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Rau wird zum Sieggaranten

vor 3 Minuten
4 Min. Lesezeit

Der MC Güstrow hat beim Zweitligafinale auf alle Angriffe der Verfolger sofort eine Antwort. Meistens heißt sie Magnus Rau.


Es geht schon stramm auf 23 Uhr zu. Dominic Hamminga und sein Mechaniker stehen allein auf der Bahn in Landshut und stochern im Belag vorm Kickboard. Die bitteren Tränen, die der Niederländer gut 90 Minuten vorher im Fahrerlager vergossen hat, sind getrocknet. Doch die Enttäuschung wühlt noch in ihm.


Hamminga war laut seiner Mannschaftskapitänin Celina Liebmann „eigentlich gut für ein Maximum“ beim Finale der Zweiten Speedwaybundesliga in Landshut. Stattdessen bellt einen aus seiner Bilanz eine anklagende Null an. „An meinem ersten Motorrad ist der Zündmagnet kaputtgegangen, das haben wir nicht repariert bekommen“, klagt der 16-Jährige. „Und an der Ersatzmaschine war die Kupplung defekt. Außerdem fühle ich mich selbst auch nicht wohl.“ Denn der Youngster aus Drenthe ist in der Vorwoche beim Goldhelm in Veenoord nach einem Auffahrunfall im sehr hohen Bogen über das Vorderrad seines Vordermanns geflogen und hart gelandet. „Seitdem tut mir ein Handgelenk weh.“


Nach zwei Ausfällen und einem chancenlosen letzten Platz bittet er um Auswechslung. Doch infrage kommt für Inn-Isar-Racing nur Thomas Konrad – und der ist selbst nicht fit: Eineinhalb Wochen zuvor ist er bei einem Training in Olchings von hinten gerammt und von der Maschine gefegt worden. „Ich habe eine Platzwunde an einem Handgelenk, und eine Schulter tut weh“, sagt der bandagierte Junior. Ein Training am Mittwoch vorm Zweitligafinale hat er nach einer Runde abgebrochen. Auch im Training am Renntag nimmt er nur unter Schmerzen teil – und reduziert seine Teilnahme am Rennen nur auf den absoluten Notfall.


Der ist schon eingetreten und beinahe auch schon wieder vorbei, als Hamminga seine drei Nuller schreibt. Denn das enge Finale entscheidet sich wie erwartet über die 500R-Position. Die Pechsträhne von Hamminga beraubt die Inn-Isar-Devils schon früh jeglicher Tagessiegchance – aber den hätte das Team aus Bayern gebraucht, um Tabellenführer Güstrow noch abfangen zu können.


Die Inn-Isar-Devils finden beim Heimrennen keinen Zugang zur Bahn. Foto: Bastian Pressmann
Die Inn-Isar-Devils finden beim Heimrennen keinen Zugang zur Bahn. Foto: Bastian Pressmann

Bei den Güstrowern erweist Magnus Rau sich auf der 500R-Planstelle als unschlagbar. Levi Böhme kann für den MSC Olching nur lauter zweite und einen dritten Rang beisteuern. Rau wird zum Schlüssel für den Erfolg: Mit immer neuen Laufsiegen drückt er den Abend auch dann wieder klar in Richtung der Güstrower, wenn Patrick Hyjek und Martin Smolinski zwischendrin einen Lauf gegen Tyler Haupt, Erik Pudel oder Hannah Grunwald gewonnen haben. Olching kommt nie nahe genug ran, um Güstrow noch gefährlich werden zu können.


Der Abend steht im Zeichen einer schwer zu lesenden Bahn. Das Rennen beginnt erst um 19:30 Uhr, da ist es schon neun Grad kühl, die Temperatur sackt bis auf sechs Grad ab. Die kühle Luft gibt den Motoren extra Leistung. „Und die Bahn war mit ihren Wellen und Platten gerade an den Kurveneingängen schwierig“, beschreibt Liebmann. „Wir haben alle gerätselt, ob wir besser außen oder innen fahren sollen – und wie wir das Setup hinkriegen. Wir haben zwischendurch sogar ein Mal das Motorrad gewechselt – aber irgendwie hat nichts so recht hingehauen.“


Die Verwerfungen stellen die Maschinen immer wieder aus dem Drift auf. Der Extraschub durch die kühle, sauerstoffreiche niederbayerische Luft sorgt entweder für zu viel Leistung und Wheelspin – oder schiebt die Fahrer mit zu hohem Tempo in die Kurven, sodass sie von der eigentlich angepeilten Linie wie mit einem Untersteuern abkommen.


Rau lässt all’ das völlig unbeeindruckt. Nur Hyjek kommt phasenweise vergleichbar gut klar. Aber dem fehlt die Konstanz. Wie auch Hannah Grunwald, die für Güstrow nicht nur zwei Siege einfährt, sondern vor allem mit enormer Kampfkraft aufwartet: Sie hält in einem Heat sogar Norick Blödorn drei Runden lang hinter sich, ehe der Cloppenburger im Griff einen Weg vorbei findet.


Während Rau und Grunwald zusammen mit Tyler Haupt Sieg und Titel für Güstrow schon weit vorm letzten Heat sicherstellen, verpasst Cloppenburg knapp den dritten Tabellenplatz gegen die Inn-Isar-Devils. Jonny Wynant wird zu einer wertvollen Stütze neben Norick Blödorn. Doch wohl Carl Wynant als auch Thies Schweer reiben sich in vielen spektakulären Kämpfen mit zahlreichen Überholversuchen auf, ohne für ihren Einsatz so recht belohnt zu werden.


Im Rahmenprogramm gewinnt Nikodem Moskal die Viertelliterklasse vor Maximilian Liewald. Der Deutsche Meister vom AC Landshut hat sich im ersten Lauf vor Moskal durchgesetzt, kommt dann im zweiten aber bei einem Angriff auf Moskal zu Fall und wird ausgeschlossen. Der wiederum gewinnt danach alle Läufe – und die Jugendwertung vor Liewald, Anton Keller und Niklas Seemann, der unter einem losgewickelten Zündkerzenstecker leidet. Dem Problem kommt Vater Martin aber erst vorm letzten Heat auf die Schliche.


In der Schnapsglasklasse liefern sich die Gebrüder Sebastian und Johannes Scharnier einen Zweikampf auf Augenhöhe: Sebastian gewinnt den ersten Heat vor Johannes, der dreht im zweiten den Spieß um. Danach siegt Oliwier Moskal zwei Mal, aber seine beiden Einpunktefahrten aus den ersten Heats wiegen zu schwer. Das Bruderduell wird im letzten Heat entschieden: Johannes Schranner stürzt und wird vom Re-Run ausgeschlossen, Sebastian wird hinter Moskal Zweiter, nachdem der ihn in Runde 1 niedergerungen hat, und gewinnt damit die Kinderklasse.

 
 
 

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