Das Blödorn-Puzzle: die Rolle von Heiselberg
- Norbert Ockenga
- vor 5 Stunden
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Nicolai Heiselberg ist zwar verletzt, wird aber dennoch gerade von Thorn ausgeliehen. Das hat auch mit Norick Blödorn zu tun – und Auswirkungen auf den MSC Cloppenburg.
Die entscheidende Nachricht steht zwischen den Zeilen. Am Sonnabend hat der MSC Cloppenburg den Dänen Nicolai Heiselberg als vierten Fahrer für die Night of the Fights bestätigt. Nach Jonny Wynant, Janek Konzack und dem Australier Beau Bailey soll der 20-Jährige mit dem bubihaften Aussehen und der piepsigen Stimme am 19. September beim Spektakel in Cloppenburg antreten.
Damit gehen die Norddeutschen davon aus, dass Heiselberg bis dahin seinen Gips los ist und seinen vier Mal gebrochenen Fuß wieder belasten kann.
Und unmittelbar auch, dass der Däne eine knappe Woche später beim Zweitligafinale in Landshut für den MSC Cloppenburg fahren kann. Denn dort kämpfen die Fighters noch um Endrang 2 – haben aber einen Engpass auf der Nummer 1-Position: Norick Blödorn muss mit Thorn in den Polen-Playoffs ran, Lukas Fienhage im verlegten Langbahn-Grand Prix in Marmande.
Und nicht nur beim MSC Cloppenburg kreuzen sich gerade die Wege von Heiselberg und Blödorn – sondern auch im Ringelpietz um des Deutschen Zukunft in der polnischen Liga.
Zu Saisonbeginn, beim Medientag der Cloppenburger im Emstekerfeld, hatten die beiden Blonden noch gescherzt, dass sie sich als neue Teamkollegen bei Apator Thorn nun gegenseitig ausschalten müssten – weil beide um die U24-Planstelle innerhalb der Meistermannschaft konkurrierten.
Blödorn hat sich in der Erste-Herren-Mannschaft von Thorn etabliert, Heiselberg rückt quasi ins Zweite Glied – ins Team der Thorner U24-Liga.
Heiselberg gehört 2026 zu den stärksten Fahrern der gesamten U24-Ekstraliga. Die offizielle Statistik führt ihn mit einem Schnitt von 2,839 Punkten pro Lauf auf Platz 1. In 31 Läufen gewinnt er 24 Mal und kommt auf 86 Punkte plus zwei Bonuspunkte. Noch eindrucksvoller ist die Konstanz: 24 Laufsiege in 31 Starts. Das ist kein Fahrer, der sich in der U24 erst an die Spitze herantastet. Heiselberg dominiert die Konkurrenz in dieser eigenen Mannschaftsmeisterschaft für Teams mit lauter Fahrern bis 24 Lenze.
Für Heiselberg bedeutet das: In der Ekstraliga kam er für Thorn dagegen kaum zum Zug. Die offizielle Statistik weist für ihn 2026 lediglich wenige Einsätze in der höchsten polnischen Liga aus; dort kommt er auf nur einen Punkt aus vier gewerteten Läufen. In der U24-Ekstraliga sieht die Welt dagegen völlig anders aus.
Genau in diese Karrierephase platzen zwei Wendungen. Die erste davon macht ein Eingipsen eines dänischen Fußes vonnöten.

Heiselberg erreicht am 31. Juli in Lodz zum ersten Mal in seiner Karriere das Finale eines SGP2-Laufs. Der Däne fährt zu diesem Zeitpunkt stark und hat sich über den Halbfinallauf in den Endlauf gearbeitet. Dann kommt die erste Kurve. Beau Bailey verliert im Finale die Kontrolle und stürzt. Heiselberg fährt unmittelbar dahinter und kann dem Australier nicht mehr ausweichen. Er trifft das Motorrad, geht ebenfalls zu Boden. Die Sanitäter müssen sich um den Dänen kümmern; schließlich wird er mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Die erste Diagnose fällt ernüchternd aus. Heiselberg selbst meldet sich anschließend und erklärt, dass die ersten Untersuchungen vier Brüche im Fuß ergeben hätten. Weitere Untersuchungen sollten darüber entscheiden, wie die Verletzung behandelt werden muss.
Und während er noch auf die weitere Reha wartet, leiht Thorn den Dänen an Krosno aus. Die Vereinbarung gilt bis zum Ende der Saison 2026. Es geht also ausdrücklich nicht um einen Transfer für 2027, sondern um die Schlussphase der laufenden Saison. Das Team aus Karpatenvorland möchte damit vor allem seine personellen Möglichkeiten für die Playdowns erweitern.
Thorn verliert damit einen Fahrer, der in der U24-Ekstraliga seine Klasse unter Beweis stellt. Gleichzeitig bleibt Heiselberg grundsätzlich Teil von Thorn. Der Meister gibt seinen jungen Dänen nicht auf. Im Gegenteil: Der Verein hatte ihm bereits Ende 2025 seinen ersten sogenannten Erwachsenenvertrag gegeben. Damals war ausdrücklich darüber gesprochen worden, dass eine Ausleihe zu einem anderen Klub möglich sein könnte, weil Heiselberg regelmäßige Rennpraxis braucht.
Jetzt wird genau diese Idee umgesetzt.
Eine Option, die auch für Norick Blödorns Zukunft gehandelt wird, nachdem klar zu sein scheint, dass Mathias Pollestad für 2027 aus Landsberg nach Thorn kommt. Die Nordzentralpolen möchten ihren Kader am liebsten erweitern und den Daumen auf möglichst vielen jungen Talenten halten, die perspektivisch zu Topleuten für die erste Mannschaft werden können. Dazu gehört Heiselberg ebenso wie Blödorn. Wenn man solche Kaliber ausleiht, hat man als Lehnsherr weiterhin direkten Zugriff, statt in Transfers investieren zu müssen.
Heiselberg findet diese Variante gut, weil er damit über die U24-Liga hinaus Fahrpraxis sammeln kann. Blödorn ist aber schon zwei Jahre und mindestens ebenso viele Karriereschritte weiter, für ihn ist das Lehnmodell keine verlockende Perspektive.
Heiselberg ist Jahrgang 2005 und damit gerade einmal 20 Jahre alt. Er hat bereits Erfahrungen in der Ekstraliga, dominiert die U24-Ekstraliga und fährt SGP2. Sein Problem ist nicht mangelnde Geschwindigkeit. Sein Problem ist die fehlende regelmäßige Plattform auf höchstem Niveau. Die Leihgabe an Krosno wird deshalb ein Testlauf.
Wenn Heiselberg nach seiner Verletzung noch in den Playdowns starke Rennen fährt, bekommt Thorn für 2027 einen deutlich interessanteren Fahrer zurück. Und sollte Krosno mit ihm zufrieden sein, könnte sich daraus wiederum eine größere Personalfrage entwickeln.
Heiselberg fährt also nicht deshalb für Krosno, weil Thorn ihn loswerden will. Er fährt dort, weil Thorn ihn in der Ekstraliga nicht regelmäßig einsetzen kann und Krosno für die entscheidende Saisonphase zusätzliche Möglichkeiten braucht.
Dass er ausgerechnet jetzt verletzt ist, macht die Geschichte komplizierter – aber nicht sinnlos. Krosno verpflichtet keinen fertigen Fahrer. Krosno verpflichtet eine Option. Manager Michał Finfa erklärt, der Klub wolle vor den entscheidenden Begegnungen möglichst viele Varianten zur Verfügung haben und für unterschiedliche Szenarien gerüstet sein. Heiselberg sei ein junger, entwicklungsfähiger Fahrer mit Erfahrung auf hohem Juniorenniveau und insbesondere in der U24-Ekstraliga.
Das klingt zunächst paradox: Warum leiht man einen verletzten Fahrer aus, wenn die Saison in die entscheidende Phase geht? Die Antwort liegt in der Kaderplanung. Krosno hat 2026 eine komplizierte Saison hinter sich. Verletzungen, Formschwankungen und die Sperre von Marcus Birkemose bringen die ursprüngliche Planung durcheinander. Krosno reagiert deshalb mehrfach auf dem Transfermarkt. Zunächst kommt Casper Henriksson. Später stößt der erfahrene Slowene Matej Žagar dazu. Žagar entwickelt sich dabei sofort zu einer wichtigen Größe und fährt in seinen ersten drei Ligapartien einen Schnitt von 2,25 Punkten pro Lauf. In Heiselberg folgt nun die nächste Absicherung.
Der Däne ist dabei nicht zwangsläufig dafür vorgesehen, sofort einen Stammplatz zu übernehmen. Vielmehr schafft sich Krosno eine zusätzliche Karte für die Playdowns.
Heiselberg selbst formuliert seine Erwartungen bei der Vorstellung in Krosno offensiv. Im Moment hätte er zwar Probleme mit dem Knöchel, er würde aber glauben, möglichst schnell wieder auf die Bahn zurückkehren zu können, um für Krosno Rennen zu fahren und „eine gute Show“ zu liefern.
Heiselberg will fahren. Und zwar nicht nur für Krosno, sondern möglichst bereits beim Finale der U21-WM in Vojens. Das findet schon am 11. September statt.
Denn: Im ersten SGP2-Durchgang in Målilla erreicht Heiselberg den 11. Platz und sammelt sieben Punkte. In Lodz ist er deutlich stärker. Er gewinnt einen Vorlauf, arbeitet sich ins Halbfinale und erreicht anschließend zum ersten Mal in seiner Karriere das große Finale. Damit ist er plötzlich im Kreis der Fahrer, die um einen Laufsieg in der Juniorenweltmeisterschaft kämpfen. Heiselberg fährt in Lodz also das Rennen, mit dem er sich endgültig als internationale Nachwuchshoffnung etabliert. Wenige Tage später ist die Frage nicht mehr, wie viele Punkte er in Vojens holen kann. Sondern ob er dort überhaupt schon wieder auf ein Speedwaymotorrad steigen kann.
Für Krosno ist die Verpflichtung eine Wette auf die Zukunft der nächsten Wochen. Der Klub sagt ausdrücklich, dass Heiselberg nach vollständiger Genesung eine wichtige Unterstützung darstellen solle. Krosno kauft sich Zeit. Der Klub muss heute noch nicht wissen, ob Heiselberg in zwei, drei oder fünf Wochen wieder fahren kann. Er hat ihn bereits im eigenen Aufgebot und kann reagieren, sobald der Däne medizinisch grünes Licht bekommt. Das macht die Sache taktisch interessant.
Krosno verfügt ohnehin über mehrere ausländische Fahrer. Luke Becker, Marcus Birkemose, Jason Doyle, Matej Žagar und weitere Piloten kämpfen um die Plätze. Durch die Verpflichtung Heiselbergs wird die Konkurrenz um die Ausländerplätze noch größer. Robert Chmiel wird zudem als Pole wieder stärker ins Spiel kommen, während der Klub bei den ausländischen Senioren flexibler agieren kann. Heiselberg muss also nach seiner Genesung nicht automatisch in jedem Rennen gesetzt sein.
Wenn er aber schnell gesund wird, könnte aus der ungewöhnlichsten Ausleihe des Sommers für Krosno noch ein ziemlich wertvoller Schachzug werden. Und für Heiselberg könnte sie der Schritt sein, den er braucht, um aus einem herausragenden U24-Fahrer endlich einen regelmäßigen Fahrer im polnischen Profispeedway zu machen.
Ganz nebenbei kann er dann auch in Cloppenburg nicht nur bei der prestigeträchtigen Night of the Fights am 19. September antreten – sondern den Titelverteidiger auch beim Zweitligafinale in Landshut am 25. September verstärken.



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