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Sensation in Landshut

Ein Grand Prix-Neuling gewinnt den turbulenten Saisonauftakt der Speedway-WM.


Der Sieger hat leicht reden. „Ich bin generell keiner, der über Bahnbedingungen lamentiert“, bescheidet Kacper Woryna nach dem Grand Prix in Landshut. „Und allzu viel ausgemacht haben kann es mir ja offenbar wirklich nicht.“


Weder die Bahn – noch ein Nuller wegen Hineinrauschens ins Startband in einem der Vorläufe, als rechts neben ihm Jason Doyle kurz angeruckt hat und Woryna, der das aus den Augenwinkeln mitkriegt, zum sofortigen Kommenlassen der Kupplung veranlasst.


Denn der 29-jährige aus Rybnik hat in Landshut Geschichte geschrieben. Woryna, dessen Opa Antoni bereits für die Poole Pirates in England gefahren ist, gewinnt den Saisonauftakt der Einzel-WM in der One-Solar-Arena vor den Toren der Dreihelmestadt – nach einem spektakulären Rennabend, der mehrere dramatische Wendungen genommen hat.


Weil die Sonne den ganzen Tag über vom wolkenlosen Himmel geknallt hat, muss der Bahndienst vor 7.100 Zuschauern zunächst massiv Wasser fahren, um den drohenden Staub zu binden. Mit dem Wonderwheel, das Landshut auf Vermittlung von James Easter aus Wolverhampton gekauft hat, wird die knapp 400 Meter lange Bahn aufgeraut. Trotzdem bilden sich in den ersten beiden Blöcken jeweils schlierige Streifen mit teils sogar stehendem Wasser, sodass die Rennen zunächst zu einer reinen Prozession werden: Wer den Start gewinnt, entweder von Rot oder Gelb, gewinnt auch die Heats.


Das sind zunächst die Briten Dan Bewley und Robert Lambert sowie Patryk Dudek und Jack Holder. Im Mittelblock, nachdem der Wassereinsatz reduziert wurde, bricht die Bahn an den Kurveneingängen in Rillen auf. Die sind in der tief stehenden Sonne schwer zu sehen. „Man wird auf der Maschine ganz schön herumgeworfen“, ächzt Bewley – der mit den Bedingungen am besten klar kommt, weil er nicht mit Gewalt gegenzulenken oder in die Rillen zu fahren versucht, sondern die Maschine einfach laufen lässt.


Kacper Woryna und seine Crew bejubeln den Sieg von Landshut. Foto: FIM
Kacper Woryna und seine Crew bejubeln den Sieg von Landshut. Foto: FIM

Schon im Mittelblock und erst recht nach einem langen Bahndienst, der die Rillen wieder geglättet kriegt, bilden sich zwei bis drei nutzbare Linien heraus. Bewley und Lambert finden sie alle. Vor allem Bewley wirkt unschlagbar. Entweder gewinnt er vom Start – oder er arbeitet sich mit dramatischen Überholmanövern von Platz 3 an die Spitze vor. Auch Lambert überzeugt mit zwei Überholmanövern, bei denen er die Vorausfahrenden geschickt auf die falsche Fährte lockt: links antäuschen, den Gegner auf die äußere Spur zur Verteilung locken – und dann rechts innen vorbeifahren.


Bewley bleibt in den Vorläufen ungeschlagen und zieht zusammen mit Bartosz Zmarzlik, der zwischendurch aufs Ersatzmotorrad fährt, direkt ins Finale ein. Der gebürtige Stettiner agiert dabei deutlich unauffälliger und weniger risikobereit als die beiden draufgängerischen Briten.


Woryna gewinnt seinen Hoffnungslauf, nachdem Doyle dem besser gestarteten Brady Kurtz beinahe das Vorderrad wegfährt. Lambert übertölpelt im zweiten Hoffnungslauf mit einer sehenswerten Finte den anfangs führenden Fredrik Lindgren und komplettiert das rein englisch-polnisch besetzte Finale.


In dem setzt sich Woryna in der ersten Kurve in Führung – und gewinnt vor Bewley und Zmarzlik.

 
 
 

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