Überraschungs-Stargast in Steingaden
- Norbert Ockenga
- vor 1 Stunde
- 2 Min. Lesezeit
Ein echter Bahnsportpromi fährt in Steingaden mit. Aber wie funktioniert Skijöring überhaupt?
Damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Beim Skijöring in Steingaden am Samstag steht auch Dominik Werkstetter auf der Einschreibeliste. Der hatte sich im Frühling nach dem Grasbahn-EM-Halbfinale in St. Macaire bei einer privaten Motorradausfahrt schwer verletzt, musste mit üblen Kopfverletzungen auf eine Intensivstation – ist aber mittlerweile wieder auf dem Damm und arbeitet an einer Rückkehr in den Bahnsport.
In Steingaden fährt Werkstetter in der Klasse 5 für Speedwaymaschinen mit. Er zieht den Skifahrer Julius Latein. Und „der Skifahrer ist ganz wichtig. Der hält dein Motorrad sozusagen fest, damit es nicht überdreht. Ein guter Skifahrer ist das A & O.“
Das sagt Martin Smolinski, der auch schon beim Skijöring auf einer Speedwaymaschine unterwegs war.
Auffällig: Die Speedwaymotorräder, die in Steingaden ohne Spikebesatz in den Reifen gefahren werden, stammen allesamt aus alten Beständen: Sie verfügen noch über stehend eingebaute Motoren, wie es bis in die frühen Neunziger Standard war, bevor die schräg gekippt in den Rahmen gehängten „Laydowns“ in Mode kamen.
Der Skifahrer hält dein Motorrad fest, damit es nicht überdreht. – Martin Smolinski
Die Nutzung alter Konstruktionen mit stehenden Motoren hat pragmatische Gründe: Es handelt sich bei dem Sport um reines Hobby, aus Kostengründen wird hier quasi mit Oldtimern gefahren, die den Zweck erfüllen und finanzierbar sind. Bei nur sechs Läufen Skijöring im südbayrischen Raum kann man nicht erwarten, dass da jemand groß investiert.
Aber die alte Einbauweise hat auch bauartbedingte technische Vorteile auf der Bahn, gerade im heiklen Zusammenspiel mit dem Skifahrer im Schlepptau – weiß wiederum Martin Smolinski: „Der Schwerpunkt ist besser. Ein liegender Motor funktioniert nicht so gut. Denn beim stehenden ist der Schwerpunkt weiter hinten.“ Und das braucht man, um beim Beschleunigen und in den Kurven möglichst viel Druck aufs Hinterrad geben zu können – und so den Schlupf zu reduzieren.

Der stehende Motor und eine Sitzhaltung mit weit nach hinten rausragendem Allerwertesten sorgen für mehr Traktion, weil das Hinterrad wegen der Gewichtsverteilung schwerer belastet und so nach unten aufs Eis oder ins lose Brash-Eis gedrückt wird.
Und diese Motorrad- und Skifahrer treten am Sonnabend in Steingaden in der Speedwayklasse an:
John Güller, Reichersbeuern, und Michael Strauß, Peiting
Kaspar Gilgenreiner, Lenggries, und Kaspar Gerg, Lenggries
Matthias Rehm, Roßhaupten, und Thomas Rehm, Roßhaupten
Peter Hofberger, Bichl, und Michael Bauer, Bene
Markus Linder, Roßhaupten, und Philipp Martetschläger, Roßhaupten
Peter Gast, Arzbach, und Josef Bichlmaier, Wegscheid
Dominik Werkstetter, Zeilarn, und Julius Latein, Erlbach
Daniel Martetschläger, Roßhaupten, und Karl-Stefan Neugebauer, Roßhaupten
Markus Gilgenreiner, Lenggries, und Toni Seewald, Lenggries



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