Spätstart führt auf Platz 2
- Norbert Ockenga
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Wieso Martin Posch in Weißenbach statt in Schweden in seine Eisspeedwaysaison startete – und wie.
Klassischer Fall von Spätstart. Martin Posch absolvierte am Samstag in Weißenbach sein erstes Rennen des Eisspeedwaywinters – obwohl er eigentlich schon vorher ins Training auf dem schwedischen Natureis hätte einsteigen wollen.
Doch, erläutert der Österreicher im YouTube-Stream von „Motor TV 22“ über und vom Tiroler Eisspektakel in Weißenbach, „ich hatte Probleme mit dem Transporter gekriegt. Deswegen musste ich die Schweden-Reise verschieben – und ich habe mit entschieden, in Weißenbach zu fahren.“
Natürlich bin ich ein bisschen im Rückstand vom Training her. Aber das werde ich schon aufholen. – Martin Posch
Wäre Posch nach Skandinavien gefahren, hätte er es so gemacht wie Paul Cooper und Simon Mayer: nach den ersten Supercuprennen wieder heimreisen, sondern in Schweden bleiben bis zu den nächsten Rennen. In seinem Fall: bis zur WM-Qualifikation in Örnsköldsvik.

Was gleichbeutend damit gewesen wäre, dass er in Weißenbach nicht hätte fahren können. So aber zeigte der einstige Gewinner des Goldenen Spike in Flims – einem der vielen verflossenen, aber unvergessenen Klassiker des Wintersports – beim offenen Kompaktrennen im Naturpark Reutte, dass auch er zu den Anwärtern auf eine WM-Qualifikation für die Grands Prix gehört.
Posch war der einzige Fahrer, der Rückkehrer Hans Weber phasenweise die Stirn bieten konnte. Das Pikante dabei: Im vergangenen Jahr, als Weber noch pausieren musste, half er seinem österreichischen Kumpel, stattete sogar dessen Maschine mit einem selbst entwickelten Weber'schen Fahrwerk aus.
Posch klaute Weber gleich am Anfang den Start. Mit seiner sicheren Führungsarbeit zwang er den Bayern dazu, einen Linienwechsel zu initiieren, sonst wäre Weber nie an Posch vorbeigekommen. Einen Lauf später musste er den schwer beeindruckenden Rückkehrer Christoph Kirchner niederringen, nachdem der schneller aus dem Band gekommen war.
Im vierten und letzten Heat des Kompaktrennens in Tirol hatte Posch den an sich schon enteilten Weber nach dessen Ausreißversuch wieder eingefangen und hätte ihn im Zielschuss sogar beinahe noch überholt.
So blieb Posch zwar ohne Laufsieg, zeigte aber mit lauter zweiten Plätzen nicht nur statistisch, dass er Ende Januar in Örnsköldsvik um die Grand Prix-Tickets mitkämpfen kann – sondern vor allem vor allem mit der fahrerischen Art, wie er seine Punkte erkämpfte.
Die Verschiebungen der Schwedischen Liga, die seit Montagabend in einer Termindopplung mit dem offenen Rennen in St. Johann gipfelt, machen Posch nachdenklich. „Ich hätte oben zwei Ligarennen fahren können, aber das müssen wir verschieben.“
Toni Pilotto, der Veranstalter von St. Johann, geht davon aus, dass Posch bei seinem Rennen in den Alpen fahre: „In Schweden kriegt er keine Marie“, führt der ehemalige Speedwaystar des Alpenlandes in fein österreichischer Ausdrucksweise den pekuniären Aspekt ins Felde, der für Fahrer im Bahnsport immer wichtig ist, „wir dagegen zahlen den Fahrern eine Gage.“
Posch steckte bereits am Sonnabend im Gespräch mit dem Streamingdienst vor Ort in Weißenbach seinen Fahrplan ab. „Wir konzentrieren uns auf die WM-Quali und schauen dann, ob die beiden Ligarennen stattfinden können“, sagte er am Mikro des Streammoderators. „Wir haben hier in Weißenbach ein Hammer-Eis. Das passt, das funktioniert tadellos. Natürlich bin ich ein bisschen im Rückstand vom Training her, aber das werde ich schon aufholen.“



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