Zurück in die Zukunft
- Norbert Ockenga
- 3. März
- 3 Min. Lesezeit
Ein alter Hauptdarsteller kehrt 2025 mit neuem Namen und mit alten Partnern zurück auf deutsche Langbahnen.
Es ist ein ganz normaler Freitagnachmittag in Norddeutschland. „Die Fahrtzeit“, wundert sich Keijo Busch am Steuer auf der Autobahn A1 kurz vor Bremen, „kommt mir erstaunlich lang vor.“ Denn die Weserstrombrücke bei Bremen erweist sich wie so oft als Nadelöhr – und Busch muss über den Fluss: Gerade hat er sich bei Kai Huckenbeck mit gebrauchten Rennfahrerstiefeln eingedeckt.
Busch bereitet gerade seine Rückkehr auf die Rennbahnen vor. Als er 2014 mit seinem ersten Anlauf aufhörte, hieß er noch Keijo Bünning. Schon sein Vater Günter Bünning war eine feste Größe auf der Sandbahn – und inzwischen ist Stephan Katt sein Schwager.
Mit dem Namen seiner Ehefrau will’s Keijo Busch wieder wissen. „Das kam aus einem Hin- und Hergequatschte mit meinem Vater, ein paar Freunden und Bekannten“, lächelt Busch. „Ich möchte vielleicht noch ein paar Leute ärgern, die den Sport jahrelang betrieben haben.“
Ich habe schon 14 oder 15 Veranstaltern meine Nennung geschickt. – Keijo Busch
Dann sagt er jenen Satz, der wie kein anderer das wahre Wesen des Bahnsports als Suchtmittel zusammenfasst: „Ganz ohne geht’s halt doch nicht.“
Und so klaubt Busch sich für die Rückkehr Material zusammen, um in der kommenden Saison wieder einzusteigen. Und zwar gleich in der A-Lizenz. Denn „wenn man ein Mal A-Lizenz gefahren ist, dann gehört sich das nicht, wieder in die B-Lizenz zu gehen“. Ein altes Motorrad, mit der er 2021 noch einen Gaststart bei der Langbahn-DM in Vechta absolvierte, hat er reaktiviert; eine zweite Maschine übernahm er von Tom Lamek. Der hat aufhören müssen, nachdem sich eine offene Oberarmfraktur nach einem Verhaken mit Tero Arnio beim Grasbahnrennen in Bielefeld als schlimmer erwiesen hat: Lamek hat wegen eines dabei mit durchtrennten Nervs immer noch kein Gefühl in der Hand, das Karriereende ist für den 31-Jährigen aus Hechthausen, der in Rinteln an der A27 lebt, unausweichlich.

Dabei hatte der Schaumburger gerade erst wieder mit dem Sport begonnen, nachdem er seinerseits schon in der B-Lizenz auf der Bahn der MF Niederelbe in Hechthausen einen schweren Sturz erlitten hatte.
Ganz ohne Bahnsport geht's halt doch nicht. – Keijo Busch
Das Ende von Lameks Comeback ist nun ein Baustein in der Rückkehr von Busch. Genau wie die Stiefel von Huckenbeck und ein Restposten Methanol von René Deddens, den Busch auf seiner Nordwesttour in Cloppenburg aufgeladen hat.
Busch kommt ursprünglich aus Scheeßel, wohnt aber inzwischen in Stoltenberg bei Kiel, wo er als Mechatroniker bei einer Maschinenbaufirma für Maschinen zur Meeresforschung arbeitet, die das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung an der Förde beliefert. Drum der lange Törn durch den Norden.

Drum aber auch die ersten Schritte der Rückkehr: bei einem gemeinsamen Test mit Stephan Katt auf der Langbahn in Mulmshorn, unweit der Hansalinie kurz hinter Bremen. „Ich war zu Beginn 2025 bei einigen Rennen mit Norick Blödorn mit als Mechaniker unterwegs, und irgendwann habe ich mit Katt in Mulmshorn getestet, ob ich da noch rumkomme.“
Jetzt bereitet er sich auf einer ehemaligen Speedwaymaschine von Katt auf die Rückkehr vor, peilt Trainings in Neuenknick, Norden und Brokstedt an – möchte aber im Ernstfall nur noch Langbahn fahren. „Ich habe bei 14 oder 15 Veranstaltern angefragt und Nennungen hingeschickt. Von Lüdinghausen und Mulmshorn habe ich schon Zusagen.“ Eine gewisse zögerliche Haltung der anderen Veranstalter sei verständlich: „Die überlegen sich natürlich sehr genau, ob es sich lohnt, jemandem ein Startgeld zu zahlen, der eine so lange Pause gemacht hat.“
Wobei seine Vorgeschichte und auch seine Einstellung, sich lieber über ein adäquates Punktegeld statt eine Antrittspauschale zu refinanzieren, dafür sprechen, dass die Rennbetreiber bei Busch in eine sichere Anlageform investieren.
Speedway reizt ihn nicht? „Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, bei Brokstedt in der Liga Nord anzufangen“, gesteht Busch. „Aber das habe ich verworfen. Denn es schien mir zu riskant, da gegen zum Teil sehr junge Fahrer anzutreten. Da konzentriere ich mich lieber auf die Langbahn, bereite mich dort vernünftig vor und weiß, mit wem ich es auf der Bahn zu tun bekomme – und auch, was ich selbst reißen kann.“
Denn auch wenn er sich seine Infrastruktur zusammensammelt, so wird am Ende doch ein professioneller Auftritt dabei rausschauen. Denn der nächste Weg nach der Shoppingtour führte Busch nach Bottenbach in Berghaupten. Der dort ansässige Tuner Bernd Zapf wird die Motoren des Nordlichts auf den neuesten, konkurrenzfähigen Stand bringen.
Mit Zapf hatte Busch auch schon zusammengearbeitet, als er noch als Keijo Bünning auf seinem ersten Karrierweg unterwegs gewesen war.



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