Andersens Märchen
- Norbert Ockenga
- vor 14 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Mikkel Andersen schaut einer Enttäuschung ins Auge – und wird dennoch plötzlich Tabellenführer.
Für einen langen Augenblick fürchtete Mikkel Andersen, seine Chancen beidhändig aus dem Fenster geworfen zu haben. Doch dann drehte sich der chaotische Juniren-WM-Lauf von Lodz mit seinem Crashfest – und Andersen übernahm sogar die WM-Spitze.
Der Däne hat mit seinem Sieg einen großen Schritt in Richtung Juniorenweltmeisterschaft gemacht. Der 20-Jährige gewann das dramatische Finale vor 6.630 Zuschauern in der Moto Arena und übernimmt mit nun 38 Punkten souverän die Gesamtführung.
Dabei profitierte Andersen vom Pech des Lokalmatadors Maksymilian Pawełczak. Der Pole hatte zuvor alle fünf Vorläufe gewonnen und war mit der Idealpunktzahl ins Finale eingezogen. Im Wiederholungslauf stürzte der 16-Jährige jedoch in der vierten Kurve und musste sich mit Rang zwei begnügen.
Bereits der erste Finalversuch war nach einem Sturz des Australiers Beau Bailey abgebrochen worden. Bailey brachte dabei den Dänen Nicolai Heiselberg zu Fall, der für den Neustart nicht mehr antreten konnte. Heiselberg wurde als Dritter gewertet, Bailey belegte Rang 4.
Mit seinem zweiten Platz beim Saisonauftakt in Målilla und dem Sieg in Lodz führt Andersen die Gesamtwertung mit 38 Punkten an. Pawełczak folgt mit 28 Zählern. Vor dem Finale am 11. September in Vojens benötigt Andersen auf seiner Heimbahn lediglich 11 WM-Punkte, um sich den Titel zu sichern und als erster Däne seit Michael Jepsen Jensen anno 2012 U21-Weltmeister zu werden.
Dabei hatte Andersen selbst nach einem schwierigen Beginn nicht mehr an den Sieg geglaubt. „Das war ein hart erarbeiteter Sieg. Nach den ersten beiden Läufen hätte ich nie gedacht, dass ich überhaupt das Finale erreiche. Wir hatten zunächst das falsche Motorrad gewählt. Erst mit der Ersatzmaschine hat es funktioniert. Das Team hat in der Box hervorragend gearbeitet.“

Trotz seiner komfortablen Ausgangsposition erwartet Andersen in Vojens keinen einfachen Saisonabschluss. „Alle 16 Fahrer sind schnell. In Vojens beginnt alles wieder bei null. Wir gehen Schritt für Schritt vor. Wenn am Ende der Titel herausspringt, wäre das natürlich überragend.“
Für Pawelczak überwog nach dem Finale die Enttäuschung über den verpassten Heimsieg. Bis zum Sturz hatte der Pole den Abend dominiert. „Ich habe mich den ganzen Tag über sehr wohl auf dem Motorrad gefühlt und war schnell unterwegs. Im Finale war Mikkel einfach stärker. Er hat mich zweimal innen gekontert – das war hart, aber fair. Glückwunsch an ihn.“
Unabhängig vom Ausgang des Saisonfinales hat Pawełczak bereits jetzt die Chance, in seiner ersten kompletten Saison auf der 500-Kubikmaschine eine WM-Medaille zu gewinnen. „Das wäre etwas Besonderes. Ich setze mich aber nicht unter Druck. Ich möchte einfach gutes Speedway zeigen und den Fans in Vojens eine tolle Show bieten.“
Auch Beau Bailey darf weiter auf einen Podiumsplatz in der Gesamtwertung hoffen. Der Australier sammelte in Lodz 14 WM-Punkte und liegt mit insgesamt 23 Zählern gleichauf mit dem Dänen William Drejer und dem US-Amerikaner Slater Lightcap. Dazwischen rangiert Villads Nagel mit 24 Punkten auf Platz drei, während Heiselberg als Siebter mit 22 Punkten ebenfalls noch Chancen auf eine Medaille besitzt.
Bailey blickt optimistisch auf das Finale: „In Vojens kann alles passieren. Ich werde einfach weitermachen wie zuletzt und hoffe, dort auf das Podium zu fahren.“
Im Finale von Lodz brachte ihn nach eigener Aussage vor allem der Start geradewegs ins Verderben. „Ich wusste, dass ich den Start verpasst hatte. Als ich innen angreifen wollte, fehlte mir der Vortrieb und ich konnte das Motorrad nicht mehr einlenken.“



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