Vaterschafts-Test
- Norbert Ockenga
- vor 53 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Kevin Wölbert verzichtete auf den vorletzten Durchgang der Speedway-DM und damit auf den möglichen Titel – aus einem auf den ersten Blick erstaunlichen Grund.
Früher waren Einschulungen eine kurze Angelegenheit: Schultüte in die Hand gedrückt, losgestiefelt zu den anderen ABC-Schützen – und ab ins erste Klassenzimmer. „Heutzutage läuft das ein bisschen anders“, lächelt Kevin Wölbert. „Da nehmen die Eltern mit Oma und Opa und der ganzen Familie an solchen Veranstaltungen teil. Dementsprechend ist dann eine Halle gefüllt, in der sonst Karneval oder sowas gefeiert wird. Die Kinder führen was vor. Hätte ich an so einer Veranstaltung nicht teilgenommen…“
Wölbert lässt den Halbsatz im Raum schweben. Denn er ist genau der Grund dafür, warum der Heidhofer den vorletzten Lauf zur Deutschen Meisterschaft in Wolfslake ausgelassen hat – womit Wölbert de facto Norick Blödorn vorzeitig zum Meister gemacht hat.
Ich werde mein Kind nicht allein oder mit meiner Frau allein zu der Veranstaltung schicken. – Kevin Wölbert
Der Familienvater macht keinen Hehl daraus, dass er unbedingt bei der Einschulung seines Sohns dabei sein wollte – und deswegen Wolfslake hat sausen lassen. „Das war bei meinem ersten Sohn das Gleiche. Da ließ sich das aber vereinbaren. Bei den Polen ist das nicht anders. Da wird an diesen Tagen auch kein Rennen gefallen. Wir in MeckPomm haben nun mal den 22. August als Tag der Einschulung. Da muss man Prioritäten setzen. Ich werde ganz bestimmt nicht mein Kind allein oder mit meiner Frau allein zu der Veranstaltung schicken; dann bleibt da ein Platz leer, und ich bin derjenige, der nicht da ist, während alle anderen Kinder ihre kompletten Familien vor Ort haben.“

Also fällte Wölbert eine Entscheidung, die aus rein profisportlicher Sicht erstaunlich anmutet: Statt in Wolfslake seine DM-Titelchance, die sehr realistisch war, aufrecht zu erhalten, trat der in Brandenburg gar nicht an. „Es gibt zwei Streichläufe. Da kann man Prioritäten setzen. Norick ist jetzt trotzdem Deutscher Meister – Glückwunsch, sei es ihm gegönnt“, konstatiert er. „Manche Sachen kann man nicht ändern; manche Anlässe gibt es halt nur ein Mal im Leben. Dazu zählt die Einschulung genauso wie die Geburt. Rennen fahren kann ich jedes Mal. Deutscher Meister bin ich nu’ vier Mal geworden. Mit Sicherheit hätte ich mir das dieses Jahr auch wieder gewünscht. Aber den Termin habe ich nun Mal nicht gelegt. Der ist sehr, sehr doof. Das hat selbst Landshut berücksichtigt; sogar die haben das Thema der Einschulung vorher angesprochen, weil es in jedem anderen Land auch gang und gäbe ist, dass an Tagen der Einschulung keine Rennen gefahren werden.“



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