„Das ist wie Schwimmen“
- Norbert Ockenga
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Ronny Stüdemann war bis vor ein paar Jahren Bahnmeister in der Teterower Speedwayarena – und kehrt nun als Fahrer auf den Bergring zurück.
An das erste Mal hat er eine keine ungetrübte Erinnerung. „Du fährst mit gesenktem Kopf runter zum Hechtsprung und denkst: ‚Jetzt muss es aber irgendwie gehen‘ – und dann schmeißt du das Ding fast weg, bist leichenblass, wenn du absteigst – und dann kommt auch noch ein Fotograf und zeigt dir ein Bild, wo du senkrecht in der Luft stehst“, schaudert es Ronny Stüdemann beim Gedanken an seinen allerersten Einsatz auf dem Bergring. „Dann wird dir klar: ‚Das ist doch ein bisschen was Anderes als Lüdinghausen.‘“
Inzwischen ist der 47-Jährige aus Demmin in Pommern schon zehn Mal auf der berühmtesten Grasbahn der Welt gefahren – und auch dieses Jahr zu Pfingsten wieder am Start. „Ich habe ein Motorrad nur dafür, das wir Stück immer weiter verbessert haben“, erläutert Stüdemann. „Ich habe das Fahrwerk ausgebaut, das macht mir Benny Wilbers gerade neu. Den Motor bereitet mir Martin Smolinski vor.“
Das ist doch ein bisschen was Anderes als Lüdinghausen. – Ronny Stüdemann
Vor allem auf die Verbindung zum Exweltmeister und Tuner aus Olching, der am Samstagabend beim Auerhahnpokal in Teterow im Vorprogramm des Bergringrennens auch selbst fahren wird, hält Stüdemann große Stücke: „Ich habe ihm genau gesagt, wie der aus der Ecke rausgehen soll – und Martin baut ihn dann genau nach meinen Vorstellungen auf. Du brauchst einen Mix aus Langbahn- und Speedwaymotorrad. Vor der Nordkurve machst kurz zu und wieder auf, damit du quer reinfahren kannst. Ein reiner Langbahnmotor passt da nicht so gut zu. Der ist drauf angelegt, lange schnell zu fahren.“
Die Leistungsentfaltung muss auf dem Bergring so hingetunt werden, dass man nicht nur im oberen Drehzahlbereich rumorgelt – sondern die Maschine auch übers Drehmoment fahren kann. Ein probates Mittel dafür ist eine schwerere Kurbelwelle – vergleichbar etwa mit Tuningmaßnahmen von Motoren für die Rallye Dakar.

Stüdemann hat seine Bergringkarriere auf einer geliehenen Maschine von Achim Reikowski begonnen, der früher in Norderstedt den Renndienst Küster & Reikowski betrieb. „Der meine nach ein paar Lang- und Grasbahnrennen, ich müsste das unbedingt versuchen. Ich habe mir danach ein paar Jahre später ein eigenes Motorrad gebaut.“ Mit einem wissenden Lächeln setzt er hinzu: „Das muss man mögen da, das ist schon so.“
Für die Nordschleife des Bahnsports, findet Stüdemann, komme ihm eines seiner Hobbys besonders zugute: der Kampfsport Wing Tsun. „Von sieben Tagen in der Woche treibe ich sechs Tage Sport. Wing Tsun ist nicht nur gut für die reine Kraft, sondern auch für den Kopf. Und durchs viele Rennradfahren habe ich allein in diesem Winter 12 Kilogramm abgenommen.“
Das sei für das besondere Anforderungsprofil des Bergrings wichtig: „Die alten Fahrer haben mir immer eingetrichtert: ‚Du musst das vergleichen mit vier Speedwayrennen am Stück.‘ Wenn einem da die Puste ausgeht, wird man langsamer. Du musst auch vom Kopf her da sein. Der Bergring verlangt deine ganze Konzentration.“ Und er komme seinem Fahrstil entgegen: „Ich bin generell mehr ein Kraftfahrer – habe gute Kondition und Fitness.“

Eigentlich hatte Stüdemann mit dem aktiven Fahren schon abgeschlossen. Er war stattdessen zunächst Bahnmeister für die Speedwaybahn in der Bergring-Arena, half dann dem MSC Neubrandenburg bei dem Bau von dessen junger Trainingsbahn in Wallin, die als Keimzelle für die Nachwuchsförderung der Viertorestädter dient und auch das Fundament für eine Rückkehr des einstigen Traditionsvereins in den großen Speedwaysport dienen soll – wenn es denn in Neubrandenburg eine neue erwachsene Bahn gibt. „Im letzten Frühling habe ich dann in Parchim Langbahntraining gefahren; danach haben die Jungs haben gesagt, lass’ uns wieder fahren. Also habe ich eine B-Lizenz gezogen.“
Nach einigen Speedwayeinsätzen für das Speedwayteam Wolfslake in der Liga Nord im Vorjahr und einer Teilnahme am internationalen Langbahntrainingslager in Paschim in diesem Frühling bestritt Stüdemann am Maifeiertag in Lübbenau sein erstes Langbahnrennen – auch als Vorbereitung auf den Bergring. Besondere Bedenken, dass er nach der Pause erst wieder reinkommen müsse, plagen ihn nicht: „Ich mach’ das ja auch schon 20 Jahre. Das ist wie Schwimmen – das verlernst du nicht.“



Kommentare