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Hoffen und bangen in St. Johann

Wie stehen eigentlich die Chancen, dass dieses Jahr wieder ein Eisspeedwayrennen in St. Johann in Österreich ausgetragen werden kann?


Es sind eindrucksvolle Zahlen. „Wir brauchen mindestens noch 300.000 Liter Wasser“, rechnet Toni Pilotto vor, „um das Eis bis zur benötigten Dicke aufbauen zu können. Acht bis 10 Zentimeter sind schon fertig, aber man braucht mindestens 20 Zentimeter.“ Bei weniger Dicke hält das Eis den Belastungen eines ganzen Eisspeedwayrennens nicht statt.


Der Aufwand, der hinter der Vorbereitung einer tauglichen Natureisbahn steckt, ist enorm. Deswegen ärger Pilotto sich auch über manche Kritiker: „Wenn’s einem beim Spazierengehen kalt wird, dann schickt er mir gleich eine Mail, warum wir kein Eis zusammenbringen.“


In St. Johann versucht die Mannschaft von Pilotto alles, auch in diesem Jahr wieder ein offenes Eisspeedwayrennen in dem malerisch gelegenen Stadion unter freiem Himmel auszurichten. Das Oval im Pongau gilt als die schnellste Eisspeedwaybahn der Welt, seine Lage in den Alpen im Schatten von Grießenkareck, Kreuzkogel und Fulseck ist wildromantisch-pittoresk.


St. Johann hätte das Zeug, eine Art Monaco-Grand Prix des Eisspeedway zu werden.


Aber das Wetter spielt nicht mit. 2025 gab es erstmals seit 2017 wieder ein Rennen. Und in diesem Winter? „Heute Morgen hatte es drei Grad plus“, knirscht der ehemalige Speedway-Internationale aus Österreich am Telefon. „Seit drei Tagen ist es wieder wärmer geworden, sodass wir jetzt kein Eis aufbauen können.“


Für die nächsten Tage hätte der Wetterbericht auch keine eisbautaugliche Witterung vorhergesagt. „Und alles, was an Vorhersagen länger als drei Tage im voraus ist, sind bei uns in den Bergen sowieso nur Vermutungen.“


Wenn's einem beim Spazierengehen kalt wird, schickt er gleich eine Mail, warum wir kein Eis zusammenbringen. – Toni Pilotto

Eigentlich sei als Renntermin in St. Johann der 10. angepeilt gewesen. „Aber heuer hatten wir einen Rohrbruch und deswegen kein Wasser für die Schneekanone; den Schnee hätten wir aber zum Niederfahren für die Eisbahn gebraucht.“ Ein natürliches Fundament sei nicht vom Himmel gefallen: „Unser Skigebiet hat auch lange keinen Schnee gehabt. Erst in den letzten Wochen hat’s 20 Zentimeter Neuschnee gegeben.“ Und andere Alternativen, notabene ein Heranfahren im Tankwagen, sei nicht infrage gekommen: „Zwischen dem Stadion und dem Fluss, der bei uns vorbeifließt, liegt eine Eisenbahn und zwei Straßen – und unser Tankwagen hat keine Straßenzulassung. Das Wasser aus dem Fluss ansaugen – das war alles nicht machbar.“


St. Johann bietet das schönste Panorama des ganzen Eisspeedwayjahres. Foto:
St. Johann bietet das schönste Panorama des ganzen Eisspeedwayjahres. Foto:

Als der Schnee fiel, begann der Traditionsverein sofort mit dem Eisaufbau. Doch kurz vor der Hälfte der Dicke schlug das Wetter wieder um. „Wir brauchen noch eine richtig kalte Woche, dann ginge es“, rechnet Pilotto vor. „Aber richtig kalt – nicht nur minus zwei oder minus drei Grad. Denn wenn’s nur so ein bisschen kalt ist, dann kannst du vielleicht ein Mal 3.000 Liter drauffahren – und dann fahren wir heim.“ Nötig wären aber erheblich Nachtschichten mit erheblich größeren Kubikmeterzahlen, um die 300.000 fehlenden Liter aufzustocken.


Pilotto ist skeptisch. „Ich glaube nicht, dass sich das noch ausgeht. Wir müssten in der nächsten Woche richtig zweistellige Kälte kriegen – und dann geht es auch wieder nur mit einer Hauruckaktion wie im Vorjahr.“


Immerhin: Flattracker und Speedwayfahrer können bereits seit Dezember auf dem flacheren Eis trainieren. „Und wenn wir nicht genug Eis aufbauen können für ein Rennen“, avisiert Pilotto, „dann können wir trainieren.“

 
 
 

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