Blödorn und Klindt als Meistermacher
Kapitän Brady Kurtz schwächelt. Doch Gastfahrer Nicolai Klindt und Norick Blödorn springen mehr als nur in die Bresche – und machen Belle Vue zum Meister.
Granatenstarts von Norick Blödorn, ein kampfstarker Auftritt von Gastfahrer und Verletzungsvertretung Nicolai Klindt und in Jason Doyle ein Australier, der seinen Landsmann ebenbürtig vertritt als der schwächelt – so holt sich Manchester am Freitagabend den Meistertitel in der britischen Premiership zurück.
Die Belle Vue Aces machen vor ausverkauftem Haus im National Speedway Stadium alles klar. Nach dem knappen 47:43-Erfolg im Hinkampf gegen die Sheffield Tigers steigert sich der Titelverteidiger im Rückrennen erheblich und gewinnt mit 53:37. Damit entscheidet Belle Vue das Finale mit insgesamt 100:80 Punkten für sich und sichert sich den dritten Meistertitel innerhalb von fünf Jahren.
Dabei beginnt der Abend zunächst mit einem kurzen Schreckmoment für die Gastgeber. Sheffield muss den Vier-Punkte-Rückstand aus dem ersten Rennen aufholen und startet entschlossen. Anders Rowe und Gastfahrer Max Fricke halten Brady Kurtz im Auftaktlauf am Ende des Feldes, sodass der Lauf unentschieden endet. Im zweiten Lauf legen Luke Killeen und Jye Etheridge mit einem 5:1 nach. Damit ist der Vorsprung von Belle Vue aus dem Hinkampf bereits aufgezehrt – die Gesamtwertung steht ausgeglichen.
Wir haben gegen die bessere Mannschaft verloren. – Simon Stead
Doch die Antwort der Aces folgt unmittelbar. Mit einem eigenen 5:1 schlagen die Gastgeber zurück und leiten eine Serie von sieben aufeinanderfolgenden Läufen ein, die jeweils von einem Belle-Vue-Fahrer gewonnen werden. Fünf dieser Läufe enden mit einem Vorteil für die Aces. Aus dem ausgeglichenen Gesamtstand entwickelt sich so innerhalb weniger Läufe ein deutlicher Vorsprung für die Mannschaft aus Manchester.
Norick Blödorn gehört dabei zu den Leistungsträgern. Der Deutsche erzielt 10 Punkte plus zwei Bonuspunkte und erreicht damit ebenso wie Jason Doyle und Zach Cook eine zweistellige Ausbeute. Doyle kommt auf elf Punkte, Cook auf 10+1. Gastfahrer Nicolai Klindt bleibt mit 11+1 ungeschlagen. Kapitän Brady Kurtz gibt nach seinem seltenen letzten Platz im ersten Lauf ebenfalls keinen weiteren Punkt ab.
Dabei ist der Australier schmerzgeplagt ins Finale gegangen: Er hat kurz vor der Entscheidung eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen und kann den Lenker nicht immer so festhalten, wie er das für seine spektakulären Diagonallinien eigentlich benötigt.
Überhaupt trägt das Rennen in der Keimzelle der Industriellen Revolution die Handschrift von Blödorn – aber auch jene von Speedwaygroßmacht Australien. Jason Doyle und sein junger Landsmann Tate Zitschke ziehen die Aces mit, bei den Tigers aus der Stahlstadt hilft die Verletzungsvertretung für Aussie Jack Holder, das Fünkchen Hoffnung am Glimmen zu halten.
Denn Max Fricke beendet in Lauf 11 zwar die Serie der Heimsiege, doch zu diesem Zeitpunkt ist Belle Vue bereits auf Kurs. Klindt macht die Meisterschaft schließlich drei Läufe vor Schluss rechnerisch perfekt. Die Aces können vor ihren Fans feiern – und Blödorn ist mit seiner starken Ausbeute ein wichtiger Teil des Titelgewinns.

Teammanager Mark Lemon spricht anschließend von einem zauberhaften Abend. „Die Fans haben 54 Jahre auf diesen Moment gewartet: eine Meisterschaft zu Hause zu gewinnen. Ich bin glücklich, dass sie heute nicht enttäuscht nach Hause gehen“, sagt er. Der Rückhalt durch Fans und Sponsoren sei außergewöhnlich gewesen, und die Mannschaft habe ein großartiges Jahr erlebt.
Lemon betont auch, dass der Titel aus seiner Sicht kein Zufallsprodukt ist: „Manchmal gewinnt man eine Meisterschaft mit ein bisschen Glück und Zufall. Aber ich denke, in diesem Jahr gibt es keine Ausreden für irgendjemanden – wir waren die beste Mannschaft.“ Der Erfolg sei das Ergebnis langer Vorbereitung und harter Arbeit, die bereits vor Saisonbeginn beginne. Seiner Mannschaft gebühre deshalb großes Lob.
Auf der anderen Seite erkennt Sheffield-Teammanager Simon Stead die Überlegenheit des Gegners an. „Ich denke, die Silbermedaille ist wahrscheinlich das Beste, worauf wir angesichts der Saison von Belle Vue hoffen konnten. Sie waren die ganze Saison über absolut unglaublich, und dafür gebührt ihnen Anerkennung.“
Sheffield erwischt zwar einen positiven Start, verliert danach aber rasch den Anschluss. „Nach den ersten beiden vielversprechenden Läufen entglitt uns das Rennen ziemlich schnell, und natürlich sind wir enttäuscht“, sagt Stead. Große Vorwürfe wolle er seiner Mannschaft allerdings nicht machen: „Wir können uns nicht wirklich beschweren. Es ist schade, dass wir Belle Vue nicht stärker unter Druck setzen konnten. Aber wie gesagt: Wir sind von der besseren Mannschaft geschlagen worden, da kann man nichts machen.“
Für Belle Vue endet damit eine Saison, in der die Aces bereits die reguläre Meisterschaft anführen und ihre Stärke nun auch im Finale bestätigen. Für Norick Blödorn ist es ein weiterer Titelgewinn mit dem Klub – diesmal gekrönt von einer zweistelligen Punkteausbeute im entscheidenden Rennen.



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