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Polen-Klemme: Entscheidet sich heute Blödorns Zukunft?

Nach vielen Spekulationen gibt es heute ein Gipfeltreffen in Polen. Steht danach fest, wie es mit Norick Blödorn weitergeht?


Seit Wochen schon geistern die Gerüchte umher. Und seit dem vergangenen Wochenende herrscht zumindest intern Klarheit. Denn da hat der Vorstand des polnischen Erstligisten Stal Landsberg intern bestätigt: Mathias Pollestad wird den Verein an der Warthe verlassen und stattdessen bei Apator Thorn anheuern.


Damit setzt der junge Norweger, der sich „Polle-Stah“ spricht, eine Rochade in Marsch, der ausgerechnet Norick Blödorn zum Opfer fällt. Hintergrund ist eine Regelnovelle, die einheimisch Fahrer in der Ekstraliga unter eine Art Schutz stellt wie man es etwa auch vom Arbeitsmarkt und -gesetz in der Schweiz kennt: Die Anzahl von Ausländern wird rigide eingeschränkt, um Arbeitsplätze für die eigeneandsleute zu sichern.


In der Schweiz ist der Anteil von ausländischen Arbeitskräften prozentual an die Gesamtzahl der Belegschaft gekoppelt. In der polnischen Ekstraliga gilt künftig: Von den Fahrern auf den Planstellen 1 bis 7 müssen vier von Polen besetzt sein.


In Thorn stehen Robert Lambert, Mikkel Michelsen und Neuzugang Mathias Pollestad als drei Ausländer fest, für Blödorn wäre also keine Auslandsplanstelle mehr frei.


Ich fahre immer eine ganz andere Abstimmung als alle Anderen. – Norick Blödorn

Die Vereinsführung von Thorn hat Blödorn eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt. Rybnik, Krosno und Danzig haben inzwischen konkretes Interesse am 22-jährigen Norddeutschen geäußert. Doch dessen Leistungsniveau ist inzwischen so hoch, dass für ihn eigentlich nur die Ekstraliga infrage kommt – und zwar ein Stammplatz. Für die Ersatzbank ist Blödorn inzwischen zu gut.


In England etwa hat er vor einigen Wochen für Belle Vue im Battle of the Roses sogar nur knapp ein Maximum verfehlt. In der Begegnung hatte sich Jason Doyle, der in Manchester Dan Bewley ersetzt, schon früh eine Rippenprellung zugezogen, Blödorn war deswegen zu mehr Einsätzen gekommen – und wurde zum Fahrer der Partie ausgezeichnet.


Sein Manager Sebastian Beinhoff macht sich regelmäßig die Mühe, eine inoffizielle Weltrangliste aller Speedwayfahrer unter Berücksichtigung aller großen Ligen aufzustellen. Er versieht dafür den Average einer jeden Liga mit einem Koeffizienten, je nach Wertigkeit des Liga. Fast wie früher in der Rallye-EM. Allein in den vergangenen vier Wochen hat Blödorn sich in dieser internen Hackordnung von Rang 44 auf Platz 35 verbessert. Er ist Drittplatzierter aller U24-Fahrer und natürlich klar bester Deutscher in dieser konvolutartigen Exceltabelle.


Blödorn führt einen Großteil der Steigerung auch auf die Zusammenarbeit mit Emil Saijfutdinow in Thorn zurück. „Ich fahre generell immer eine völlig andere Abstimmung als alle anderen Fahrer“, holt er aus. „Deswegen kann ich so gut wie nie Abstimmungstipps von Anderer direkt übernehmen. Aber Saifutdinow hat sich im Training schon einige Male auf mein Motorrad gesetzt und dann daraus Vorschläge abgeleitet, wie ich meine Art des Setup anpassen könnte, dass es noch besser funktioniert.“


Gibt es heute Klarheit, wohin der polnische Weg von Norick Blödorn führt? Foto: Heike Kleene
Gibt es heute Klarheit, wohin der polnische Weg von Norick Blödorn führt? Foto: Heike Kleene

Dass selbst die Leistung von Blödorn nicht reicht, um bei Thorn einen Stammplatz zu erhalten, zeigt, wie bitter hart das Niveau und die Vereinspolitik in Polen sind – und wie sehr die ausländerfeindliche neue Regel die Lage zusätzlich verschärft.


Bislang ist der Schleswig-Holsteiner noch ratlos, wie das Angebot von Thorn mit der seit dem Wochenende hinter den Kulissen kolportierten endgültigen Verpflichtung von Pollestad zusammenpassen soll und wie er weiter im polnischen Oberhaus verbleiben kann. Möglich, dass die Chefs von Thorn ein Lehnswesen anpeilen: Blödorn im erweiterten Kader behalten, dann aber an einen anderen Verein ausleihen, je nach Gusto der Bosse.


Für den Deutschen Meister ist das wenig reizvoll.


Für den heutigen Samstag haben die Vereinschefs von Apator ein ausführliches Gespräch mit Blödorn angesetzt.

 
 
 

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