Wenn die Heizer kommen
- Norbert Ockenga
- vor 3 Tagen
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Wie Motorräder und mit ihnen die ersten Rennen nach Teterow kamen und so den Grundstein für das heutige Bergringspektakel legten.
Das kommt einem irgendwie bekannt vor: Die Kommune hat kein Geld. Also müssen nötige Investitionen und Initiativen von Privatleuten selbst gestemmt werden. Was heutzutage die umstrittenen Anliegerbeiträge oder handwerkliche Eigenleistungen für Ausbau oder Reparatur von Straßen sind, war früher der Bau des Bergrings: Die Stadtverwaltung Teterow beschied den Ideengeber, dass man den Gedanken zwar toll fände – aber nicht finanziell unterstützen könne.
Also sprangen vier Einwohner der Kleinstadt in der Mecklenburgischen Schweiz ein: Schützenhauswirt Julius Ehlert, Obergerichtsvollzieher Martin Steffen, Kurhauspächter Richard Baumann und Kaufmann Hermann Sadenwasser bürgten mit je 500 Reichsmark für den Bau der Anlage. Auf der Basis der damaligen Kaufkraft umgerechnet, entspricht das 2.250 bis 3.000 heutigen Euro – und in seinerzeit etwa drei bis vier Monatsgehältern.
Die knapp 1,9 Kilometer in den Heidbergen, die damals von den Ideengebern eigenfüßig abgeschritten und vermessen worden waren, stellten einen Versuch da, eine besonders wilde Zeit der jungen Mobilität zu zähmen: Ende der zwanziger Jahre scheuchten junge Teterower Burschen mit lauten Motorrädern nicht nur die Hühner und Enten auf, die sich auf dem Kopfsteinpflaster oder den unbefestigten Wegen zwischen Heuwagen tummelten – sondern die erwachsenen Einwohner gleich mit.
Motorräder kamen gerade in Mode, die frühe Form des Individualverkehrs passte längst nicht allen in den Kram – war, genau wie die ersten Autos, vielen sogar eher ganz und gar nicht geheuer.
Und genau wie bei den Autos, ließ auch bei den Motorrädern das erste Kräftemessen nicht auf sich warten: Als die Jugendlichen sich auf ihren Knatterkisten wilde Rennen auf dem Teterower Kopfsteinpflaster lieferten, schritten Polizei und Legislative ein und erließen rigorose Ein- und Durchfahrtsverbote.
Das mündete in einer Gründungswelle von Motorfahrerklubs, die Sternfahrten und Geschicklichkeitsübungen veranstalteten. Eine solche Fernfahrt hatte sich für den 25. März 1928 für einen Zwischenhalt auf dem Teterower Marktplatz angekündigt. Ausrichter waren eigentlich die Motorfahrerklubs aus Rostock, Warnemünde, Laage, Bützow, Gnoien und Tessin.

Doch eine Handvoll Teterower hatten im Hintergrund längst die Weichen gestellt, die Motorräder von den Straßen zu kriegen und einen neuen Verein zu gründen: Studienrat Carl Schröder und Steuerberater Franz Wilhelms, beide selbst begeisterte Biker, hoben den Verein aus der Taufe. Er fand rasch interessierte Mitglieder – und schloss sich der Fernfahrt den aus der Rostecker Gegend stammenden Vereinen an.
So wurde die Durchreise der anderen Vereine zur Gründungsfahrt des Teterower Motorfahrer Clubs TMC, der den Grundstein des Bergringrennens legen wird.
Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Die ersten Vereinsveranstaltungen widmen sich einer Disziplin, die es so nur in Teterow geben kann.



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