Nummern-Boys
- Norbert Ockenga
- vor 5 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Stephan Katt möchte vorm EM-Finale in Aduard seine Meinung deponieren, ist dann einer von zwei mitfavorisierten Deutschen auf der ungewöhnlichen Grasbahn.
Es ist der Freitag vor dem Finale der Grasbahn-EM. Stephan Katt knibbelt an seiner Maschine und grollt. Denn er meint: Die Funktionäre hätten ihm unnütze Fummelarbeit eingebrockt. „Ich rede immer Klartext“, schiebt er nach. „Und das werde ich in Aduard bei der Fahrerbesprechung vor der EM auch machen.“
Stein des Anstoßes: die Startnummernvergabe. Die Motorrad-Straßen-WM hat seit der Ära Valentino Rossi, seit dem Übergang von der Halbliterklasse zur MotoGP, das Modell von Startnummern, die an die WM-Platzierung des Vorjahres gekoppelt waren, über die Bord gekippt. Seitdem darf jeder Fahrer seine permanente Startnummer individuell auswählen, einige haben sie zu ihrem Markenzeichen erhoben wie etwa Rossi seine 46. Andere Motorsportsparten haben nachgezogen – nach einem Vorbild, das eigentlich aus der NASCAR in den Staaten stammt.
Im Bahnsport schleicht der Wandel immer noch, die Grasbahn-EM hat er anders als offene Rennen und die WM noch nicht erreicht. „Ich klebe gerade alles um und mache alle Startnummern neu. Weil die FIM Eure mir zwar schon ein paar Mal gesagt: ‚Stephan, Deine Idee ist perfekt‘, aber trotzdem hält man es nicht für nötig, sie umzusetzen. Wir werden bei der EM – so wie es auch schon in Bielefeld war – nicht unsere Dauerstartnummern haben, sondern starten mit x-beliebigen Nummern“, zürnt Katt. „Ich habe das Thema oft angesprochen. Erst im vergangenen Jahr haben sie zu mir gesagt: ‚Stephan, Du hast total recht. Das werden wir für 2026 ändern. Das ist ja auch eine Marketingsache.’ Ganz genau so meine ich das auch. Aber in Bielefeld wurden wir vertröstet. Da hieß es: ‚In Aduard habt Ihr Eure Dauerstartnummern.‘ Und siehe da: Ich bekomme meine Papiere und habe nicht meine Dauerstartnummer. Aber Hauptsache, die Jungs kriegen alle ihre Spesen bezahlt und fühlen sich wohl.“
Ich finde selten Ausreden an meinem Körper. – Stephan Katt
Trotz des Ärgers freut Katt sich aufs EM-Finale in der Nähe von Groningen, das am heutigen Samstag steigt: „Aduard ist eine ganz heiße Bahn. Sie hat ganz, ganz lange Geraden – und ganz, ganz kurze Kurven. Sie ist total ‚tricky‘ zu fahren, bringt mir aber all’ die Jahre Riesenspaß. Ich bin da auch immer zu den offenen Rennen hingefahren.“
Die Kombination aus hoher Endgeschwindigkeit und Kurven, die man im Speedwaystil durchdringen muss, machen das Rennen in den Niederlanden ziemlich unvorhersehbar. Zumal in Andrew Appleton einer der erklärten Favoriten fehlt. Appleton war bei den letzten Grasbahnrennen in Deutschland stets einer der Hauptdarsteller gewesen, gemeinsam mit Dave Meijerink. „Appleton war unwahrscheinlich schnell“, hatte Katt etwa nach der Highspeedschlacht auf der 1.000-Meterbahn im Rasteder Schlosspark noch gestaunt. „Aber James Shanes, Kenneth Kruse Hansen und Dave Meijerink auch.“

Romano Hummel gibt bei seinem Heimspiel sein Comeback, nachdem er Scheeßel noch wegen den Folgen einer Krankheit auslassen musste – er hatte sich zu schwach gefühlt. Auch Zach Waijtknecht, in diesem Jahr noch keine Handvoll Mal im Einsatz, ist auf der Bahn vor dem Klosterdorf im Feld.
Katt ist neben Timo Wachs aus Werlte einer von nur zwei deutschen Fahrern im Feld. Er laboriert noch an den Folgen einer Schulterverletzung. „Ich habe mir in Melsungen irgendwie die Schulter gezerrt – die Muskel oder die Bänder. Ich habe mich in Rastede zusammengerissen und die Zähne zusammengebissen“, rekapituliert er.
Und inzwischen? „Die Schulter ist okay. Ich bin in Hertingen damit gefahren und habe es dort nur zu Anfang überhaupt gemerkt. Wenn sie nachher warm wurde, ging es. Nur wenn ich im Fahrerlager war, hat’s weh getan. Aber beim Fahren hat mich das so gut wie nicht beeinflusst. Besser ist sie noch nicht, aber das wird schon hinhauen. Ich finde selten Ausreden an meinem Körper – eher an anderen Dingen.“



Kommentare