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„In der Langbahnzene steckt sehr viel Herzblut drin“

Lukas Fienhage ist einer der großen Favoriten auf den Deutschen Meistertitel auf der Langbahn, der am Sonntag in Mühldorf ausgetragen wird. Im aktuellen Interview gewährt Fienhage spannende Einblicke in die Vorbereitung.


Du lebst in Südfrankreich, bist also der Fahrer mit der weitesten Anreise. Wie organisiert Ihr Eure Logistik? Sind die Maschinen irgendwo in Deutschland, oder musst Du mit denen ganz nach Deutschland hochzuckeln?

Lukas Fienhage: Die Motorräder sind bei meinem Vater in der Werkstatt in Norddeutschland. Er kümmert sich auch um die ganze Vorbereitung. Es sind ja nicht so viele Langbahnrennen, an denen ich teilnehme. Und in der Langbahnszene steckt sehr viel Herzblut drin.


Mehr als im Speedway?

Lukas Fienhage: Bei Papa definitv. Bei mir ist es ein bisschen anders. Ich würde sehr gern mehr Speedway fahren, um noch öfter auf der Maschine zu sitzen. Leider habe ich bei meinem ersten Einsatz für Landshut nicht gut genug geliefert, sonst wäre ich da noch öfter zum Einsatz gekommen. Ich habe zwei Speedwaymaschinen in Deutschland und eines hier in Frankreich. Denn ich fahre auch in der Französischen Speedwayliga für Morizès. Aber da haben die ersten beiden Veranstaltungen bereits stattgefunden.


Wie viele Langbahnrennen hast Du vor dem DM-Finale in Mühldorf schon gefahren?

Lukas Fienhage: Mein erstes Langbahnrennen in diesem Jahr war Plattling, dann folgten noch Herxheim und Altrip – und das war’s auch schon.


Wir haben ein hervorragendes Kind zur Welt gebracht, das uns durchschlafen lässt. – Lukas Fienhage

Dein Tuner ist Robert Barth. Habt Ihr an den Maschinen irgendwas Neues?

Lukas Fienhage: Man probiert immer und überall – vor allem, Gewicht rauszuholen. Das Fahrgestell und die Motoren sind so gut wie gleich. Wir haben mit Robert Barth an ein paar Abstimmungsdetails gearbeitet – klassische Sachen, was Winterarbeit ist: andere Nockenwellen. Das war zuerst reine Prüfstandsarbeit. Die Generalprobe war dann Herxheim – das ist wie ein Grand Prix, auch wenn es seit zwei Jahren keiner mehr ist. Aber das Feld ist international so gut, dass es sich anfühlt wie ein WM-Lauf. Da sieht man immer, wo man sich befindet.


Und in Herxheim habt Ihr dann die neue Nockenwelle ausprobiert? Also Vergleichstest mit dem Motorrad aus dem Vorjahr?

Lukas Fienhage: Nein, wir haben letztlich doch alles so gelassen wie im vergangenen Jahr. Die Zielstellung hat nicht das gebracht, was wir uns erhofft haben. Die Prüfstandsarbeit im Winter hat uns nicht da hingeführt, wo wir hin wolten. Robert Bath hat mir in einigen Telefonaten alles erklärt, wir haben unsere Meinungen austauscht. Ich habe in Herxheim beide alten Motorräder gefahren, mit unterschiedlichen Motoren. Und ich habe mich sehr, sehr wohlgefühlt. Vor allem bei den Starts.


Die Starts waren ja auch im Vorjahr nicht das Problem.

Lukas Fienhage: Das Problem waren eigentlich nur die beiden technischen Probleme beim letzten Grand Prix in Roden, jeweils in Führung liegend. Davon erholst du dich bei einem Grand Prix nicht mehr.


Lukas Fienhage kennt die Bahn von Mühldorf aus der WM, ist einer der Favoriten bei der DM. Foto: FIM
Lukas Fienhage kennt die Bahn von Mühldorf aus der WM, ist einer der Favoriten bei der DM. Foto: FIM

Wenn die Technik im vergangenen Jahr so gut war – warum habt Ihr dann doch noch weiter experimentiert?

Lukas Fienhage: Einfach um zu probieren, ob da irgendwo noch ein Zehntel-PS liegt, was mir auf der Bahn doch noch weiterhelfen könnte.


Was sagst Du zur Bahn in Mühldorf, wo am Sonntag das DM-Finale stattfindet?

Lukas Fienhage: Ich mag Mühldorf ganz gern fahren. Von den 1.000-Meterbahnen sind Mühldorf und Herxheim meine beiden Lieblingsbahnen. Wenn ich meine Starts auf die Reihe kriege, sollte das eigentlich ein guter Tag werden. Es gibt nur eine Sache, die mich ein bisschen stört: das Heatschema. Man hat drei Vorläufe, und ich fahre drei Mal gegen dieselbe Person. Ich habe aber nicht ein Mal den inneren noch den äußeren Startplatz. Und das sind in Mühldorf die besten Startplätze. Und eigentlich ist außen immer der beste Startplatz. Das kann sich zwar am Renntag ändern, aber in der Regel tut es das nicht. Es bringt aber auch nichts, sich darüber groß Gedanken zu machen. Beim DM-Finale muss ich die Starts hinkriegen und alle Anderen schlagen, dann ist der Titel drin.


Dass Dein Vater die Motorräder komplett allein vorbereitet, ist aber auch ein ziemlicher Vertrauensbeweis.

Lukas Fienhage: Seit dem Rennen in Altrip ist mein bester Kumpel dabei, meinen Vater zu unterstützen. Als Mechaniker am Rennplatz ist der ohnehin vor Ort. Nun hilft er Papa auch in der Werkstatt. Die beiden kennen sich mit der Technik so gut aus, dass sie keinen großen Input von mir brauchen: Das Einzige, was ich sage, ist, wie ich gern die Kupplung hätte und was ich für eine Abstimmung ich beim Vergaser für den Beginn des Renntags brauche. Was ich beim Getriebe mit dem ersten Gang machen möchte, das steht alles in den Büchern aus dem Vorjahr. Auf die Aufzeichnungen können wir uns verlassen. Darauf setzen wir bei der Basisabstimmung auf.


Und im Verlaufe des Rennens entwickelt Ihr das dann weiter. Kommt es Euch dabei zugute, dass Dein Vater Uwe früher auch selbst gefahren ist?

Lukas Fienhage: Papa sagt, er könne mir abstimmungstechnisch nicht allzu viel helfen – dazu sei die Technik im Vergleich von vor 30 Jahren zu anders. Allein die Motoren haben sich schon wahnsinnig weiterentwickelt. Ich kann Papa im Verlauf der Veranstaltung nur sagen, was ich brauche und möchte. Da versuchen wir, anhand meines Gefühls während des Renntags mit der Abstimmung zu reagieren.


Würdest Du auch anderen Leuten die Vorbereitung der Maschinen überlassen – oder ist das das typische blinde Vertrauen zwischen Vater und Sohn und zwischen Exfahrer und aktivem Fahrer?

Lukas Fienhage: Ich würde es jetzt nicht jeder x-beliebigen Person anvertrauen. Wenn die Situation gleich wäre und Papa könnte das aus irgendwelchen Gründen nicht machen, dann würde ich mich so organisieren, dass ich zwei Tage vorher hochfliegen würde, um mich um die Maschinen zu kümmern. Aber generell könnte man auch andere Mechaniker seines Vertrauens finden: Motorräder vorbereiten ist kein Hexenwerk.


Du bist seit dem Winter auch frischgebackener Vater. Bei der Zweiten Bundesliga in Cloppenburg sagtest Du mir noch, das Kind ließe Euch durchschlafen, Deine Vorbereitung litte nicht darunter. Ist das immer noch so? Oder kräht es inzwischen die halbe Nacht?

Lukas Fienhage: Nein. Da haben wir wirklich ein hervorragendes Kind zur Welt gebracht, das uns durchschlafen lässt. Wir können uns darauf verlassen, dass wir selbst gut schlafen können, wenn wir das Kind abends um 20 Uhr ins Bett bringen. Denn dann schläft es auch bis morgens um sieben sicher gut und fest durch.


Wann reist Du nach Mühldorf an?

Lukas Fienhage: Ich fliege Samstagabend von Toulouse nach München. Es reicht mir, mir am Renntag einen ersten Eindruck von der Bahn zu verschaffen. Ich brauche nicht früher vor Ort zu sein. Denn in Mühldorf ist der Grundcharakter der Bahn immer gleich. Also muss ich mich vorher nicht verrückt machen, sondern kann ich aller Ruhe und entspannt anreisen.

 
 
 

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