top of page

Start Me Up

Wie ein neuer, in Bayern entwickelter externer Starter die Arbeit für Eisspeedwaymechaniker erleichtert und was dahinter für eine Idee steckt.


Nicht jede Innovation schlägt sich in Rundenzeiten und Punkten nieder. Hin und wieder geht es auch einfach nur darum, den Mechanikern die Arbeit hinter den Kulissen einfacher zu machen.


So etwa bei einer Neuerung, die beim Grand Prix von Inzell im Lager von Filip Jäger Premiere feierte – und die am Freitagabend beim Roloef-Thijs-Pokal in Heerenveen schon von sieben Fahrern und deren Schraubern verwendet werden wird: ein neuer, kompakter Starter zum Anlassen der Halblitermotoren.


Im Sommer werden die Motorräder auf die jeweilige Speedway-, Gras- oder Langbahn geschoben und gehen dabei an. Das funktioniert im Winter nicht, weil der Platz am Vorstart zu eng und die eigentliche Piste, da aus blankem Eis, zu rutschig ist für solch einen „Push-start“. Also muss man mit externen Anlassern arbeiten, welche die Kurbelwelle von außen drehen und den ersten Takt der Verbrennung so in Marsch setzen. Nach demselben Prinzip werden auch Vorkriegs-Oldtimer gestartet – mit einer gewaltigen Kurbel, die man vorn vor den Motor steckt und per Hand dreht.


Die Starter im Eisspeedway kommen bislang in unterschiedlichen Konstruktionen daher, teils mit Griffen und Rahmen an kleine Räder geschraubt, teils zum Tragen. Nun hat Patrick Schneider, einst Mechaniker von Markus Jell und jetzt vom Schweden Jimmy Hörnell, ein kompaktes und einfacher zu handhabendes Gerät erfunden: den Plutonik.


Eigentlich ist das aus einer Gaudi heraus entstanden. Aber die Idee funktioniert. – Patrick Schneider

Schneider, der zum Großaufgebot von Inn-Isar-Racing gehört, verbrachte den Januar bei Hörnell, um dessen Maschinen für die Liga und die internationalen Rennen in Skandinavien vorzubereiten. „Die Idee reift schon lange, einen handlichen Anlasse für die Eis- und Speedwayszene zu bauen. Meine vier Wochen in Schweden haben dann den Ausschlag gegeben. Denn Jimmy Hörnell hat einen Starter mit Autobatterie, der wiegt 25 Kilogramm“, erklärt Schneider. „Zuhause habe ich mir gedacht: ‚Ich muss da was machen.‘ Ein Arbeitskollege und ich haben ein bisschen konstruiert und Teile bestellt: einen Starter von einem Auto, eine Powerbank als Booster dazu. In Inzell hat Jäger den neuen Starter probiert; der hat sofort gesagt, er möchte den haben.“


Der externe Starter, den Patrick Schneider entwickelt hat, ist handlicher, leichter und besser als die Eigenbauten, die bislang im Fahrerlager verwendet werden.
Der externe Starter, den Patrick Schneider entwickelt hat, ist handlicher, leichter und besser als die Eigenbauten, die bislang im Fahrerlager verwendet werden.

Die kompakte und leichte Lösung ersetzt nun peu-à-peu immer mehr von den Mordstrumms, welche die Mechaniker bislang vom Fahrerlager zum Vorstart und nach Rennabbrüchen auch auf die Bahn schleppen und wuchten müssen. „Die Idee mit der Powerbank ist nicht neu. Max Koivula, Martin Haarahiltunen und neuerdings auch Hans Weber haben auch eine Powerbank. Aber in Serie hat’s noch keiner gebaut“, grenzt Schneider ab. „Außerdem haben wir ein paar kleine maschinenbautechnische Highlights drin, die ich aus meinem Hauptberuf mitgenommen haben: Der Anlasser hat eine Gegenverzahnung, die wir in die 32er Nuss drahterodieren lassen haben. Die meisten schweißen die 32er Nuss einfach drauf. Bei uns haben wir aber wirklich eine 100-prozentige Kraftübertragung, weil da kein Spiel zwischen Nuss und Anlasser ist. Wir haben auch eine Sicherung angebaut. Und der Akkurater ist aus 3D-Druckteilen gefertigt.“


Jäger wird in Heerenveen ebenso mit dem neuen Plutonik-Starter antreten wie Jimmy Hörnell – der am Freitagabend sein erstes Rennen bei voller Fitness nach einem ebenso kuriosen wie brutalen Unfall in seiner Werkstatt bestreiten wird: Ihm war bei Arbeiten am Vorderrad das Motorrad buchstäblich davongefahren, er wollte aber den Lenker nicht loslassen, damit die entfesselte Maschine nicht seine ganze neue Werkstatt zu klump fährt – zog sich beim krampfhaften Festhalten Zerrungen, Überdehnungen und Muskel- sowie Nervenverschiebungen einer Schulter zu.


In Inzell hatte Hörnell schon als Mechaniker bei Jäger gearbeitet, im Thialf fährt er am Freitag im Thijs-Pokal mit. Mit der neuen Plutonik-Technik von Schneider, die man in zwei Versionen kaufen kann: Standard – oder individualisiert mit Aluplatten, Griffen und Startknöpfen in eigens gewählten Farben sowie in einem Hardcase-Koffer. „Eigentlich ist das aus einer Gaudi heraus entstanden. Es war viel Arbeit, aber die Idee funktioniert. Im Thijs-Pokal werden sieben Starter von mir unter den 24 Fahrern sein – und es hat sogar schon ein Norddeutscher aus der Historischen Langbahnserie einen gekauft, weil er sagt, er möchte nicht mehr schieben.“


Weitere Informationen zu dem innovativen neuen besten Freund des Mechaniker gibt’s direkt bei Patrick Schneider unter seiner WhatsApp-Nummer +49/160/90321213


Die Details wie etwa die verzahnte Nuss, die Akkuhalterung aus dem 3D-Drucker, die Verpackung im Hartschalenkoffer, aber auch die Arbeit von Hörnell mit dem neuen Anlasser am Bike von Jäger in Inzell kann man in dieser Bildergalerie zum Durchklicken auf verschiedenen Fotos genau studieren:



 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page