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Der Meister-Interpret

Michael Jepsen Jensen hat sich in den letzten beiden Grands Prix in der Weltspitze etabliert.


Der bunte Klecks taucht immer woanders auf. Michael Jepsen Jensen hat nun schon bei zwei Großen Preisen gezeigt, dass er derjenige Fahrer ist, der derzeit in der Speedway-WM die Bahnen am besten lesen und interpretieren kann – und dann Linien zieht, die sonst keine hinkriegt.


Vorzugsweise ganz innen. Auf jenem kleinen Streifen direkt neben dem Begrenzungsstrich, auf dem noch ein paar wenige Zentimeter Griff zu finden sind – ehe dann der breite glatte Bereich bis raus zur Griffkante im letzten Bahndrittel folgt.


Es ist inzwischen Mode geworden, dass alle Fahrer sich raustreiben lassen und auf dem Außenstrich nach Griff suchen, bis hin zu spektakulären Anliegern ans Kickboard der Band. Artjom Laguta hat diese Fahrweise eingeführt, Bartosz Zmarzlik sie perfektioniert.


Seit zwei WM-Läufen etabliert sich Jepsen Jensen als fahrender Gegenpol: Er kombiniert den Vorteil des kürzesten Weges mit dem kleinen Streifen losen Materials, den er innen aufspürt. Max Koiuvula macht es etwa im Eisspeedway oft genau so. Man muss dann die Maschine mit viel Körpereinsatz dazu zwingen, innen zu bleiben, nicht rauszutreiben.


Ein Zufall oder ein Strohfeuer ist das alles nicht. Auch in der polnischen Ekstraliga ist Jepsen Jensen seit nunmehr zwei Jahren einer der Besten. Mit seinem Klub Graudenz hat er zwar vor dem vergangenen Grand Prix durch eine Niederlage gegen Breslau gerade die Tabellsnpitze verloren. Doch dass Graudenz überhaupt auf Platz 1 lag und immer noch sicher auf Playoffkurs segelt, ist ebenso eine Überraschung wie maßgeblich das Verdienst des Dänen. Er ist im Graudenzer Kader sogar beharrlich besser als Mit-Grand Prix-Fahrer und Teamkollege Max Fricke aus Australien.


In Breslau hätte der erste Sieg schon kommen müssen. – Michael Jepsen Jensen

Vor einem Jahr galt Michael Jepsen Jensen noch als Rückkehrer. Inzwischen gehört der Däne zu den Überraschungen der Speedway-GP-Saison 2026. Vor dem Grand Prix von Schweden in Malilla liegt der 34-Jährige mit 61 Punkten auf Rang vier der Weltmeisterschaft – nur zwei Zähler hinter dem drittplatzierten Briten Robert Lambert, 21 hinter Spitzenreiter Bartosz Zmarzlik.


Dass Jepsen Jensen überhaupt wieder zur Weltelite zählt, war lange keineswegs selbstverständlich. Nach seiner einzigen kompletten Grand-Prix-Saison 2015 verschwand der frühere Ausnahmekönner weitgehend aus dem internationalen Rampenlicht. Erst zwei starke Jahre in den europäischen Ligen brachten die Wende. 2025 gewann er die Grand-Prix-Qualifikation und sicherte sich erstmals den dänischen Meistertitel – die Eintrittskarte für seine Rückkehr in die Speedway-Weltmeisterschaft.


Michael Jepsen Jensen fährt oft einen anderen Strich als seine Gegner. Foto: FIM
Michael Jepsen Jensen fährt oft einen anderen Strich als seine Gegner. Foto: FIM

Der Saisonauftakt verlief allerdings enttäuschend. In Landshut sammelte Jepsen Jensen lediglich zwei WM-Punkte. Seitdem zählt er jedoch zu den konstantesten Fahrern des Feldes. In den folgenden vier Veranstaltungen erreichte er dreimal das Finale und etablierte sich dauerhaft in der Spitzengruppe. „Es fühlt sich gut an, wieder dazuzugehören“, sagt Jepsen Jensen. „Ich habe zeigen können, wozu ich eigentlich fähig bin. Viele Dinge haben mich in den vergangenen Jahren daran gehindert. Jetzt nehme ich ein Rennen nach dem anderen.“


Der nächste Schritt soll nun der erste Grand-Prix-Sieg seit fast anderthalb Jahrzehnten werden. Sein bislang einziger Erfolg datiert aus dem Jahr 2012, als er den Grand Prix der nordischen Länder in Vojens als Wildcard-Gast gewann. In dieser Saison war er dem Triumph bereits mehrfach nahe: Rang zwei in Manchester, Rang drei in Breslau und Platz vier in Prag unterstreichen seine aufsteigende Form. „Natürlich will ich endlich wieder gewinnen. In Breslau hätte es eigentlich schon passieren müssen. Aber ich werde weiter angreifen. Das wichtigste Ziel bleibt zunächst, regelmäßig das Finale zu erreichen.“


Mit fünf ausstehenden Grands Prix ist sogar eine WM-Medaille realistisch. Der Rückstand auf Rang drei beträgt lediglich zwei Punkte, selbst der Titelkampf ist rechnerisch noch offen. Jepsen Jensen weiß allerdings, dass dafür nicht nur eigene Spitzenleistungen nötig sind: „Das wäre großartig. Aber dafür müssen ein paar andere Fahrer auch Fehler machen.“


Der Grand Prix von Schweden in Malilla bietet dafür eine weitere Gelegenheit. Obwohl die traditionsreiche Skrotfrag Arena seit 2005 bereits zum 20. Mal Gastgeber eines Speedway-WM-Laufs ist, bestreitet Jepsen Jensen dort erst seinen zweiten Grand-Prix-Start.

 
 
 

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