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Der Bergring-Clan

Ein Leben für den Bergring: die ungewöhnliche Geschichte von Familie Stanislawski aus Teterow.


Stani steht wie ein leuchtendes Beispiel für die Magie, die der Bergring in die Stadt Teterow hinein verströmt. Peter Stanislawski ist inzwischen 69, hat vor einem halben Jahrhundert in Gnoien sein erstes Rennen gefahren – und war damals doch schon ein alter Hase im Motorsport.


Denn sein Vater Stephan und sein Großonkel Stanislaus sind da bereits Legenden vom Bergring, und die Mutter nahm Peter Stanislawski als Zweijährigen erstmals im Kinderwagen mit ins Fahrerlager in den Heidbergen vor den Toren der Kleinstadt.


Genauer gesagt: Vater Stephan war 1930 einer der Mitbegründer des Bergrings und 1957 auch vom MC Bergring Teterow. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg bestritt er als aktiver Fahrer viele Rennen auf dem Ring, engagierte sich als Vorstandsmitglied im Verein – und brachte auch seine Frau und seine beiden Söhne mit ins Vereinsfunktionärsleben. Sogar Peter Stanislawskis Ehefrau Kerstin wurde in den Klub eingebunden.


Peter Stanislawski (Startnummer 14) im Startgewusel des Bergring-Rennens von 1979.
Peter Stanislawski (Startnummer 14) im Startgewusel des Bergring-Rennens von 1979.

Der Verein legte sich in den frühen Siebzigern einen eigenen Rennmaschinenfuhrpark zu, samt zugehöriger Werkstatt in der Stadt. Damit fing der Klub den jugendlichen Peter Stanislawski – zuerst als Mechaniker, was im Jargon der Region schon damals „Schmiermaxe“ hieß. Über diese Schiene konnte er die ersten Trainingsfahrten ergattern – und merkte, dass er das Talent zur Fahrzeugbeherrschung vom Herrn Papa geerbte hatte.


Seinerzeit gab es in der DDR die sogenannte „Ausweisklasse“, vergleichbar mit der B-Lizenz. Und es gab noch deutlich mehr Sand- und Grasbahnrennen als das letzte verbleibende in Lübbenau im Spreewald. Auf der Langbahn in Gnoien legte „Stani“ seine Feuertaufe ab, aber nur bis zu einem Motorschaden. Ein Jahr später gewann er das prestigeträchtige Rennen in Lübbenau und unterfütterte mit Erfolgen in Rathenow, Ludwigslust, Teterow und Gnoien seinen Titel als sogenannter „DDR-Bester im Sand- und Grasbahnsport“. Also quasi der Bahnpokalsieger.


1977 stieg Stanislawski in die Lizenzklasse auf, ein Jahr später kaufte sich der MC Bergring Teterow erstmals auch Speedwaymaschinen Doch die kurze Bahn reizet den Viertplatzierten der DDR-Meisterschaft von 1978 nicht, obschon er es bis ins Aufgebot der Zweitligatruppe schaffte.


Mit der Nummer 100 tritt Peter Stanislawski 1976 das Erbe von Vater Stephan an.
Mit der Nummer 100 tritt Peter Stanislawski 1976 das Erbe von Vater Stephan an.

Nach der Fahrerei engagierte er sich in den frühen Achtzigern als Mannschaftsleiter für das Teterower Team am Bergring, ab 1981 war er für 29 lange Jahre auch Sportleiter innerhalb des Vorstands vom MC Bergring Teterow. In den Neunzigern entsandte der Verein unter seine Ägide als Teammanager eine eigene Mannschaft für die Speedway-Superliga, die nach der Wende einen wahren Boom erlebte – mit Mannschaften von Norden über Wolfslake, Diedenbergen und Neuenknick bis hin nach Neubrandenburg. Natürlich waren die Großmächte wie Brokstedt, Güstrow und Teterow auch in der Liga dabei, die seinerzeit Stars aus der Einzel-WM und der polnischen Szene ebenso anlockte wie England-Profis und viele Dänen.


Stanislawski lebt den Spruch „Ein Mal Bergring, immer Bergring“ wie kaum ein Zweiter. Speedway bleibt ein Intermezzo, doch eines, das ihn immer noch in seinen Bann zieht: als Zeitnehmer neben Gabriele Mäthing. Bei den Bergringrennen organisierte er den Vorstartbereich mit – und arbeitete auch bei der Gestaltung vieler Programmhefte zu.


Denn die sind seine heimliche Leidenschaft: Alle Programme seit dem allerersten Bergring-Rennen von 1930 liegen in einem gigantischen Archiv, das er und seiner Bruder liebevoll und pingelig zugleich pflegen.

 
 
 

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