Der erste Geburtstag
- Norbert Ockenga
- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit
Genau vor einem Jahr ist die Website bahndienst.com zum ersten Mal online gestellt worden. Nach einer kurzen, aber intensiven Entwicklungsphase.
Franziska Niedermaier lässt ihren ganzen Charme spielen. Aber nichts zu machen: Es will der Gattin von Eisspeedwaystar Max Niedermaier einfach nicht gelingen, die Stimmung zu drehen.
Die Bayerin sitzt vor gut einem Jahr im Büro von Niedermayers Lohnunternehmen, wo sie in der Organisation mithilft. Am Schreibtisch gegenüber soll die Arbeit an der neuen Website bahndienst.com eigentlich gerade in die letzten Züge gehen. Denn für den Abend ist ein großer Online-Talk mit vielen Fahrern geplant, der auf der Facebookseite von Inn-Isar-Racing live gestreamt werden soll – und der als Rahmen dienen soll, die Internetseite bahndienst.com erstmals öffentlich bekannt zu machen.
Doch ein unbedachter Tastendruck – und schon ist der ganze Entwurf der noch offline stehenden Seite verschwunden. Natürlich weiß Franziska Niedermaier – eine durch und durch liebenswerte junge Frau – nicht, was sich vis-à-vis gerade für eine Katastrophe anbahnt. Sie merkt mit ihrem untrüglichen Gespür nur, dass irgendwas nicht stimmt. Dass sie mit ihren Beschwichtigungsversuchen vor Wände knallt, kann sie in dem Moment nicht einordnen.
Das Problem wird irgendwie gelöst, der Websiteentwurf über eine Art Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand gerettet, bei Franziska Niedermaier sich für die plötzliche ostfriesisch-ruppige Art entschuldigt. Der Launch findet plangemäß statt, genau ein Jahr liegt er jetzt zurück.
Die Geburt von bahndienst.com wird für immer mit den Erinnerungen an diese zwei Tage nach Inzell 2025 verwoben bleiben. An zwei Tage auf dem Hof von Max Niedermaier in einem kleinen Dorf in Bayern. An die Zeit im Gästezimmer der Eltern von Max Niedermaier – wer schläft schon bei einem ehemaligen Eisspeedwayweltmeister und seiner Frau unterm Dach? An die Kälber vom Niedermaier'schen Hof, die Franziska und Max jeden Morgen vorm Wachwerden unter lautem Geklöter der Milchflaschen versorgt haben. An den Knirps Max jr., der mit wachen, kecken Augen den ungewöhnlichen Besucher mit in Beschlag nimmt.
Ein Jahr ist das Ganze jetzt her. Aber klar: Die Vorbereitungen für das neue Projekt haben schon weit vorher begonnen. Den Grundstein haben zwei separate Begebenheiten gelegt: die Moderation eines Oldtimertreffens von Inn-Isar-Racing am 3. Oktober mit Stargast Walter Röhrl und ein Besuch im Autohaus von Christian Brunkhorst in Zeven. Bei beiden Treffen hat man irgendwie gemerkt: Die Chemie mit diesen Leuten stimmt, mit denen kann man mehr machen. So nimmt die ureigene Idee in Ostfriesland bundesweit Fahrt auf: Wenn man ohnehin schon wegen der Liveübertragungen der Speedway-Grands Prix wieder mehr mit Bahnsport und -recherche zu tun hat – warum das Wissen nicht weiterverwerten und ein neues Medium für diesen Sport zu schaffen, das es so noch nicht gibt?

Platzer und Brunkhorst sind denn auch zwei frühe Verbündete. Genau wie Josef Hukelmann, der Chef des MSC Werlte, der sich bei einem Besuch im nahen Emsland sofort begeistert Zeit – von der Idee und auch von dem Ansatz, es, wie er sagt, einfach zu machen statt viel zu reden. Denn das entspricht genau seiner Philosophie, mit der Hukelmann so viel für den deutschen Bahnsport getan hat. Also nutzt auch Hukelmann sein Netzwerk, und binnen kürzester Zeit finden sich Partner, auf deren Fundament die neue Seite gestellt werden kann:
Klaus Bisl, Versicherungsmakler
Jürgen Meindl, Brandschutzexperte
Toni Bader, dessen Firma Unimogs mit atemberaubenden Kranaufbauten tunt
Lothar Koopmann, Inhaber eines Konzerns für Energie- und Elektrotechnik
Jörg Grohmann, Versicherungsmakler
Christian Brunkhorst, Inhaber von drei Autohäusern
Joachim Liebl, Chef des Motorradsportreifenmarktführers Mefo
Inhaltlich sollte es natürlich vom Feinsten sein. Nicht nur Textmeldungen, sondern auch Videos und Podcasts – mit denen wir schon bei PITWALK als allererste in der deutschsprachigen Motorsportberichterstattung begonnen hatten. Der Anspruch hat Ideen hervorgebracht wie etwa eine Fitnessrubrik mit Kati Weidinger, der Physiotherapeutin von Inn-Isar-Racing, die zeigt, wie Rennfahrer sich fit halten. Und das Studio Bayern in Pfaffing, bei Klaus Bisl, das in diesem Jahr zu einem permanenten Stützpunkt für Podcasts und Videos werden wird. Und auch die Social Media-Kurzvideos und Reels mit Updates direkt aus den Bahndienstpausen bei großen Rennen, die teils erstaunlich hohe Klickzahlen erreicht haben. Der Versuch, ein digitaler Vollsortimenter zu werden, ist voll eingeschlagen. Und die Speedway Talk Night, die nach einem ersten Anlauf in Zeven 2026 deutlich ausgeweitet werden soll.
Dank der Innovationsfreude und der starken Partner ist es auch gelungen, ein neues Kommunikationskonzept auf Kiel zu legen, das für Partner und Veranstalter einen echten Mehrwert schafft. Die Berichterstattung, die gerade rund um die Eisspeedwaynationalmannschaft läuft, gehorcht einem innovativen Muster, das sich auch auf andere Bereiche anwenden lässt – und den Sport sowie seine Veranstalter richtig nach vorn bringt. Mal gespannt, wer diese Plattform als Nächster nutzt.
Wenn man zum ersten Mal eine Internetseite aufsetzt, klappt natürlich nicht alles. Eigentlich ist es erstaunlich, wie viel dabei schiefgehen kann. Aber das kennt man ja schon von der ersten Ausgabe der Zeitschrift PITWALK, die man zirka 14 Jahre vorher aufgelegt hat. Genau wie das ganz besondere Prickeln, das Lampenfieber, kurz bevor jede Ausgabe von PITWALK im Büro ankommt. Oder von den Minuten vor Beginn einer Eurosport-Sendung. Bei bahndienst.com ist das Gefühl ganz ähnlich, nur viel intensiver, weil die Schlagzahl der Nachrichten und Geschichten viel höher ist.
Schon bei den ersten Recherchebesuchen – Eisspeedway Inzell und Heerenveen, Zweite Bundesliga Cloppenburg, Langbahn-WM Scheeßel und Vechta – fällt auf: Die Szene hat sich in den vergangenen 20 Jahren kaum verändert. Das ist manchmal zum Haareraufen, weil man durch etwas Modernität besser dastehen würde als heute. Meist ist es aber charmant. Denn es erinnert einen daran, warum man in jungen Jahren eigentlich den Beruf eines Motorsportjournalisten angestrebt hat. Mit der Arbeitsweise in der Formel 1, bei den 24 Stunden von Le Mans und bei anderen Autorennen hat der Job im Bahnsport nichts zu tun. Bahnsport ist Motorsport pur, mit echten Racern und Charakterköpfen als Hauptdarstellern und aller Urwucht und einer Prise Abenteuerfeeling, die dazu gehören, um unverstellte Faszination zu verströmen. Und zwar heute noch genauso wie einst in Harsewinkel, Halbemond, Albersdorf, Celle, dem Sportforum Berlin-Hohenschönhausen et cetera.
Man muss in dem Zusammenhang nicht nur den Partnern danken. Sondern auch den vielen Fahrern, die sofort bereit waren mitzuarbeiten – und die einen mit offenen Armen und viel Respekt empfangen haben. Denn auch da gilt: Ohne eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit geht es nicht, von irgendwo her müssen die Informationen ja kommen. Es ist erfreulich, wie gut das vom Fleck weg funktioniert hat.

Querköpfe gibt es immer, auch in anderen Motorsportdisziplinen. Aber die Arbeit im Bahnsport macht einfach zu viel Spaß, als dass man sich von deren teils seltsamen Anwandlungen aus der Bahn werfen ließe: Wer nicht will, der hat schon. Und in Summe sind solche Querulanten und Harm Düllbuddels in einer noch geringeren Minderheit als die FDP gerade in der Politik.
Die überwiegende Resonanz ist geradezu überwältigend positiv. Manchmal sogar rührend. Auf jeden Fall aber Mut machend auf Mehr. Auch wenn man nicht vergessen darf: bahndienst.com ist zwar bei der Pitwalk media GmbH mit angegliedert – aber eigentlich ein Nebenprojekt neben dem Hauptgeschäftsfeld, dem Verlegen von Deutschlands größter Motorsportzeitschrift und dem Produzieren der zugehörigen Podcasts. Und wenn wie im Januar bei der Rallye Dakar bei Eurosport richtig die Post abgeht, dann überstrahlt auch das zwangsläufig hin und wieder die Produktivität für die Website.
Doch Wochenenden wie jenes in Inzell, bei dem im Vorfeld klar war, dass drei Tage lang im aus der Formel 1 bekannten Stil gearbeitet wird, zeigen, was geht. Der Aufwand in Inzell war in Sachen Schlafmangel und Arbeitszeit sowohl im Fahrerlager als auch vorm Rechner vergleichbar mit einem Eurosport-Wochenende bei den 24 Stunden von Le Mans. Dass während der Zeit in Bayern noch ein adhoc-Besuch in einem ZDF-Studio als Formel 1-Experte für den Tag der Rückreise vereinbart wurde, macht den ganzen Wahnsinn nur noch turbulenter.
Aber: Je mehr Trubel und Hektik, desto mehr macht der Job Spaß. Vor allem dann, wenn man ihn wie bei bahndienst.com mit tollen Partnern, einzigartigen Menschen und außergewöhnlichen Charakteren ausfüllen kann.
Darum: Danke an alle, die dieses mediale Abenteuer möglich machen. Und auch ein Dank an die vielen Gratulanten, die sich schon zum Einjährigen gemeldet haben.
Auf ein Neues in Heerenveen und Cloppenburg.



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