende Tempo von Hummel zumindest mitzugehen. Doch angreifbar ist Hummel nicht mehr. Er gewinnt das von Wetterkapriolen geplagte EM-Finale sicher vor Meijerink und James Shanes.


 
 
 

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