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Grunwald mit neuem Antrieb

Wie Hannah Grunwald ihre Technik für die Saison 2026 neu aufgestellt hat.


Ihr Blick sagt mehr als 1.000 Worte. Das Bild, das bahndienst.com-Fotografin Heike Kleene beim Medien- und Trainingstag in Cloppenburg von Hannah Grunwald eingefangen hat, charakterisiert die 18-Jährige aus Parchim trefflicher als es jede Geschichte je vermöchte: Volle Konzentration paart sich in ihrer Mimik mit kompromissloser Entschlossenheit – und mit genau jener Portion Ernsthaftigkeit, die man braucht, um es im Sport zu etwas zu bringen.


Das Bild bringt es auf den Punkt: Grunwald hat ihre Ziele fest im Visier.


Der Osterpokal in Güstrow ist für die Damenweltpokalsiegerin ein weiterer Schritt – und zugleich auch der nächste Test, um sich auf eine völlig neue Technikkombination an ihrer Maschine einzustellen. Grunwald vertraut auf einen Riementrieb statt einer Kette – und auf eine Kupplung, die über eine Hydraulikleitung statt einen Bowdenzug betätigt wird.


Damit ist sie eine echte Exotin im Sommerbahnsport.


Das Motorrad fährt sich viel ruhiger, nicht mehr so ruppig. – Hannah Grunwald

Der Riementrieb stammt von ihrem Tuner Matthias Kröger. „Ich bin damit im vergangenen Jahr in Wolfslake schon mal gefahren – und hatte das Gefühl, dass ich damit viel besser rumgekommen bin“, schildert Grunwald. „Das Motorrad fährt sich damit viel ruhiger, nicht mehr so ruppig.“


Im Blick von Hannah Grunwald spiegelt sich ihre ganze Herangehensweise an den Sport. Foto: Heike Kleene
Im Blick von Hannah Grunwald spiegelt sich ihre ganze Herangehensweise an den Sport. Foto: Heike Kleene

Bei den vorsaisonalen Probefahrten in Neuenknick und Cloppenburg fuchste sich Grunwald mit ihrem Team weiter in die neue Technik ein. Auch in den Umgang mit der hydraulischen Kupplung.


Die ist im Speedwaysport eine absolute Seltenheit. Im Eisspeedway vertraut etwa ein Drittel des WM-Feldes auf solch’ eine Hydraulik, darunter auch WM-Anwärter Max Koivula und dessen finnischer Landmann Heikki Huusko. Die Technik stammt eigentlich aus dem Motocross; der Lieferant aller Bahnfahrer ist eine Marke, die sonst im Cross engagiert ist.


In der Bildergalerie von Heike Kleene kann man sehr schön sehen, wie die neue Technik von Hannah Grunwald ausschaut: Auf dem Foto vom Vorstart erkennt man jenen kleinen schwarzen Tank, in dem das Öl der Hydrokupplung untergebracht ist, an ihrem Lenker direkt links neben der Schlaufe von ihrer Rennbrille. Und auf dem Foto mit dem ausgebauten Hinterrad lässt sich links unten neben der leeren Hinterradschutzverkleidung jener breite schwarze Antriebsriemen für die Kraftübertragung ausmachen, der sonst von einem Kettenschutz verdeckt ist.


Also – einfach durchklicken, dann seht Ihr Details der neuen Technik:



Der Vorteil der hydraulischen Kupplung: Man kann die Schrauben, welche die Reibscheiben zusammendrücken, unterschiedlich stramm festzurren, ohne dass man danach das Spiel und die Straffheit des Kabelzugs nachjustieren müsste. „Aber der Nachteil ist“, sagt Erik Riss, der das System auch schon probiert hat: „Du hast nicht so ein direktes Gefühl in den Fingern wie bei einem Kupplungszug.“


Grunwald hat Riss’ Motorrad schon probegefahren und sich dann für die Hydraulik entschieden. „Deswegen haben wir uns die hydraulische Kupplung von Mads Hansen gekauft.“ Denn der Däne ist neben seinem Landsmann Leon Madsen und neben Riss einer der wenigen Speedwayfahrer, die sich an solch’ eine Technik im Speedway herangewagt haben.


Madsen hat sein Experiment damit auch schon wieder auf Eis gelegt.


Grunwald hingegen arbeitete sich bei den Tests in Neuenknick und Cloppenburg durch die Abläufe und das Ansprechverhalten der beiden Neuerungen. „Vor allem in Neuenknick haben wir sehr viel mit den Ritzeln probiert.“


Auch beim DM-Auftakt in Herxheim fuhr die Nordostdeutsche mit der Kombination aus Riementrieb und Hydraulikkupplung. „Es war nicht nur das erste Rennen des Jahres, sondern für mich auch das erste Mal auf dieser Strecke. Im Training lief es gut; die Bahn bot leichten Grip, und meine Starts waren vielversprechend“, rekapituliert sie. „Doch im ersten Lauf hatte ich Startschwierigkeiten und vermisste die nötige Schnelligkeit. Nach einer Anpassung der Übersetzung ging es in den zweiten Lauf. Obwohl der Start etwas besser war, fand ich keine ideale Linie, und die Geschwindigkeit fehlte weiterhin. Die Bahnbedingungen hatten sich im Vergleich zum Training deutlich verändert; die Bahn wurde härter, was mir persönlich weniger gefallen hat.“

 
 
 

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