Überraschungs-Moment
- Erik Riss
- vor 30 Minuten
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In seiner neuen Kolumne analysiert Erik Riss seinen Sieg beim Auftakt der Langbahn-WM in Scheeßel – und zeigt sich über sich selbst verblüfft.
Meine Einstellung war denkbar einfach: Ich habe gar keine Erwartungen gehabt. Nicht mal vor dem ersten Lauf zur Langbahn-WM in Scheeßel. Denn ich habe im Moment generell keine Erwartungen, wenn ich ein Rennen fahre. Egal um was für ein Rennen es sich handelt – ich fahre da einfach hin und versuche, voll und ganz im Moment zu sein.
So habe ich auch in der Woche vor Scheeßel nicht groß über das Rennen nachgedacht. Denn ich habe im Moment echt andere Sorgen.
Klar – Rennen fahren ist mein Job und meine Leidenschaft. Mein ganzes Leben dreht sich ums Rennen fahren. Aber im Moment hat die Gesundheit bei mir oberste Priorität. Ich denke mehr darüber nach, wie es mir geht, als dass ich ans Rennen fahren denke. Ich habe mir nicht die ganze Woche über Gedanken über Scheeßel gemacht. Vielmehr habe ich gedacht: „Ich fahre dahin und versuch’s – und dann seh’n wir’s schon.“
So habe ich auch den Renntag in Norddeutschland in Angriff genommen: Ich konzentriere mich auf meine Starts – und was danach passiert, das mache ich intuitiv.
Normaler Weise steckt man sich bestimmte Ziele oder hat gewisse Erwartungen. Aber das hatte ich wirklich nicht, weil mir die Rennpraxis dieses Jahr fehlt. Ich habe kaum Rennen gefahren, bin überhaupt nicht im Rennflow drin wie alle Anderen. Wenn man jede Woche ein bis drei Rennen hat, dann geht man die Rennen auch anders an.
Ich habe dieses Jahr schon drei Mal einen Saisonstart gehabt. – Erik Riss
Aber meine Situation ist ein bisschen speziell: Ich habe dieses Jahr schon drei Mal jeweils einen Saisonstart gehabt. Nach Mühldorf und Landshut war ich ja auch wieder für vier bis fünf Wochen weg. Scheeßel war also wieder wie ein Neuanfang für mich. Mental ist das schwierig: Beim ersten Rennen der Saison ist man immer sehr aufgeregt. Das Gute war, dass ich in der Woche vor Scheeßel schon ein Rennen mit Landshut in Gnesen hatte, da hatte ich das schon nächste „erste Mal“ schon aus der Bahn.

Ich bin ganz entspannt und ohne Erwartungen nach Scheeßel gefahren. Habe ich mich dort überrascht? Ja, vielleicht schon ein bisschen. Es hat mich überrascht, dass es am Ende so dominant wurde. Im Nachhinein ist mir das erst richtig klargeworden, wie dominant das Rennen über die Bühne gegangen ist. Es lief einfach gut. Im ersten Training hat das Setup noch nicht gepasst; dann haben wir eine kleine Änderung gemacht, danach war’s passend.
Im ersten Lauf fuhr ich zunächst an zweiter Stelle hinter Zach Wajtknecht. Den habe ich zwei Runden lang verfolgt, dann habe ich ihn überholt und bin ihm gleich davongefahren. Der Rest waren Start/Ziel-Siege – und zwar recht überlegen: Ich habe jeden Lauf mit einer halben Gerade Vorsprung gewonnen und im Finale sogar noch die schnellste Zeit des Tages gefahren. Es war schon sehr dominant – und darüber war ich sehr überrascht.



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