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Masters Class

vor 8 Minuten
4 Min. Lesezeit

Um Haaresbreite hätte es am Sonntag in England einen prominenten Neuzugang für die Grasbahnszene gegeben.


Tegan Meredith muss sich schwer wundern. „Ich dachte“, staunt die Lebensgefährtin des australischen Speedwayfahrers Sam Masters, „Deine Saison sei beendet?“ Stattdessen wollte der ehemalige Australische Meister, der in der britischen Premiership als Kapitän für Leicester startet, am Sonntag beim „Champion of Champions“ fahren – einem Grasbahnklassiker auf der Insel, der in Swingfield bei Folkestone ausgetragen und vom prestigeträchtigen Astra Grasstück Club ausgerichtet wird.


Und das reichlich plötzlich, wie seine Lebensgefährtin fand.


Das Rennen in der Grafschaft Kent südlich von London ist ein Klassiker in einer wahren Motorsporthochburg. Unweit des kleinen, aber geschichtsträchtigen Dorfes befindet sich auch die Rallycross-Piste von Lydden Hill, also die Keimzelle dieser Mischung aus Rallye und Rundstrecke. Und in Sachen Grasbahnrennen ist die Region auch bestens versorgt: etwa mit dem Kent Kracker sowie die Battle of Britain- und Frittenden Flyer-Veranstaltungen jeweils in Frittenden.


Das Champion of Champions wurde etwa 2002 von Joe Screen gewonnen. Und der taucht auch bei der Ursachenforschung auf, warum Sam Masters als Exot aufs Gras gehen wollte. „Schon seit Jahren haben mir immer wieder verschiedene Leute gesagt, dass ich den Fahrstil dafür hätte und es unbedingt probieren solle“, erinnert sich Masters. „Joe Screen hat in meinem ersten Englandjahr 2010 als Erster gesagt, ich müsse auch auf die Langbahn gehen oder auf die Grasbahn. Das habe ich nie vergessen.“


Stuff it – let’s do it. – Sam Masters

Australier sind im Speedway mit führend, auf Lang- und Grasbahnen aber eher selten anzutreffen. Phil Crump fuhr Langbahn, in den Neunzigern hat sich der damalige Ipswich-Profi Shane Parker, der aus Adelaide stammt, mit dem westfälischen Tuner Andreas Walek verbündet. Und auch in Australien selbst gibt es eine Langbahnszene, so hat der Stralsunder Bundesligist Michael West die U21-Meisterschaft des Fünften Kontinents gewonnen. Doch die Langbahn steht down under klar im Schatten von Speedway.


Trotzdem ist Masters schon dort mit der Sparte in Kontakt gekommen: „James Bevan ist ein guter Freund von mir, der fährt Langbahnrennen daheim in Australien. Dem habe ich immer als Schrauber geholfen. Aber ich habe mich nie selbst auf einer seiner Maschinen versucht. Jetzt hat Paul Hurry mich angesprochen, und ich dachte: ‚Stuff it – let’s do it.’ Probieren wir’s doch einfach.“ Denn, sagt Masters, „Interesse hatte ich schon immer. Denn ich liebe alle Formen von Motorradsport; ich habe schon Motocross, Enduro, Supermoto und Flattrack in Australien gefahren – und natürlich Speedway. Nur Straßenrennen bin ich nie gefahren. Grasbahn und Langbahn habe ich noch nicht gemacht, dabei kommt das dem Speedway doch am nächsten.“


Hurry ist Engländer, selbst ehemaliger Grasbahnfahrer und inzwischen Mentor vom ehemaligen Langbahnweltmeister Zach Wajtknecht sowie seit 2026 Teammanager der Ipswich Witches in der Premiership. Er hat Masters zum Champion of Champions gebracht. Gary Southgate, ein Seitenwagenfahrer von der Insel, wollte dem 35-Jährigen aus Newcastle in Neusüdwales die Maschine und die nötige Ausrüstung leihen.


Sam Masters fuhr auch bei der Night of the Fights in Cloppenburg. Foto: Heike Kleene
Sam Masters fuhr auch bei der Night of the Fights in Cloppenburg. Foto: Heike Kleene

Masters stellte sich vorab dem Realitätscheck, machte sich die Größe der Herausforderung bewusst. „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Man hat mich schon seit Jahren immer wieder gefragt, mal ein Grasbahnrennen zu bestreiten. Aber ich habe es bislang nie gemacht, weil ich dachte, es sei sicherer, mich davon fernzuhalten“, wiegelt er ab. „Ich weiß auch jetzt nicht, was mich da erwartet. Ich glaube nicht, dass ich da sonderlich gut sein werde. Ein bisschen nervös bin ich schön. Es geht nur darum, ein bisschen Spaß in einer anderen Disziplin zu haben. Es sieht von außen schon ziemlich verrückt aus. Und es wäre doch schon mal was, wenn ich auf derselben Gerade bleiben könnte wie einige der guten Burschen – wie etwa ‚Bomber‘.“ Also Chris Harris, der auf englischen Grasbahnen derzeit zusammen mit James Shanes die Messlatte darstellt.


Doch kaum waren die Vorbereitungen von Masters eingetütet, musste der Veranstalter das Grasbahnrennen absagen: Es hatte in den Tagen zuvor derart geregnet, dass die Anlage einer Seenplatte glich. Selbst als das Regenwasser eingesickert war, war der Boden so tief und durchtränkt, dass Bahn und Innenfeld, aber auch die Zuschauerbereiche zu einer einzigen Suhle verkommen wären. Deswegen wurde das Meeting am Freitag vorausschauend abgesagt. „Sie haben angekündigt, dass sie es zu Beginn der nächsten Saison nachholen wollen“, berichtet Masters. „Bis dahin sollte ich wieder zurück sein.“


Denn Masters wird samt Familie wie alle australischen Englandlegionäre im Winter heimfliegen, um dort Rennen zu fahren und den australischen Sommer mitzunehmen, statt im nasskalten englischen Winter zu darben – und dann rechtzeitig vor Ligabeginn und zu den ersten polnischen Trainingslagern wieder zurückkehren. In England hat er kurz vor seiner Abreise noch seinen Vertrag mit Oxford für die zweite Liga verlängert, denn Masters ist einer jener Fahrer, die das sogenannten „double up“ fahren, also ein Doppelprogramm aus erster und zweiter Division auf der Insel. „Ich glaube zwar nicht, dass in Australien auch irgendwas in Sachen Langbahn läuft“, kündigt er vor dem Abflug an, „aber das finde ich auch noch raus.“





 
 
 

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