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Vergoldet Blödorn seinen Herbst?

vor 5 Stunden
12 Min. Lesezeit

Heute Abend kann Norick Blödorn in Manchester seinen dritten großen Titel der Saison feiern. Doch wie ist eigentlich die Ausgangslage in dieser so wichtigen Liga?


Vier Punkte Vorsprung sind alles andere als ein Ruhekissen. Brady Kurtz und Jason Doyle liefern im Hinkampf die entscheidenden 5:1-Läufe, Max Fricke hält Sheffield im Rennen, und Norick Blödorn kann mit den Aces seinen dritten Meistertitel feiern. Am Freitagabend fällt im National Speedway Stadium in Manchester die Entscheidung.


Die Bühne ist bereitet für einen großen Speedwayabend. Wenn Belle Vue und Sheffield am heutigen Freitag um 19.30 Uhr im National Speedway Stadium zum zweiten Finalduell der Premiership antreten, geht es um den Titel in einer der prestigeträchtigsten Speedwayserien der Welt. Und um den Battle of the Roses, wie dieses Duell aus der englischen Adelsgeschichte heraus immer wieder genannt wird.


Die Aces bringen aus dem ersten Vergleich einen Vorsprung von vier Punkten mit nach Manchester. Nach dem 47:43-Auswärtssieg in der einstigen Stahlstadt haben sie damit die bessere Ausgangslage – und zugleich die Chance, eine starke Saison mit dem Titel zu krönen.


Belle Vue geht als Tabellenerster der regulären Saison in das Finale und ist auf der eigenen Bahn in dieser Saison noch ungeschlagen. Mit einem weiteren Erfolg würde der Klub innerhalb von fünf Jahren zum dritten Mal die Meisterschaft gewinnen. Doch die Ausgangslage ist längst nicht so komfortabel, wie es der Tabellenstand und der Heimvorteil zunächst vermuten lassen. Sheffield hat im ersten Finalrennen mehrfach gezeigt, wie gefährlich die Tigers sind. Und der Hinkampf beweist eindrucksvoll, wie schnell sich die Kräfteverhältnisse im Speedway verschieben können.


Belle Vues Kapitän Brady Kurtz bringt die Lage auf den Punkt. „Wir liegen nur vier Punkte vorne, und dieser Vorsprung kann schon im ersten Lauf weg sein“, warnt der Australier. Die Play-offs hätten in diesem Jahr weltweit für völlig verrückte Wendungen gesorgt, erklärt Kurtz. Deshalb sei Belle Vue „noch sehr, sehr weit davon entfernt, den Titel tatsächlich gewonnen zu haben“.


Der ganze schöne Vorsprung kann schon nach dem ersten Lauf futsch sein. – Brady Kurtz

Die Botschaft ist eindeutig: Die Aces wollen sich von ihrem Vorsprung nicht blenden lassen. „Wir müssen am Freitag antreten, zu Hause so entschlossen zur Sache gehen wie immer und versuchen, die Sache klarzumachen“, sagt Kurtz. Belle Vue müsse am Freitag zu Hause mit der gewohnten Entschlossenheit auftreten und die Aufgabe zu Ende bringen. Nach einer langen Saison sei man froh, das erste Finalrennen hinter sich zu haben und sich nun auf das Heimrennen konzentrieren zu können. Der entscheidende Schritt aber steht noch bevor.


Dass Belle Vue überhaupt mit einem Vorsprung nach Manchester reist, ist das Ergebnis einer spektakulären Schlussphase in Sheffield. Die Tigers führen vor heimischem Publikum lange und scheinen auf dem Weg zu einer ausgezeichneten Ausgangslage für das Rückrennen. Am Ende aber drehen die Aces das Duell mit einer Demonstration ihrer Stärke in den entscheidenden Läufen.


Dabei beginnt der Abend ganz nach dem Geschmack der Gastgeber. Sheffield gewinnt die ersten drei Läufe jeweils mit 4:2 und setzt Belle Vue früh unter Druck. Die Tigers wollen sich ein möglichst großes Polster für das Rückrennen verschaffen und haben zunächst allen Grund zur Hoffnung. Doch die Aces verhindern, dass der Rückstand weiter anwächst. Brady Kurtz kämpft sich im ersten Lauf an Anders Rowe vorbei auf Rang zwei und verhindert damit einen noch größeren Schaden. Zach Cook macht es ihm im dritten Lauf nach, als er sich zwischen Leon Flint und Chris Holder schiebt und ebenfalls einen möglichen 5:1-Lauf Sheffields vereitelt.


Mitch McDiarmid vertritt Peter Kildemand im Hinrennen, wird heute Abend aber durch Nicolai Klindt ersetzt. Foto: Heike Kleene
Mitch McDiarmid vertritt Peter Kildemand im Hinrennen, wird heute Abend aber durch Nicolai Klindt ersetzt. Foto: Heike Kleene

In Lauf 4 meldet sich Jason Doyle mit einem Laufsieg zurück. Der Australier setzt sich durch, während Tate Zischke in einem intensiven Positionskampf mit Josh Pickering und Jye Etheridge ebenfalls seine Klasse andeutet. Der junge Australier ist an diesem Abend nicht bloß ein Ergänzungsfahrer, sondern immer wieder eine Gefahr für die Tigers.


Dann kommt Lauf 5 – und Norick Blödorn rückt in den Mittelpunkt. Der Deutsche startet gemeinsam mit Kurtz stark aus den Startplätzen eins und drei. Beide setzen sich gegen Holder und Flint durch und bescheren Belle Vue den ersten 5:1-Lauf des Abends. Für die Aces ist das ein wichtiger Wendepunkt: Der frühe Rückstand ist aufgeholt, und Sheffield spürt erstmals, dass der Gast die Kontrolle über das Finale übernehmen kann.


Blödorn leistet dabei einen wichtigen Beitrag zum Mannschaftsergebnis. Er muss nicht unbedingt selbst als Laufsieger ins Ziel kommen, sondern sorgt gemeinsam mit Kurtz dafür, dass Belle Vue in diesem Lauf maximal punktet. Gerade in einem Finale, in dem am Ende vier Zähler über den Vorteil im Rückrennen entscheiden, ist diese mannschaftliche Unterstützung von großer Bedeutung.


Sheffield antwortet in der Folge. Max Fricke, der als Gastfahrer für den verletzten Jack Holder auf Position eins aufgeboten wird, gewinnt Lauf 6 und baut seine starke Vorstellung weiter aus. Der Australier gewinnt seine ersten drei Starts und kommt insgesamt auf elf Punkte. Auch Jye Etheridge fährt stark und wird mit 9+1 Punkten zum zweitbesten Punktesammler der Tigers. Die Gastgeber erarbeiten sich damit erneut Vorteile, ohne Belle Vue entscheidend abzuschütteln.


In Lauf 7 müssen Cook und Zischke zunächst an Luke Killeen vorbei, um den Lauf zu teilen. In Lauf acht fährt Blödorn ein taktisch kluges Rennen: Er sichert seinen Teamkollegen Will Cairns ab und verhindert, dass Killeen noch eine Attacke setzen kann. Ein solcher Lauf mag in der Statistik weniger spektakulär erscheinen als ein 5:1, ist für die Mannschaft aber ebenso wertvoll. Blödorn fährt nicht nur für seine eigene Punktzahl, sondern hilft, die Position des Teamkollegen zu verteidigen.


Auch in Lauf 9 bleibt das Duell eng. Doyle holt seinen zweiten Laufsieg, Zischke kommt jedoch nicht mehr an Flint heran. Sheffield schafft es weiterhin nicht, den Gegner abzuschütteln. In Lauf zehn vergrößert Fricke mit seinem dritten Laufsieg den Vorsprung der Tigers, während Zach Cook mit einem cleveren Manöver Rowe überholt und ein weiteres 4:2 für die Gastgeber ermöglicht.


In Lauf 11 findet Kurtz erneut eine Lücke. Mit einem starken Manöver in der zweiten Kurve fährt er zwischen Pickering und Etheridge hindurch. Sheffield gewinnt den Lauf dennoch mit 4:2 und baut die Führung auf sechs Punkte aus. Die Tigers scheinen nun genau dort zu sein, wo sie hinwollen.


Nach 12 Läufen liegt Sheffield mit 39:33 vorne. Drei Läufe bleiben, und die Gastgeber haben sechs Punkte Vorsprung. In dieser Situation spricht vieles dafür, dass die Tigers einen Vorteil mit nach Manchester nehmen. Doch Belle Vue besitzt mit Kurtz und Doyle zwei Fahrer, die im entscheidenden Moment das Rennen an sich reißen können.


In Lauf 13 schlägt Belle Vue zu. Kurtz kommt hervorragend vom Start weg, Doyle findet ebenfalls den entscheidenden Weg nach vorne. Gemeinsam fahren die beiden einen 5:1-Lauf heraus. Pickering fällt am Ende zurück und scheidet aus. Aus dem Sechs-Punkte-Rückstand wird ein deutlich engeres Duell.


Lauf 14 gehört Zach Cook und Tate Zischke. Cook zeigt erneut ein starkes Überholmanöver, während Zischke sich an Flint vorbeischiebt und den dritten Platz erobert. Belle Vue gewinnt den Lauf mit 4:2 und gleicht damit den Rückstand auf der Tageswertung aus.


Nun fällt die Entscheidung im letzten Lauf. Sheffield besitzt die Wahl der Startplätze, doch Belle Vue hat das Momentum auf seiner Seite. Kurtz findet am Ausgang der ersten Kurve den Weg an Fricke vorbei, während Doyle innen attackiert. Die beiden Australier setzen sich ab und machen den zweiten 5:1-Lauf des Abends perfekt.


Belle Vue gewinnt das erste Finalrennen mit 47:43. Aus sechs Punkten Rückstand sind vier Punkte Vorsprung geworden. Die Aces nehmen damit nicht nur einen Vorteil mit nach Manchester, sondern beweisen auch, dass sie in den entscheidenden Momenten über die nötige Qualität und Nervenstärke verfügen.


Kurtz erzielt 14 Punkte, Doyle kommt auf 12+2. Beide geben in ihren fünf Starts jeweils nur einen Punkt ab. Cook steuert neun Punkte bei, Zischke 7+1. Auf Seiten Sheffields sind Fricke mit elf Punkten und Etheridge mit 9+1 die stärksten Fahrer. Blödorns genaue Gesamtpunktzahl ist in den vorliegenden Mitteilungen nicht ausgewiesen; klar dokumentiert ist aber sein entscheidender Anteil am 5:1 in Lauf fünf sowie seine taktisch wichtige Fahrt in Lauf 8.


Das Finale steht schon vor dem ersten Lauf unter besonderen Vorzeichen. Beide Mannschaften müssen auf wichtige Fahrer verzichten, und Belle Vue trifft der Ausfall von Peter Kildemand besonders hart.


Der ohnehin schon zurücktretende Däne stürzt am Samstag im ersten Lauf des Championship-K.-O.-Cupfinales für Berwick in Plymouth schwer mit Scott Nicholls. Bei Kildemand bestätigt sich eine Handgelenksfraktur, die ihn zunächst für das Finalrennen in Sheffield außer Gefecht setzt. Für den Dänen ist die Verletzung besonders bitter, weil er seine Karriere nach der laufenden Saison beenden will. Das Finale hätte damit auch sportlich und emotional eine besondere Bedeutung.


Belle Vue-Teammanager Mark Lemon spricht offen über den Rückschlag: „Es war am Samstagabend schwer zu verkraften, PK ausgerechnet in seinem letzten Jahr zu verlieren. Aber die Jungs haben sich zusammengerauft und sind so gefahren, wie sie es die ganze Saison über getan haben.“


Für das erste Finalrennen in Sheffield verpflichtet Belle Vue den jungen Australier Mitch McDiarmid als Gastfahrer. Für das Rückrennen in Manchester ist eine andere Lösung vorgesehen: Weil Kildemands Handgelenksbruch bestätigt ist, übernimmt der Däne Nicolai Klindt die Gastfahrerposition drei. Ob Kildemand ohne die Verletzung seine Abschiedsvorstellung im Finale hätte bestreiten können, bleibt eine der bitteren Fragen dieser Meisterschaft.


Sheffield muss seinerseits auf den langzeitverletzten Jack Holder verzichten. Die Tigers setzen erneut auf Max Fricke als Gastfahrer auf Position eins. Der Australier ist keine Notlösung ohne sportliche Perspektive, sondern kommt mit einer beeindruckenden Form nach Sheffield: In den beiden Halbfinalrennen gegen Leicester gewinnt er zehn seiner elf Starts. Im ersten Finalrennen bestätigt er diese Stärke mit elf Punkten und drei Laufsiegen zu Beginn.


Frickes Verpflichtung ist damit ein wichtiger Baustein in Sheffields Strategie. Er hält die Tigers lange auf Kurs und sorgt dafür, dass sie mit sechs Punkten Vorsprung in die Schlussphase gehen. Doch selbst seine starke Vorstellung reicht nicht, um Kurtz und Doyle im letzten Drittel des Rennens zu stoppen.


Für Belle Vue ist die Schlussphase des Hinkampfs der Beleg dafür, was die Mannschaft in dieser Saison auszeichnet. Der Klub steht nicht nur wegen seiner beiden Topfahrer an der Spitze, sondern auch, weil die übrigen Fahrer in entscheidenden Situationen Punkte sammeln und sich gegenseitig unterstützen.


Lemon lobt ausdrücklich den Zusammenhalt: „Die Jungs profitieren als Mannschaft voneinander, und das Selbstvertrauen ist deutlich zu erkennen – aber die Aufgabe ist noch nicht erledigt.“


Der Teammanager erklärt auch, dass Belle Vue die Bahn vor dem Rennen genau analysiert. Die Bedingungen seien früh besonders günstig für Startplatz vier gewesen. Zugleich lobt er die Verantwortlichen für die Bahnpräparation in Sheffield. Normalerweise gebe es dort einen Startplatz, der deutlich im Nachteil sei; diesmal sei das nicht der Fall gewesen. Auch die Kombination der Startplätze eins und drei in Lauf 13 sei bei der Vorbereitung berücksichtigt worden.


Diese Details verdeutlichen, dass der Erfolg der Aces nicht nur auf individueller Klasse beruht. Die Mannschaft bereitet sich gezielt auf die Bedingungen vor und kann während des Rennens darauf reagieren. Vor dem Rückkampf wird genau diese Disziplin gefragt sein.

Lemon weiß allerdings, dass Sheffield nicht einfach aufgeben wird. Die Tigers hätten Belle Vue auf der eigenen Bahn schon häufig Schwierigkeiten bereitet und verfügten über zahlreiche Fahrer, die Läufe gewinnen könnten. Er sei sicher, dass Sheffield-Teammanager Simon Stead seine Mannschaft auf einen aggressiven Start einstellen werde. „Unser Ansatz wird sich nicht ändern“, kündigt Lemon an. „Wir werden weiterhin den Abläufen und Standards folgen, die uns während der gesamten Saison so gute Dienste geleistet haben.“


Und dann folgt die entscheidende Einschränkung: Ein Vier-Punktevorsprung zur Halbzeit sei kein Grund, die Konzentration zu verlieren. Belle Vue müsse am Freitag erneut seine Leistung abrufen.


Auch bei den Tigers ist die Ausgangslage trotz der Heimniederlage nicht aussichtslos. Sheffield hat im Hinkampf zwei Mal einen Sechs-Punktevorsprung herausgefahren und zeigt damit, dass die Mannschaft Belle Vue durchaus Paroli bieten kann. Dass die Aces am Ende mit vier Punkten Vorsprung nach Hause fahren, ist vor allem der außergewöhnlichen Schlussphase geschuldet.


Teammanager Simon Stead macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Wir sind natürlich alle enttäuscht. Es ist nie schön, zu Hause zu verlieren – erst recht nicht in einem Finale“, knirscht er.


Zugleich erkennt Stead an, warum Belle Vue in dieser Saison so erfolgreich ist: „Letztlich hat Belle Vue gezeigt, warum sie praktisch während der gesamten Saison an der Tabellenspitze stehen. Wir haben uns eine schwierige Aufgabe gestellt – aber es sind noch 15 Läufe zu fahren.“


Stead setzt darauf, dass seine Fahrer in Manchester noch einmal alles geben. Die Tigers müssen nicht nur Punkte aufholen, sondern von Beginn an verhindern, dass Belle Vue seine Führung weiter ausbaut. Ein früher Laufgewinn für Sheffield würde die Spannung unmittelbar erhöhen und den Gastgeber unter Druck setzen.


Vor dem ersten Finalrennen hatte Stead noch an die Unterstützung der Fans appelliert. Er hoffte auf ein volles Owlerton-Stadion und eine besondere Atmosphäre unter Flutlicht. „Ich hoffe wirklich, dass das Stadion voll wird“, sagte er. „Lasst uns unter Flutlicht eine dieser ganz besonderen Owlerton-Atmosphären schaffen – danach liegt es an uns, auf der Bahn die Aufgabe zu erledigen.“


Die Fans liefern die Unterstützung, die Mannschaft aber kann sich davon am Ende nichts kaufen. Sheffield verliert das erste Finale trotz guter Phasen, weil Belle Vue im entscheidenden Moment die besseren Antworten findet. Nun muss Stead seine Fahrer erneut auf einen Gegner einstellen, der im eigenen Stadion noch ungeschlagen ist.

Eine besondere Geschichte schreibt bei Belle Vue Tate Zischke. Der Australier unterschreibt bereits in jungen Jahren beim Klub, erleidet aber bei seinem Debüt schwere Verletzungen. Nach einer schwierigen Saison 2025 macht er 2026 große Fortschritte und ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft.


Zischke selbst beschreibt den Weg zur Konstanz als entscheidend: „Ich habe immer gewusst, dass ich es kann, seit ich in meiner ersten Saison unterschrieben habe. Entscheidend ist aber, alles zusammenzubringen und konstant umzusetzen.“


Die Aussage passt zu seiner Rolle im Hinkampf. Zischke gewinnt nicht unbedingt jeden Lauf, aber er bleibt gefährlich und holt wichtige Punkte. Gerade seine Fahrten in den direkten Duellen mit Sheffield verhindern, dass die Tigers in der Schlussphase die Kontrolle behalten.


Lemon ist von der Entwicklung des jungen Australiers beeindruckt. Er sagt, Zischke verbessere sich von Woche zu Woche. Nach einem besonders klugen Lauf erklärt der Teammanager, dass er ihm ein solches Lob zwölf Monate zuvor noch nicht gegeben hätte. Der Fahrer habe sich enorm weiterentwickelt.


Zischke selbst hebt auch die Atmosphäre im Team hervor: „Die Jungs verstehen sich hervorragend, und wir sind alle gute Freunde. Lemo ist großartig für die Mannschaft. Er steht immer mit Rat zur Seite. Es ist ein tolles Team, und ich genieße es sehr.“

Diese Geschlossenheit ist einer der Gründe, warum Belle Vue die Saison bislang so konstant bestreitet. Für Zischke bietet sich nun die Chance, seine Entwicklung mit einem Meistertitel zu krönen.


Auch Norick Blödorn steht vor einem besonderen Abend. Der Deutsche kann mit Belle Vue zum dritten Mal die britische Mannschaftsmeisterschaft gewinnen – nachdem er schon Deutscher Meister und mit Thorn auch polnischer Mannschaftsmeister geworden ist. Seine Rolle im ersten Finalrennen ist dabei ein gutes Beispiel dafür, wie wertvoll ein Fahrer auch jenseits der großen Schlagzeilen sein kann.


Das hat sich auch in und mit Thorn im Duell mit Breslau schon gezeigt. Zur Erinnerung: So lief das Polenfinale.



Blödorn ist nicht derjenige, der den Abend mit den meisten Punkten beendet. Die Aufmerksamkeit richtet sich verständlicherweise auf Kurtz und Doyle, die in den letzten drei Läufen mit zwei 5:1-Ergebnissen den entscheidenden Umschwung herbeiführen. Doch Blödorn ist am ersten wichtigen 5:1 des Abends beteiligt. Gemeinsam mit Kurtz bringt er Belle Vue im fünften Lauf zurück ins Rennen und zeigt später mit seiner taktisch klugen Fahrt in Lauf acht, dass er auch im Dienst der Mannschaft fahren kann.


Für das Rückrennen wird es darauf ankommen, dass Blödorn diese Unterstützung erneut liefert. Belle Vue braucht nicht zwingend einen weiteren Fahrer, der einen außergewöhnlichen Punktestand erreicht. Die Aces benötigen vor allem eine geschlossene Mannschaftsleistung, die verhindert, dass Sheffield den Rückstand schnell aufholt.


Die Aufgabe ist dabei klar umrissen: Belle Vue muss nicht unbedingt das Rennen gewinnen, um Meister zu werden. Der Vier-Punktevorsprung aus Sheffield bietet einen Puffer. Doch wer sich nur darauf konzentriert, diesen Vorsprung zu verteidigen, riskiert, das Rennen aus der Hand zu geben. Genau deshalb betonen Kurtz und Lemon immer wieder, dass die Mannschaft auf Sieg fahren und sich nicht mit dem Polster zufriedengeben will.


Blödorns dritter Titel wäre damit auch ein Erfolg der mannschaftlichen Geschlossenheit. Der Deutsche gehört zu einem Team, in dem nicht jeder Fahrer in jedem Lauf dominieren muss, in dem aber jeder seinen Beitrag zum Gesamtergebnis leisten kann.


In Nicolai Klindt bekommt Belle Vue für das Rückrennen einen erfahrenen dänischen Gastfahrer. Er übernimmt die Position von Kildemand, dessen Handgelenksbruch einen Einsatz am Freitag verhindert. Die Aces müssen also erneut eine personelle Veränderung verkraften, während Sheffield mit Fricke wieder auf einen Gastfahrer setzt, der im Hinkampf elf Punkte erzielt.


Diese Konstellation könnte durchaus Einfluss auf das Kräfteverhältnis haben. Fricke hat gezeigt, dass er die Tigers mit Laufsiegen in Führung bringen kann. Klindt muss seinerseits die Lücke schließen, die Kildemand in der Mannschaft hinterlässt. Entscheidend wird sein, wie schnell sich die Fahrer auf die Bedingungen im National Speedway Stadium einstellen und wie viele Punkte sie in den direkten Duellen holen.


Belle Vue hat allerdings einen entscheidenden Vorteil: Die Mannschaft kennt ihre Heimbahn bestens und ist in dieser Saison dort ungeschlagen. Sheffield muss deshalb nicht nur den Rückstand aufholen, sondern auch gegen ein Team bestehen, das auf vertrautem Untergrund besonders stark ist.


Die Ausgangslage lässt sich einfach zusammenfassen:

  • Belle Vue gewinnt den Titel, wenn die Aces den Vier-Punktevorsprung aus dem Hinkampf verteidigen.

  • Sheffield braucht einen Sieg mit mindestens fünf Punkten, um die Gesamtwertung noch zu drehen.


Damit steht ein Finale bevor, in dem der erste Lauf bereits eine große psychologische Bedeutung haben kann. Kurtz warnt ausdrücklich, dass der Vorsprung schon in Lauf 1 verschwinden könnte. Sheffield wiederum weiß, dass ein guter Start die Aces unter Druck setzen und das gesamte Rennen öffnen würde.


Die Schlüsselduelle liegen auf der Hand: Kurtz und Doyle müssen erneut ihre außergewöhnliche Form bestätigen. Fricke muss Sheffield die Chance geben, von Beginn an Druck aufzubauen. Blödorn und die weiteren Fahrer aus der zweiten Reihe müssen die wichtigen Punkte beisteuern, ohne die Belle Vue seinen Vorsprung nicht verteidigen kann. Und auf der anderen Seite muss Sheffield verhindern, dass die Aces wieder in den letzten Läufen davonziehen.


Der Hinkampf hat gezeigt, wie schnell ein sicher geglaubter Vorsprung im Speedway schmilzt. Sheffield führt nach zwölf Läufen mit sechs Punkten und verliert das Rennen trotzdem mit vier Punkten Rückstand. Für das Rückrennen ist das eine Warnung an beide Mannschaften: Kein Vorsprung ist sicher, und kein Rückstand ist uneinholbar, solange noch genügend Läufe zu fahren sind.


Belle Vue hat die bessere Ausgangslage, den Heimvorteil und eine Mannschaft, die im ersten Finale gerade in den entscheidenden Momenten ihre Klasse zeigt. Sheffield verfügt in Max Fricke über einen starken Gastfahrer und hat bewiesen, dass die Tigers den Aces ernsthaft gefährlich werden können.


Brady Kurtz will keine vorzeitigen Feierlichkeiten. Mark Lemon will, dass seine Mannschaft bei ihren Abläufen bleibe. Simon Stead setzt auf den Kampfgeist seiner Fahrer. Und Norick Blödorn steht vor der Chance, seine Saison mit einem weiteren Meistertitel zu krönen.



 
 
 

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