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Vom Knirps zur Wildcard

Keijo Busch ist in der Nähe des Eichenrings aufgewachsen und fährt in Scheeßel als Wildcard mit. In seiner neuen Kolumne öffnet er sein Album der Erinnerungen, charakterisiert die Bahn und beschreibt, wie sich ein Gastfahrer auf einen WM-Lauf vorbereitet.


Am Motorrad selbst brauchten wir nicht viel zu machen. Denn wir haben die Motorräder immer gut vorbereitet. Mein Vater, der auch mein Mechaniker ist, legt da sehr viel Wert drauf. Er ist früher selbst Bahnrennen gefahren, weiß also genau, wie wichtig es ist, die Maschinen zwischen den Rennen penibel vorzubereiten. Heutzutage bereitet er meine Motorräder bei sich in der Werkstatt vor. Ich weiß, dass ich daher immer bestens präpariertes Material habe.


Einen Motor haben wir noch umgebaut für Scheeßel. Denn wir haben eine Variante, die wir auf längeren Bahnen immer verwenden. Die kam natürlich noch in den Rahmen. Ansonsten umfassten die Arbeiten nur das Übliche: Vergaser nachgeguckt, Kupplung auch, Kupplungsbeläge noch Mal überarbeitet, in den Vergasern alles gereinigt; die Tanks leer gemacht; alles komplett sauber gemacht; die Reifen so weit hin und her montiert, wie wir sie am Wochenende fahren wollen – oder eben nicht.


Als Zusatzarbeit für einen Start in der WM ist dazu gekommen, dass wir die Startnummern umklebend mussten: die „20“ für die Wildcard drauf, dazu die FIM- und Longtrack-Aufkleber, die typisch sind für die WM. Das ist aber eigentlich nur ein bisschen Kleinkram.


Ich verbinde viele Erinnerungen aus meiner Kindheit mit dem Eichenring. – Keijo Busch

Ich reise nicht nur bannig gespannt nach Scheeßel an – sondern auch mit ziemlich vielen Erinnerungen an den Eichenring. Viele davon sind natürlich in den letzten Tagen vor meinem inneren Auge wieder aufgetaucht. Das fängt mit dem Endlauf um den Jugendpokal an, bei ich theoretisch gegen Nadine Frenk und Thorsten Haupt den Jupo-Endlauf hätte gewinnen können. Ich bin aber in einem Lauf in Führung liegend weggerutscht, weil eine Woche zuvor in Rastede der Stoßdämpfer kaputtgegangen ist und wir das in der Woche der Vorbereitungen auf Scheeßel gar nicht richtig gemerkt haben. Deswegen sind wir in dieses damals für mich so wichtige Rennen mit einem Vorschaden reingegangen. Das war natürlich in meiner jungen Karriere ein ordentlicher Schlag ins Kontor.


Die Maschine von Keijo Busch wird für die WM flottgemacht. Foto: Günter Bünning
Die Maschine von Keijo Busch wird für die WM flottgemacht. Foto: Günter Bünning

In meinem ersten internationalen Jahr in der A-Lizenz habe ich auf meiner Heimbahn auch alle Vorläufe gewonnen – bis auf einen. Im Finale bin ich ausgefallen, weil ich damals technisch ein bisschen Ärger gehabt habe.


Aber die Erinnerungen beschränken sich nicht nur auf die reinen Rennen auf dem Eichenring. Ich bin schließlich in Scheeßel unweit von der Rennbahn aufgewachsen, war durch meinen Vater auch schon als kleiner Knirps oft mit an der Bahn und im Fahrerlager. Wir haben auch viele Trainingsstunden dort absolviert und vom Klub her viele coole Sachen mit erlebt. Dazu gehört auch das ganze Drumherum um den Sport, von dem man nur etwas mitkriegt, wenn man wirklich ins Vereinsleben eingebunden ist. Als etwa der neue Bahnbelag aufgebracht worden ist, waren mein Papa und nicht auch immer involviert.


Man verbindet auch viele Sachen aus seiner Kindheit damit. Ganz früher war da eine Motocrossstrecke im Innenfeld. Auf der bin ich als Kind auf einer PW50 mit dem Motocrossfahren angefangen. So ging alles los.


Und natürlich kenne ich auch die Bahn und den Belag aus dem Effeff. Quasi von innen heraus, weil ich so oft auf ihr unterwegs war, sei es zum Fahren oder bei Arbeitseinsätzen. Die Bahn braucht auf jeden Fall Wasser, damit das Material vernünftig bindet. Und wenn es regnen sollte, darf man sie nicht zu doll walzen, damit das Wasser einziehen kann. Ansonsten kann sie super viel Wasser ab. Wenn man den Belag quasi atmen lässt, dann kann der gut Wasser vertragen.


Ich war in letzter Zeit schon ewig schon nicht mehr für ein Rennen vor Ort. Anfang des Jahres fuhr och dort ein Mal Testen, um meine Rückkehr in den Sport für diesen Sommer vorzubereiten. Aber daraus kann man nichts ableiten, wie ich nun als Wildcardfahrer bei der WM zurechtkommen werde. Denn Testfahrten und Trainings sind ja was ganz Anderes als beim Rennen.


Vater Günther Bünning hat bei den letzten Handgriffen der Maschinenvorbereitung für Scheeßel auch noch mit der Kamera draufgehalten. Hier ist seine Fotogalerie zum Durchklicken:



 
 
 

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