Die falsche Denke
- Norbert Ockenga
- vor 7 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Bartosz Zmarzlik gewinnt in Riga, weil er anders an den Grand Prix herangeht als seine direkten WM-Kontrahenten.
Bartosz Zmarzlik übernimmt Riga wieder die Führung in der Weltmeisterschaft. Der Pole gewinnt am Samstagabend das Rennen auf der Bikernieki-Bahn und feiert damit seinen bereits 31. Sieg in der WM. Zugleich ist es sein dritter Erfolg bei erst vier Starts in Riga.
Die Bahn feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen.
Hinter Zmarzlik kommt Robert Lambert ins Ziel. Der Brite belegt Rang 2, Brady Kurtz aus Australien wird Dritter. Der Pole Kacper Woryna komplettiert als Vierter das Klassement.
In der WM-Wertung setzt sich Zmarzlik mit 129 Punkten wieder an die Spitze. Kurtz folgt mit 125 Punkten, Lambert liegt mit 119 Zählern auf Rang 3. Damit trennen die drei Titelanwärter lediglich zehn Punkte. In den letzten beiden WM-Läufen in Vojens am 12. September und in Thorn an der Weichsel am 26. September werden noch insgesamt 48 Punkte vergeben. Die Entscheidung um den Titel ist damit völlig offen.
Besonders bemerkenswert ist die Konstellation auch deshalb, weil Zmarzlik, Kurtz und Lambert in drei der vergangenen vier Finals gemeinsam auf der Bahn standen. Zmarzlik will diesen Dreikampf nutzen, um als erster Fahrer der Speedway-Geschichte sieben Weltmeistertitel zu gewinnen. „Die Jungs setzen mich ständig unter Druck, aber ich habe es wieder ins Finale geschafft“, sagt Zmarzlik nach seinem Sieg. „Das ist spannend. Vor dem Finale habe ich Brady und Robert gefragt: ‚Wie oft sind wir eigentlich schon gemeinsam im Finale gefahren? Wie viele gute Rennen haben wir zusammen erlebt?’“
Mit seinem Auftritt in Riga ist der Pole ausgesprochen zufrieden. „Ich freue mich über diesen Sieg. Es ist ein richtig guter Tag für mich. Ich habe viele schöne Erinnerungen an diesen Ort. Ich bin wieder sehr stolz und glücklich.“
Brady Kurtz brachte Zmarzlik bereits 2025 beinahe um den Weltmeistertitel. In dieser Saison wächst in Robert Lambert ein weiterer ernsthafter Konkurrent heran. Die Ausgangslage ist für Zmarzlik damit anspruchsvoller denn je – zumindest auf dem Papier.
Der Pole selbst bewertet die Situation jedoch nicht anders als seine bisherigen Titelkämpfe. „In den vergangenen 10 Jahren habe ich jedes Jahr eine große Herausforderung gehabt. Ich behandele sie immer gleich. Ich mache einfach meine Arbeit und konzentriere mich ständig voll darauf. Jedes Jahr erzählt eine andere Geschichte, aber ich muss immer meine gute Leistung bringen.“
Ich denke nicht: ‚Ich muss‘; ich denke: ‚Ich kann.‘ – Bartosz Zmarzlik
Der Sieg in Riga ist für Zmarzlik zugleich die passende Antwort auf den enttäuschenden Auftritt beim Rennen in Lodz am 1. August. Dort verpasste er das Finale, in Riga steht er dagegen wieder ganz oben auf dem Podium.
Vor den letzten beiden WM-Veranstaltungen mag er sich deshalb nicht mit dem möglichen siebten Titel beschäftigen. „Ich denke nicht: ‚Ich muss‘ – ich denke: ‚Ich kann.‘ Nach Riga bin ich sehr glücklich, weil ich in Lodz Probleme hatte. Das hier ist besser gelaufen. Jetzt haben wir noch zwei Läufe – also los. Ich kann’s kaum abwarten.“
Bevor die Weltmeisterschaft im September in die entscheidende Phase geht, wartet auf Zmarzlik noch ein weiterer großer Wettbewerb. Am 29. August führt er Polen bei der Mannschafts-WM in Warschau an. „Jetzt kommt der Druck. Sobald du die Kevlar mit den Farben deines Landes anziehst, willst du wirklich gut abschneiden. Warschau ist ein besonderer Ort für Rennen. Was soll ich mehr sagen? Wir werden sehen, was passiert.“
Damit macht Zmarzlik zugleich deutlich, dass der Kampf um seinen möglichen siebten individuellen WM-Titel für ihn nicht dieselbe emotionale Dimension besitzt wie der Einsatz für Polen.
Robert Lambert kommt in Riga als Zweiter ins Ziel und setzt damit eine bemerkenswerte Serie fort. Der Brite steht nun bei vier Speedway-GP-Rennen in Folge unter den besten 2. In der Weltmeisterschaft liegt Lambert zwar 10 Punkte hinter Zmarzlik, doch die Ausgangslage lässt ihm alle Möglichkeiten. „Es ist großartig, dass darüber gesprochen wird – rund um die ersten drei Fahrer herrscht Spannung. Ich werde einfach Motorrad fahren und mein Bestes geben, dann sehen wir am Saisonende, wo ich stehe.“
Mit seiner aktuellen Form ist Lambert zufrieden: „Im Moment läuft es offenbar gut. Damit bin ich glücklich, und ich gehe mit einer guten, komfortablen Ausgangsposition in die letzten beiden Läufe.“

Brady Kurtz erreicht in Riga zum siebten Mal in Folge ein Finale und wird Dritter. Damit verliert der Australier zwar die WM-Führung an Zmarzlik, sieht darin aber noch keinen entscheidenden Rückschlag. „Nach einem weiteren Finale kann die Situation wieder genau so aussehen wie vor Samstag. Deshalb mache ich mir darüber nicht allzu viele Gedanken. Es stehen noch viele Läufe an, und zwischen jetzt und Thorn kann viel passieren.“
Sein Weg ins Finale führt diesmal allerdings über den Hoffnungslauf – eine Situation, die Kurtz möglichst vermeiden möchte. „Da fahren zu müssen, ist nie ideal. Ich war einfach froh, dass ich da durchkam und ins Finale einzog. Das war nicht meine beste Leistung. Von Startplatz 4 kam ich ordentlich weg und dachte, dass ich im Endlauf vielleicht doch eine Chance haben. Aber Startplatz 1 war an dem Abend einfach zu gut.“
Nach dem intensiven WM-Wochenende richtet Kurtz seinen Blick zunächst auf eine kurze Pause. Danach steht die Mannschafts-WM an, bevor die Weltmeisterschaft im September in Vojens wieder aufgenommen wird. „Ich freue mich jetzt erst einmal auf eine kleine Pause. Dann kommt Team-WM, was natürlich großartig wird. Um Vojens kümmern wir uns, wenn es so weit ist.“
Der Ausgang von Riga verschiebt die Kräfteverhältnisse an der Spitze nur geringfügig, erhöht aber die Spannung. Zmarzlik führt mit vier Punkten Vorsprung auf Kurtz und 10 auf Lambert. Gleichzeitig zeigt die Formkurve der drei Fahrer, dass keiner von ihnen abgeschrieben werden kann.
Die verbleibende Rechnung ist einfach: 48 Punkte sind in Vojens und Thorn noch zu vergeben, und nur zehn Punkte liegen zwischen dem WM-Führenden und dem Drittplatzierten. Der Titelkampf entscheidet sich somit erst in den letzten beiden Rennen – und Zmarzlik hat mit seinem Sieg in Riga zunächst wieder die beste Ausgangsposition.



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