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Warschauer Akt

Am Tag vor der Mannschafts-WM in Warschau äußern sich die Mannschaftskapitäne zur Ausgangslage.


Wenn am Samstag im PGE Narodowy von Warschau die Mannschafts-WM entschieden wird, geht Polen als Titelverteidiger und Gastgeber ins Rennen – und als haushoher Favorit. Weil den Aussies und den Briten wichtige Leistungsträger fehlen, müssen die osteuropäische Gastgeber nur Dänemark als echten Gegner fürchten. Und Bartosz Zmarzlik will vor mehr als 40.000 Zuschauern den Mannschafts-WM-Titel zum 10. Mal nach Polen holen.


Alle vier Nationen, die am Samstagabend antreten, kennen sich bereits aus dem Finale von 2023 in Breslau. Damals lagen nach 20 Läufen gerade einmal sechs Punkte zwischen Polen auf Platz 1 und Australien auf Rang 4. Entsprechend eng dürfte auch das Duell in Warschau werden.


Für Zmarzlik ist der Auftritt im Nationalkevlaroverall ohnehin etwas Besonderes. Der sechsmalige Weltmeister sagt, er empfinde es als Privileg, im polnischen Rotweiß im Nationalstadion fahren zu dürfen. Die Mannschafts-WM sei für ihn das wichtigste Mannschaftsrennen des Jahres. „Ich möchte hier wieder Geschichte für mein Land schreiben. Wir haben eine große Geschichte im World Cup und werden alles dafür tun, unseren Traum von Gold wahr zu machen.“


Zmarzlik will sich dabei nicht von der außergewöhnlichen Kulisse ablenken lassen. Mehr als 40.000 Zuschauer werden im PGE Narodowy erwartet. „Das ist das schönste Stadion der Welt. Deshalb möchte ich auch dafür sorgen, dass der Samstagabend sehr schön wird. Wenn ich Speedway-Grand Prix oder der Team-WM fahre, möchte ich mein Land vertreten und die beste Version meiner selbst sein.“


Australien tritt als amtierender Weltmeister vom Speedway der Nationen an. Für Kapitän Brady Kurtz ist das Finale dennoch eine Premiere: 2016 war er in Manchester zwar Teil einer australischen WM-Mannschaft, damals allerdings noch als nicht eingesetzter Ersatzfahrer. In Warschau steht er erstmals selbst im Finale auf der Bahn.


Michael Jepsen Jensen, Brady Kurtz, Bartosz Zmarzlik und Robert Lambert geben ihre Lageberichte ab. Foto: FIM
Michael Jepsen Jensen, Brady Kurtz, Bartosz Zmarzlik und Robert Lambert geben ihre Lageberichte ab. Foto: FIM

Kurtz hat seitdem einen enormen Schritt gemacht. 2025 debütierte er im Speedway-Grand Prix und wurde auf Anhieb Vizeweltmeister – nur einen Punkt hinter dem Weltmeister. Im Oktober folgte mit Australien der Gewinn der Paar-WM in Thorn an der Weichsel. Nun führt der 2026 erneut zum absoluten WM-Spitzenfeld gehörende Australier sein Land als Kapitän in das wichtigste Mannschaftsrennen der Saison. „Das ist wirklich cool. Es ist mein erstes Mal und gleichzeitig Kapitän zu sein, macht diesen Moment besonders. Ich habe praktisch mein ganzes Leben darauf gewartet, Grand Prix-Fahrer zu werden. Letztes Jahr habe ich dieses Ziel erreicht – und ich glaube, morgen wird genauso besonders.“


Australien muss allerdings auf Jack Holder verzichten. Der Grand Prix-Siegfahrer fehlt weiterhin verletzungsbedingt. Holder war gemeinsam mit Kurtz Teil der australischen Mannschaft, die im vergangenen Oktober die Paar-WM gewann.


Für ihn rücken zwei Fahrer nach, die ihr World-Cup-Debüt geben: Ryan Douglas, 32, und Rohan Tungate, 36. Douglas fährt im Viererteam, Tungate ist als Nummer 5 Reservist. Kurtz sieht gerade bei Douglas gute Chancen auf der kurzen Bahn des PGE Narodowy. „Es ist schade, dass Jack Holder nicht bei uns sein kann. Er hat zusammen mit mir den Titel in Thorn gewonnen und uns überhaupt hierher gebracht. Das ist natürlich ein Rückschlag.“

Gleichzeitig setzt der Kapitän auf die beiden Debütanten. „Ryan Douglas bringt enormes Potenzial mit und hatte zwei sehr gute Saisons. Die nicht-permante Bahn sollte ihm liegen. Wir haben heute trainiert, morgen sehen wir, wie es unter Rennbedingungen aussieht. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass beide eine gute Leistung bringen können.“ Australien will erstmals seit 2002 wieder die Mannschafts-WM gewinnen.


Auch Dänemark tritt mit einem Kapitän an, der bereits weiß, wie sich ein WM-Triumph anfühlt. Michael Jepsen Jensen gewann 2012 mit Dänemark den Titel in Målilla. 14 Jahre später bietet sich ihm in Warschau die Chance auf eine Wiederholung.


Bemerkenswert ist vor allem seine Rückkehr auf die große internationale Bühne. Jepsen Jensen fuhr zuletzt 2015 beim ersten Speedway-Grand Prix im Warschauer Nationalstadion. Danach verschwand er für längere Zeit weitgehend aus dem internationalen Blickfeld. 2026 kehrte er in den Grand Prix zurück und liegt aktuell auf Rang vier der Weltmeisterschaft.

Dänemark qualifizierte sich in Riga für das Finale und tritt dort mit derselben Formation an. Neben Jepsen Jensen stehen Leon Madsen, Anders Thomsen, Sieger des Grand Prix von Schweden in Målilla, und der dreifache Europameister Mikkel Michelsen im Viererteam. „Das wird gewaltig. Wir haben sehr starke Mannschaften. Das wird eine der besten Veranstaltungen seit vielen Jahren. Und dieses Stadion macht es noch besser.“


Der dänische Kapitän beschreibt die Stimmung im Team als besonders gut. Alle seien hungrig, gleichzeitig wisse jeder, dass ein äußerst enges Rennen bevorstehe. „Es wird sehr knapp werden. Wir müssen Druck machen. Aber ich glaube, wir haben eine starke Mannschaft – deshalb ist alles möglich.“ Dänemark wartet seit 2014 auf den Titel.


Großbritannien geht mit einer deutlich schwierigeren Ausgangslage ins Finale. Kapitän Robert Lambert hätte zu Saisonbeginn mit einer komplett besetzten Mannschaft durchaus Gold für möglich gehalten. In Warschau fehlen jedoch zwei große Namen. Dan Bewley fällt weiterhin verletzt aus. Noch schwerer wiegt der Verlust von Tai Woffinden, der nach einer weiteren Verletzung seine Karriere beendet hat. Der dreimalige Weltmeister wäre ebenfalls für das britische Team vorgesehen gewesen.


Lambert formuliert deshalb bewusst vorsichtig: „Zu Beginn der Saison dachten wir: Wenn alle fit sind, können wir um Gold kämpfen. Jetzt wird es für uns sehr schwierig und wir müssen realistisch bleiben. Wenn wir eine Medaille holen, wären wir mit dem Wochenende sehr zufrieden.“


Trotz der prominenten Ausfälle sieht Lambert den World Cup als Höhepunkt der Saison. Er selbst hat bereits Erfahrung mit dem riesigen Stadion, was ihm bei der Vorbereitung hilft. „Die Team-WM ist der Höhepunkt unseres Sports, und jeder Fahrer möchte in der Mannschaft sein. Dass die WM in diesem Stadion stattfindet und ich das Team als Kapitän anführen darf, ist unglaublich.“


Großbritannien nutzt die schwierige Situation gleichzeitig für einen Blick in die Zukunft. Adam Ellis steht im Team, Tom Brennan ist als Ersatzfahrer nominiert. Dazu kommen Charles Wright und Leon Flint, die nach ihren Podiumsplätzen im britischen Meisterschaftsfinale in Manchester ihr World-Cup-Finale bestreiten.


Lambert sieht darin trotz der geschwächten Mannschaft eine Chance: „Wir haben junge Fahrer ins Team geholt, was für die Zukunft großartig ist. Für sie wird das eine große Erfahrung. Jetzt wollen wir sehen, welches Niveau wir tatsächlich erreichen können.“ Großbritannien wartet im Viererformat seit 1989 auf den Mannschafts-WM-Titel.


Die Ausgangslage auf einen Blick


  • Polen: Titelverteidiger, sechsfacher Weltmeister Zmarzlik als Kapitän, Ziel Nummer zehn.

  • Australien: Weltmeister des Speedway of Nations 2025, aber ohne Jack Holder. Kurtz führt erstmals als aktiver Fahrer in der Team-WM an.

  • Dänemark: Sieger des Halbfinales in Riga, mit dem unveränderten Quartett aus Jepsen Jensen, Madsen, Thomsen und Michelsen. Letzter WM-Titel 2014.

  • Großbritannien: Sieger des ersten Halbfinales, aber ohne Bewley und Woffinden. Lambert spitzt deshalb zunächst nur auf eine Medaille.

  • Die Ausgangslage könnte damit kaum spannender sein: Polen besitzt Heimvorteil und Titelambitionen, Australien den Status des amtierenden Mannschafts-Weltmeisters, Dänemark kommt mit dem Rückenwind des Halbfinalsieges und Großbritannien mit einer Mischung aus Erfahrung und Nachwuchs.

 
 
 

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