Ansage an Nörgler und Jammerer
- Keijo Busch
- vor 4 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Keijo Busch schreibt in seinem neuen Blog, wie er sich im Team neu aufgestellt hat – und was er von der Kritik an der Bahn in Scheeßel hält.
Der Effekt hat nicht lange auf sich warten lassen. Seit kurzer Zeit haben wir ein paar Dinge bei mir im Team geändert. Ich habe André Pollehn als eine Art Berater mit in die Mannschaft geholt, um noch jemanden mit einer anderen Meinung um mich herum zu haben. Fast wie die berühmte „zweite Meinung“, die man sich bei ärztlichen Diagnosen mit besonderer Tragweite einholen sollte.
André Pollehn ist für solch’ eine Aufgabe wohl besser geeignet als viele Andere. Zum einen ist er lange Jahre selbst erfolgreich nicht nur Speedway, sondern vor allem auch Langbahn gefahren. Und vor allem hat er ein derart loses Mundwerk, dass man sich keine Sorgen machen muss, ob er sich traut, einem wirklich seine Meinung zu sagen. Jeder Satz von ihm ist ungefilterte Wahrheit – aber gleichzeitig auf eine humorvolle und charmante Art und Weise vorgetragen, dass selbst Kritik gar nicht verletzend wirken kann, sondern sogar den Kritisierten nicht nur zum Nachdenken bringt – sondern auch zum Mitlachen.
Wir fahren auf einer Sandbahn und eben keine Straßenrennen, bei denen alles komplett glatt ist. – Keijo Busch
Es ist kein Wunder, dass André Pollehn inzwischen sogar von anderen Langbahnvereinen als möglicher Trainer für die eigene Jugendabteilung angefragt wird. Er verfügt über die nötige Erfahrung, an vorderster Front mitgefahren zu haben, über eine direkte Ansprache – und spätestens seit er bei Meik Lüders in Norden ein Praktikum gemacht hat auch über das Gespür, in die Köpfe von Fahrern vorzudringen und den richtigen Umgang zu treffen.
Ich habe schon recht früh gemerkt, dass er mir in einigen Bereichen bei meinem Comeback echt was gebracht hat. Und auch in Scheeßel, wo ich als Wildcard in diesem ewig langen Grand Prix dabei war, hat sich das bezahlt gemacht.

Als Gaststarter hat man im Feld einer Weltmeisterschaft nur in den allerseltensten Fällen etwas zu bestellen. Deswegen bin ich auch nicht mit übersteigerten Erwartungen in die Veranstaltung auf meiner Heimbahn gegangen.
Prinzipiell bin ich mit meiner Leistung relativ zufrieden. Ich habe durchaus gezeigt, dass ich nicht komplett fehl am Platze war. Doch ich hatte leider zwei Ausfälle: Im Kampf um Platz 3 ist mir im ersten Lauf der Zahnriemen gerissen – und im dritten Rennen gleich wieder. Ohne die beiden Ausfälle wäre ich wahrscheinlich sogar im Halbfinale gewesen.
Natürlich waren die äußeren Umstände ein großes Thema bei der Nachbetrachtung von Scheeßel. Vor allem wegen der beiden Stürze von Andrew Appleton und Daniel Spiller. Viele Leute haben gejammert, dass die Flattracker am Tag zuvor gefahren sind; angeblich hätten die der Bahn zu sehr zugesetzt.
Aber die haben mit all’ dem, was am Rennsonntag passiert ist, gar nichts zu tun. Weil der Bahndienst abends nach dem Flattrack-WM-Lauf noch mal einen Grader genommen hat und die komplette Bahn nicht nur eingeebnet, sondern auch noch Mal gewalzt hat.
In meinen Augen war die Bahn top. Klar waren da ein paar Rillen drin; in eine von denen ist Daniel Spiller auch reingefahren. Aber das ist ja eine Sandbahn. Wir fahren kein Straßenrennen, wo alles komplett glatt ist. Das weiß jeder, der dort am Start steht.
Da ich in diesem Jahr mein Comeback nach einer langen, langen Pause gegeben hat, kann ich manche Zusammenhänge aus einer etwas weiteren Sicht beurteilen. Und da muss man klar feststellen: Die Bahnen generell sind alle viel, viel besser als sie früher waren. Alle, die jetzt gejammert haben – die hätte ich gern mal vor 15 Jahren in Scheeßel gesehen.



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