„Man vermisst immer erst dann etwas, wenn es weg ist“
- Norbert Ockenga
- vor 6 Tagen
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Warum zur Rettung des Bergrings ein Schulterschluss zwischen dem Verein und dem ADAC Hansa nötig war und was hinter den Kulissen gelaufen ist.
Die Einschätzung klingt drastisch. „Eine zweite Pause“, betont Adi Schlaak, „darf es nicht geben, sonst ist der Bergring verloren.“ Deswegen setzt der gebürtige Teterower als Vorstandsmitglied für Jugend, Sport und Ortsclubs beim ADAC Hansa alles daran, das traditionelle Bergringrennen in seiner Heimatstadt zu retten – unter Federführung des ADAC Hansa als Ausrichter. „Aber nicht allein“, versichert Schlaak: „Wir haben den MC Bergring Teterow mit an Bord und arbeiten gemeinsam daran, das Rennen und das ganze Wochenende wieder zu dem zu machen, was es früher so besonders gemacht hat.“
Die Vorbereitungen auf den Klassiker zu Pfingsten laufen seit Monaten auf Hochtouren – seit der ADAC Hansa sich mit dem Ortsklub in Teterow auf eine Kooperation geeinigt hat. „Unser Vorgängervorstand hat in der prekären Situation genau richtig gehandelt, den Vertrag mit dem ADAC einzugehen“, betont Andreas Stange, der neue Erste Vorsitzende des MC Bergring Teterow. „Ohne den ADAC kommen wir im Klub nicht weiter. Wir haben jetzt die Chance, uns neu aufzustellen.“
Als das Bergringrennen im vergangenen Jahr abgeblasen werden musste, sei ein Schock durch die Szene und die Region gegangen, erinnert sich Schlaak: „Ich wohne auch in Teterow. Es ist überhaupt nicht schön, wenn solch’ ein Highlight abgesagt wird. Denn der Bergring ist ein Nimbus, historisch auch einmalig in der Welt. Die Absage hat die Region und auch den Verein sehr getroffen. Der einzige Beweggrund ist, dass der Zusammenhalt auseinander gebrochen ist und die finanzielle Grundlage falsch priorisiert wurde. Vor zwei Jahren war es mehr recht als schlecht, im vergangenen Jahr hat selbst das nicht mehr gereicht. Das hat uns als Verband alarmierend auf die Matte geholt.“
Casus Knacktus der Absage seien eigenmächtige Umbauten an der knapp 1,8 Kilometer langen Grasbahn in der Mecklenburgischen Schweiz gewesen. „Es hat sich eine Gruppierung im Verein und auch von Externen herausgebildet, die die Bahnpräparation in Eigenregie durchgeführt hat. Als ich vom Verband angefragt habe, was genau geplant war, kam keine belastbare Antwort. Man hat nur mitgeteilt: ‚Wir tun, was nötig ist.‘ Sie haben es sicher gut gemeint. Aber bei der Vorbereitung des Bergringparcours hätte man im Vorfeld den DMSB in Kenntnis setzen müssen. Es wurden viele Dinge durchgeführt, die nicht notwendig waren.“
Vor allem im Bereich der passiven Sicherheit. „Wir hatten seit Jahrzehnten die Ausnahme, ohne Airfence fahren zu dürfen, weil wir die Kurven in Anhöhen präpariert haben, dass die Rennfahrer physisch gar nicht so weit rauskommen können. Diese Ausnahme gilt nun nicht mehr. Die Luftkissen müssen aber so aufgebaut werden, dass sie bei dem hohen Tempo keine Gefahr darstellen. Da unterscheidet sich der Bergring wegen seiner einzigartigen Topographie grundsätzlich von allen anderen Bahnen, die es in Deutschland und auch im Ausland gibt. Das war eine Baustelle, die man sich selbst geschaffen hat, ohne dass es Not getan hätte.“
Alle Bahnen werden alle drei Jahre abgenommen und entsprechend zertifiziert. Es wird aber auch unmittelbar vor dem Rennen noch eine Sichtprüfung vorgenommen. Die Neuabnahme der Bahn sei nun eine Grundvoraussetzung für die Wiederbelebung des Rennens. „ Der Bergring lebt wieder“, konstatiert Vereinsvorstand Stange. „Die Klubgaststätte ist jeden Montag bis zum letzten Platz gefüllt. Wir versuchen, die Ideen der Mitglieder anzunehmen; wir arbeiten auch Ideen auf, die länger brachgelegen haben. Wir haben neue Mitgliederaufnahmen und wieder Zulauf. Wir sind froh, dass der ADAC uns unterstützt, damit wir die beiden wichtigen Rennen ausrüsten können – und dass er uns das nötige Rüstzeug im Hintergrund verpasst. Wir müssen den Klub wieder dahinbekommen, solche Veranstaltungen wieder eigenständig durchzuführen. Das können wir nur unter dem Rettungsschirm des ADAC durchführen. Das ist ein langfristiger Prozess. Aber wir haben jetzt eine Mannschaft aufgestellt, die sich hervorragend ergänzt.“
Für die Wiederbelebung des Klassikers hat Schlaak sich hinter den Kulissen der Funktionärswelt schwer ins Geschirr geworfen – um zum Comeback mit viel Symbolik ein ganz besonderes Signal setzen zu können: Der Verband hat ihm zugesichert, sowohl den Gold- als auch den Silberhelm als symbolträchtige Trophäe ausfahren zu dürfen. „Das ist ein Wanderpokal, der nur alle acht bis 10 Jahre vergeben wird. Ich habe es hinbekommen, dass wir für den Bergring beide Helme bekommen. Das hat der ADAC-Sportpräsident als Wertschätzung uns zugestanden.“
Schlaak verweist darauf, dass das Rennwochenende in den Heidbergen für die Kleinstadt, aber auch die umliegenden Gemeinden nicht nur ein Sportspektakel und Prestigeprojekt sei – sondern auch ein handfester Wirtschaftsfaktor: „Die Besucher bringen der Region messbar viele Einnahmen – sei es in Hotels, in der Gastronomie oder auch in den Supermärkten, wenn die Camper sich mit dort mit Lebensmitteln eindecken. Diesen Effekt für die Stadt und auch die Steuereinnahmen darf man nicht unterschätzen. Auch deswegen war es wichtig, dass das Rennen nach der einjährigen Pause wieder stattfindet.“
Die Speedwayarena ist der Herzschrittmacher des Bergrings. – Adi Schlaak
Dabei sei das eigentliche Grasbahnrennen mit Nordkurve, Hans-Winkler-Hang und Hechtsprung zwar der eigentliche Leuchtturm – aber nicht isoliert zu betrachten: „ Der Bergring konnte sich alleine schon lange nicht mehr tragen. Er ist als eine 30 Hektar große Anlage zu teuer im Unterhalt. Deswegen haben wir schon vor Jahren die Speedwaybahn dazu gebaut: Die Arena ist der Herzschrittmacher des Bergrings. Sie spielt die finanzielle Grundlast eines solchen Wochenendes ein. Da gehört das Speedwayrennen unausweichlich dazu.“ Drum hätte auch der Auerhahnpokal am Samstagabend vor dem eigentlichen Bergringrennen als essenzieller Bestandteil des Gesamtpakets unbedingt wiederbelebt und in ein Gesamtkonzept gegossen werden müssen: Wenn da der Kessel kocht und die Leute danach noch ein Konzert in der Arena sehen – dann ist das ein wichtiger Bestandteil des Gesamterlebnisses für die Besucher, aber auch des wirtschaftlichen Konzepts der Veranstaltung.“
Abgerundet wird das Ganze durch ein Livekonzert einer Countryrockröhre am Samstagabend nach dem Auerhahnpokal in der Speedwayarena: „Das muss man auch als Wertschätzung gegenüber denen sehen, die sich eine Karte fürs Speedway gekauft haben. Denn ohne Karte für den Auerhahnpokal kann man auch das Konzert nicht besuchen.“

Und das Ensemble ende nicht beim Teterower Rennwochenende aus Bergringtraining am Samstag, Speedwayrennen ab 16 Uhr danach und Grasbahnspektakel am Sonntag: Schlaak sei es wichtig, „dass wir den Leuten auch die Möglichkeit geben, Güstrow rechtzeitig anzusteuern. Das gehört für mich zusammen: Freitagabend Speedway in Güstrow, sonnabends und sonntags Teterow, am Sonntagabend dann das große Speedwayrennen um den Pfingstpokal in Güstrow. Für mich ist es wichtig, dass das keine Konkurrenz ist, sondern eine zusammenhängende Einheit zwischen beiden Vereinen und Veranstaltungen. Denn die beiden Rennorte liegen schließlich nur knapp 30 Kilometer auseinander. Wir wollen beide Veranstaltung lukrativ halten.“
Das Bergringrennen bleibt allerdings das Herzstück der tollen Tage in Mecklenburg, nicht umsonst heißt Teterow auch offiziell „Bergringstadt“. Aber, weiß Schlaak, „allein durch das Bergringrennen hat’s nicht gereicht. Doch durch die Ansiedlung des Grands Prix haben wir den Namen Bergringstadt bekommen.“
Deswegen hätte die Absage die Stadt auch bis ins Mark getroffen. „Das hat die Region unwahrscheinlich betroffen gemacht. Teterow ist über die Grenzen der Region bekannt geworden. Die Sponsoren, die mich über 25 Jahre begleitet haben, haben dem Bergring den Rücken gekehrt. Fast 70 Prozent der Sponsoren haben sich abgewendet. Aber wir haben den weitaus größten Teil von denen inzwischen wieder zurückgeholt.“ Das sei unabdingbar für die Ausrichtung des Rennens: „Der Bergring ist eine 30 Hektar große Anlage, die muss gehegt und gepflegt werden. Da muss nicht einer Rasen mähen – da müssen viele Rasen mühen. Wir haben den Bergring wie einen Kuchen in Arbeitspatenschaften aufgeteilt. Alle machen mit. Aber die Verantwortung bleibt beim ADAC.“
Das ganz enge Andocken an den ADAC Hansa hätte auch dem Ortsklub MC Bergring Teterow neue Perspektiven eröffnet, weiß Klubchef Stange: „Wir haben Möglichkeiten, Trainer, Schiedsrichter und Rennleiter auszubilden; wir nutzen die Plattform zur Mitgliederverwaltung. Es gibt Möglichkeiten, sich im Vereinsrecht und in finanziellen Bereichen weiterzubilden.“ Schlaak ergänzt: „Unsere Veranstaltungen sind immer mit 10 Millionen Euro Haftpflichtversicherung abgesichert. Das können wir für ganz Deutschland anwenden. Für jede theoretisch mögliche Fehlentscheidung der Offiziellen sind auch die Funktionäre mit 10 Millionen versichert, damit sie im Falle eines Falles nicht mit dem Privatvermögen haftbar gemacht werden können.“
Der streitbare ADAC-Offizielle und ehemalige Rennleiter des Grasbahnrennens gesteht: „Ich habe mir am Bergring selber eine Zeit lang Hausverbot erteilt, weil ich nicht mit angucken konnte, wie alles zusammenbricht. In erster Linie war es für mich jetzt wichtig, die Sponsoren aus der Region einzuladen – und die waren auch alle da. Sie sind alle mit dabei und machen im Sinne der Sache mit.“
Stange gibt sich eingedenk der jüngsten Entwicklungen überzeugt: „Die Zeit wird es bringen, dass der MC sich wieder ins Stadtleben und in der Region zurückmeldet.“
Und Schlaak sinniert: „Man vermisst immer erst dann etwas, wenn etwas weg ist.“



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