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Spritprobleme bei Mensch und Maschine

Das Thema Treibstoff und die Folgen von falschem Sprit steht in Heerenveen auf zwei verschiedenen Ebenen im Mittelpunkt der Mannschafts-WM.


Max Koivula hebt die Dose mit einem österreichischen Energydrink in die Höhe. „Ich habe meine Taktik wieder geändert“, sagt der Finne am Morgen vor dem Team-WM-Finale in Heerenveen. „Es gibt bei uns einen neuen Energydrink mit allen möglichen Vitaminen und Zutaten drin. Aber der wirkt bei mir überhaupt nicht: Wenn ich den getrunken habe, kriege ich meinen Blutdruck nie wieder hoch.“


Deswegen greife er nun wieder zu Kaffee und den üblichen schmalen Dosen, um seine Müdigkeit in den Griff zu kriegen, die ihn am Vorabend beim WM-Finale gebremst hat. „Das letzte Mal mehr als sechs Stunden Schlaf“, rekapituliert er, „habe ich in Inzell bekommen.“ Und dieser Dauerstress wegen seines Golfartikelladens schlug sich am Samstag nieder – und wurde am Sonntag mit der neuen Getränkewahl erfolgreich verscheucht.


Das neue Gemisch, das er probiert hätte, sei für Golfer angesetzt worden. „Für Eisspeedway“, urteilt Koivula, „taugt das nicht.“


Finnland ist mit dem Paar Koivula/Heikki Huusko haushoher Favorit. Doch schon in Heat 3, wo die Finnen auf Deutschland treffen, patzt Huusko beim Start – und ist zunächst hinter Christoph Kirchner Letzter. „Mir ist das Hinterrad enorm durchgedreht“, gesteht Huusko. „Denn ich wollte den Lauf unbedingt gewinnen – und habe deswegen übertrieben viel Gas gegeben.“


Max Koivula und Heikki Huusko (l.) feiern in Heerenveen den Team-WM-Titel. Foto: FIM
Max Koivula und Heikki Huusko (l.) feiern in Heerenveen den Team-WM-Titel. Foto: FIM

Koivula führt derweil vor Max Niedermaier, nachdem er den Bayern in der ersten Kurve abgedrängt hat. Niedermaier bleibt dran – und fängt Koivula kurz vor Ende ab; beim Versuch, einen Konter zu setzen, schaukelt sich Koivulas Maschine böse auf, aber er bleibt sitzen. Christoph Kirchner kann Huusko nicht halten. Doch der Sieg der Finnen fällt viel niedriger aus als einkalkuliert.


Schweden startet mit einem souveränen 7:2 über Österreich, wobei Niclas Svensson sich als Geleitschutz für Ove Ledström hinter dem Brillenträger positioniert. Schon im zweiten Durchgang zerfällt das Rennen in drei Handlungsstränge: Schweden und Finnland hängen alle anderen ab, Deutschland und Tschechien setzen sich von Österreich und den Niederländern ab.


Das Bild stellt sich scharf, als das große Chaos mit verunreinigtem Methanol einsetzt. Huusko ist eines der Opfer: „Der Motor ist auf dem Weg zum Startplatz einfach abgestorben. Spätfolgen scheint das alles aber nicht gehabt zu haben. Wir haben in der Pause alle Leitungen gespült und gesäubert – und danach ist der Motor den ganzen Tag weiter klaglos gelaufen.“


Die Jury entscheidet, die Rennen, in denen es Opfer der Gelbsucht im Methanol gab, zu wiederholen. Am großen Gesamtbild ändert das nichts. Finnland gewinnt den Rerun gegen die Schweden dank der Plätze 2 und 3. Doch Ledström ist nicht imstande, das Tempo der Anderen zu gehen: Er startet mit viel zu niedrigem Luftdruck im Hinterrad.


Auch danach ist Ledström der wunde Punkt, an dem die Finnen ansetzen können. Die Finnen machen das im Finale taktisch stringent: Nachdem Svensson den Start gewinnt, sichern Koivula und Huusko auf den Plätzen 2 und 3 über das Punktesystem den Titel ab. Und das, obwohl Ledström erst noch niedergerungen werden muss. Huusko erkämpft sich über die Distanz den rettenden dritten Platz – und stellt damit sicher, dass Finnland zum ersten Mal in der Geschichte Eisspeedway-Mannschaftsweltmeister wird.


 
 
 

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