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Riss sagt ab

Premiership-Liganeuling Northampton muss ohne Erik Riss planen – obwohl man ihn unbedingt haben wollte.


Man hat es irgendwie hingekriegt. Bereits seit mehr als einem halben Jahr köchelt im Hintergrund der Plan, auf einer neuen Bahn bei Northampton einen Speedwayligaverein zu etablieren. Besser gesagt: So neu ist die Piste gar nicht, denn auf der Anlage im englischen Motorsports Valley, unweit der Formel 1-Rennstrecke von Silverstone, wird schon lange Autospeedway gefahren – jene Sportart also, in der Le Mans-Star Nick Tandy aus Bedford seine Wurzeln hat.


Nun ist der Verein aus Northampton tatsächlich damit durchgekommen, seine Aktivitäten auf Speedway zu erweitern – und hat sich als sechster Verein in die Premiership, die Erste Britische Liga, eingeschrieben. Dort ersetzt Northampton de facto die Mannschaft aus Oxford, die sich nach einem Doppelprogramm nun nurmehr auf die zweite Liga, die Championship, konzentriert.


Mark Loram, der ehemalige Weltmeister und langjährige Förderer von Tobias Kroner zu dessen England-Zeiten, ist eine der treibenden Kräfte hinter dem neuen Klub aus Northampton. Lemon hätte zu gern Erik Riss in das Team geholt, auf das alle Premiershipvereine so lange gewartet haben. Und Riss stand auch kurz davor, sich ein Doppelprogramm aus Zweiter Liga mit Oxford und erster Klasse mit Northampton aufzubürden.


Der Fuhrpark von Erik Riss wird zu Ostern sowohl in Güstrow als auch in Pocking ausgeladen. Foto: Jörg Grohmann
Der Fuhrpark von Erik Riss wird zu Ostern sowohl in Güstrow als auch in Pocking ausgeladen. Foto: Jörg Grohmann

Solch ein „Doubling-up“, wie es auf der Insel heißt, ist für manche englische Fahrer quasi die Jobgarantie im Speedway. Denn unterhalb der reinen Elite, also der Grand Prix-Fahrer und einem kleinen Kreis ähnlich Erlauchter, klafft eine ziemliche Lücke bei der Vergütung der Fahrer. Für viele Engländer lohnt es daher nicht, sich nur auf eine Liga zu konzentrieren; sie können nur als Profi vom Speedway leben, wenn sie sowohl einen Platz in der Premiership als auch in der Championship haben. Außer sie fahren auch noch in zwei weiteren Ligen im Ausland, darunter in Polen – was aber manche aus familiären Gründen nicht möchten.


Dan Thompson ist einer der prominentesten Fahrer, die genau das öffentlich einräumen: Thompson ist gerade von Meister Ipswich zurück zu seinem Jugendverein Leicester gewechselt. Der 21-jährige ehemalige U19-Landesmeister fährt zudem für Edinburgh in der zweiten Division – und sagt, ohne dieses Doppelprogramm könne er nicht als Profi existieren.


Die Rechnung ist kompliziert: In der Premiership ist die Prämie pro Punkt höher. Aber wenn man in der ersten Division nicht gerade auf hohe Punktzahlen pro Rennabend abonniert ist, lohnt es sich trotzdem eher, in der zweiten Klasse anzutreten – wenn man dort fett punkten kann. Denn die Multiplikation aus mehr Punkte mal weniger Punktgeld lässt am Ende eine höhere Summe dabei rausspringen.


Riss hat zwar mit Lebensgefährtin Jenny einen Wohnsitz auf der Insel, strebt aber auch möglichst viele Langbahnrennen an. Nicht nur in der WM wie etwa Chris Harris, der in England „Doubling-up“ betreibt, sondern auch bei offenen Rennen wie Altrip. Zudem wird Riss auch beim Osterpokal in Güstrow sowie am 5. April, dem Tag drauf also, beim Vierländerkampf in Pocking antreten, bei zwei renommierten Speedwayrennen ohne Prädikat also.


Doppelstarts mit Northampton und Oxford wären für ihn zwar reizvoll, aber vor allem in Sachen Reisestress und wegen fehlender Ruhephasen zwischen den vielen Rennen auch eine gewaltige Strapaze. Deswegen hat Riss dem werbenden Loram einen Korb gegeben.


Stattdessen baut er darauf, im Herbst als Gastfahrer gebucht zu werden, wenn in der heißen Phase der britischen Saison andere Fahrer verletzungsbedingt ausfallen und die Vereine Vertretungsfahrer für einzelne Ligapartien anheuern müssen.

 
 
 

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