England führt alle vor
- Norbert Ockenga
- vor 50 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Das Team-WM-Halbfinale in Landshut wird eine eintönige Sache – mit schlechtem Ausgang für die Deutschen.
Spannend war es nicht. Aber dafür schnell vorbei. Beim Semifinale der Mannschafts-WM setzte es am Freitagabend einen einzigen Sturz. Ansonsten erlebten 5.100 Fans einen kurzen, aber nicht kurzweiligen Abend: Zu groß war das Leistungsgefälle zwischen Robert Lambert und Dan Bewley auf der einen und allen anderen Fahrern auf der anderen Seite.
Die Engländer können sich sogar zwei Schwachstellen im Team leisten – und sind immer noch überlegen. Die deutschen Hoffnungen auf ein Wunder an der Ellermühle verpuffen schnell. In der Bilanz wird klar: Alle drei Verfolgernationen halten sich vor allem untereinander auf Trab – während die Briten sich peu-à-peu an der Spitze immer weiter absetzen.
Kai Huckenbeck wird gleich im ersten Lauf als Ersatz für Mario Häusl eingesetzt, verliert aber gegen Nasar Parnitski. Norick Blödorn wird von Tom Brennan geschlagen – was für die Engländer bitter nötig ist, denn Leon Flint hat mit einem letzten Platz begonnen. Kevin Wölbert startet mit einem dritten Rang hinter Robert Lambert und Stanislaw Melnitschuk. Dann fährt Lars Skupień ins Startband, Dan Bewley bringt Großbritannien erstmals in Führung – und die Tschechen ziehen an den Deutschen vorbei.
Die ersten Rennen sind ereignislos, allein die Starts entscheiden. Auch später nimmt der Abend kaum Fahrt auf. Lediglich Wölbert, nun auf der Ersatzmaschine unterwegs, kann mit einem spektakulären Unterschneiden kurz nach Tom Brennan vorbeigehen, auch Bewley und Huckenbeck können Mal aus eigener Kraft überholen. Doch obwohl außen eine Linie losen Materials aufgeht, bleiben echte Zweikämpfe Mangelware.
Großbritannien setzt sich bereits im zweiten Durchgang vorentscheidend ab, als Skupień dieses Mal zu zögerlich startet und später wegen Reifenschadens ausfällt. Die Deutschen holen jede Menge zweite Plätze, gehen so wieder an den Tschechen vorbei – aber den Engländern können sie nie gefährlich zu Leibe rücken.
Und das, obwohl bei den Briten Flint ein Totalausfall ist und Brennan nach zwei Siegen einbricht. „Unsere großen Beiden“, gesteht Brennan später, „haben uns getragen.“ Denn Lambert schrammt nur um einen Punkt am Maximum vorbei – und Bewley um deren zwei. Der Rotschopf macht zu Beginn des letzten Blocks auch rein rechnerisch den Sack zu. Doch am Sieg der Briten hat schon früh am Abend kein Zweifel bestanden.
Die Deutschen verlieren am Ende sogar noch Rang 2 an Tschechien. Denn bei denen finden Václav Milík jr. und Jan Kvěch ab Halbzeit eine Abstimmung, mit der sie plötzlich zu Siegfahrern werden. Während bei den Deutschen nur Huckenbeck zwei und Blödorn einen Sieg einheimsen, aber die Leistung ingesamt zu schwankend ist.

Vor den Rennen der Nominierten im letzten Durchgang verkündet Teammanager Mathias Bartz, Häusl werde fahren, doch tatsächlich startet Huckenbeck. Der hätte den ganzen Abend über sechs Mal fahren dürfen, wird aber lediglich fünf Mal eingesetzt – während die Tschechen Kvěch die vollen sechs Mal an den Start bringen und so das Maximum aus dem besten Mann auf der taktisch geprägten Ersatzfahrerposition machen.
Nach einem Nuller von Wölbert sind Deutschland und Tschechien vor den letzten beiden Heats punktgleich. Dann besiegt Milík Blödorn. Skupień, zwischenzeitlich ausgewechselt, kommt im letzten Heat zwar als Zweiter vor Adam Bubba Bednář ins Ziel, der enttäuscht. Doch das rettet nicht mehr den zweiten Rang: Die Tschechen sind punktgleich, die besseren Ergebnisse geben den Ausschlag zugunsten der Osteuropäer.



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