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Grübelstunde und Denkanstöße

Was heißt das Geschehen in Inzell für die Nationalmannschaft, mit der Deutschland bei der Team-WM in Heerenveen antritt?


Zwar stehe das Team in seinen Überlegungen schon fest, beteuert Bernd Sagert, doch verraten mag der Teammanager seine Aufstellung für das Eisspeedway der Nationen am zweiten Aprilwochenende in Heerenveen noch nicht. Denn noch hätte er nicht alle betroffenen Fahrer telefonisch gesprochen – und erst dann solle die Meldung auch öffentlich werden.


So bleibt Raum zum Überlegen. Hans Weber hat in Inzell im direkten Gespräch erneut beteuert, nicht für Schwarzrotgold fahren zu wollen. Neben anderen Aussagen, die mit einigem Abstand nach seinem Rückzug vom Sonntagsrennen gefallen sind, also nicht etwa in der Hitze des Gefechts, sondern schon aufgeräumt und umgezogen.


Zwar hat Weber auf seiner Facebookseite versucht, einige dieser Worte wieder einzufangen. Aber expressis verbis nicht diejenigen zur Mitgliedschaft in der Nationalmannschaft. Kann nur bedeuten: Weber ist endgültig draußen.


Dass Max Niedermaier gesetzt ist, daran besteht ohnehin kein Zweifel.


Dann kann Sagert aus einem erweiterten Kader von drei Mann schöpfen: Inzell-Wildcardfahrer Max Niedermaier d.J. und den beiden Bahnreservisten Christoph Kirchner und Franz Mayerbüchler.


Ich muss nicht die besten Fahrer aufbieten – sondern das beste Team. – Bernd Sagert

Von denen war Kirchner im Chiemgau der schnellste, auch wenn er nur am Sonntag zum Einsatz kam.


Die Regeln der Team-WM sehen eine Besonderheit vor: Jener Fahrer, der als dritter Mann, also eigentlich als Ersatz, nominiert ist, darf bis zu zwei Mal mehr eingesetzt werden als die beiden Stammfahrer. So wird aus dem Eisspeedwaygegenstück zum Ergänzungsspieler, wie es neuerdings so woke im Stadion des FC St. Pauli heißt, eine taktische Reserve.


Die damit mögliche strategische Vielfalt wird für die deutsche Besetzung nun besonders interessant.


Max Niedermaier und Christoph Kirchner im Gespräch mit Kai Schmiedeknecht (v.r.n.l.), dem Chef der Veranstalter von Inzell. Foto: Heike Kleene
Max Niedermaier und Christoph Kirchner im Gespräch mit Kai Schmiedeknecht (v.r.n.l.), dem Chef der Veranstalter von Inzell. Foto: Heike Kleene

Im Sommerspeedway haben die Tschechen vor ein paar wenigen Jahren vorgemacht, wie man mit solchen Möglichkeiten strategisch optimal umgeht. Sie beriefen Václav Milík jr. in den Stammkader – und setzten den vorab überzeugenderen Jan Kvěch auf die Reserveposition, wechselten den Grand Prix-Fahrer dann aber emsig ein und schöpften seine Maximalfahrtzeit bis zum Äußersten aus.


Damit überrumpelten die Tschechen damals ihre Gruppengegner.


Die Ausgangslage der deutschen Eisspeedwayéquipe lässt nun etwas ganz Ähnliches zu: Max Niedermaier als Zugpferd setzen, seinen gleichnamigen Vetter auf Nummer 2 – und Christoph Kirchner als Nummer 3. Der kann dann je nach Leistungsstand für einen der beiden Vetter eingewechselt werden, wenn's pressiert, also etwa gegen die Niederländer oder die Schweden, sollte bei denen Martin Haarahiltunen wegen seiner Unterschenkelkopffraktur wirklich fehlen.


Im Herbst, bei der Paar-WM im Sommerspeedway, haben die deutschen Teammanager Sascha Dörner und Mathias Bartz in der Vorrunde gleich zwei Fehler gemacht: sich verrechnet und die Fahrer schon zum Abstellen der Maschine ins Parc Fermé vergattert, obwohl klar offensichtlich war, dass sie im Stechen gegen Lettland standen – und dann, als sie doch noch ran mussten, keinen taktische Anweisung fürs geschlossene strategische Fahren auf die Platz 2 und 3 ausgegeben, was Kai Huckenbeck und Norick Blödorn zum Weiterkommen ins Finale gereicht hätte.


Für die Eisspeedway-Nationalmannschaft zeichnet in Bernd Sagert ein anderer Funktionär verantwortlich. Der weiß fein zu unterscheiden: Er müsse nicht die besten Fahrer aufbieten, differenzierte er im Fahrerlager von Inzell; „ich muss das beste Team fürs Land aufbieten.“



 
 
 

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