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„Das war nicht Jasper“

Wieso Geheimfavorit und Sympathieträger Jasper Iwema in Inzell hinter Erwartungen und Spitzengruppe zurückblieb.


Da schaut er einen an aus seinen braunen Augen, und irgendwie spricht aus dem Blick eine Mischung aus Traurig- und Ratlosigkeit. Dabei hat man mit Jasper Iwema schon auf den ersten Blick Mitleid: Er ist so klein und hager, dürr sogar, dass man ihm am liebsten spontan eine warme Mahlzeit spendieren möchte. Und nun auch noch dieser gebrochene Blick obendrauf. „Das, was ich an diesem Wochenende gezeigt habe“, räumt er dann schonungslos ein, „das war nicht Jasper. Das war irgendwas – aber nicht Jasper.“


Eigentlich gilt der Dreitagebartträger aus der Nähe von Groningen als einer jener Geheimfavoriten, die in die Phalanx der Nordmannen aus Schweden und Finnland einbrechen können – wenn bei ihnen alles nach Plan läuft.


Aber nach eigenem Bekunden lief bei Iwema im Chiemgau nix nach Plan. „Es ist so viel passiert“, gesteht er mit matter Stimme, „dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.“


Mit den Mefo-Reifen kann ich das Motorrad viel schneller umlegen. – Jasper Iwema

Iwema ist seit diesem Jahr mit Hinterreifen von Mefo unterwegs. „Die sind etwas härter als die anderen Reifen“, beschreibt der Niederländer. „Ich habe schon bei den Trainings und Rennen in Schweden gemerkt, dass ich damit viel schneller umlegen kann. Ich kann mich am Ende der Geraden buchstäblich einfach in die Schräglage fallen lassen.“


Dieses plumpsartige Übergehen von Geradeaus- und Kurvenfahrt verlangt auf dem weichen Kunsteis in den Eisschnelllaufhallen eine andere Arbeit mit den Reifen als auf dem harten Natureis in Schwedens freier Natur. „Man muss mit weniger Luftdruck fahren“, ergänzt Iwema. „Aber wir haben die ganze Zeit mit dem Luftdruck herumprobiert, ohne jemals den wirklich richtig passenden zu treffen.“


Jasper Iwema und Freundin Wanda Krop studieren vor dem ersten WM-Heat das Programmheft. Foto: Heike Kleene
Jasper Iwema und Freundin Wanda Krop studieren vor dem ersten WM-Heat das Programmheft. Foto: Heike Kleene

Deswegen konnte er die beeindruckende Frühform von Schweden in Bayern nicht reproduzieren. Schon sein Trainingssturz war auf diese Suche nach dem richtigen Luftdruck zurückgegangen.


Und das, räumte er ein, sei quasi ein Startschuss für die Einfahrt in den Teufelskreis gewesen. „Aber dann sind auch noch viele andere Sachen passiert: Ventile kaputt in der Gabel zum Beispiel, und am Sonntag hat der Motor in den letzten Rennen immer zäher seine Leistung abgegeben.“


Das Aggregat von Iwema wird von William Matthijssen vorbereitet – selbst ein ehemaliger mehrfacher Grasbahn-Europameister im Gespannsport. In der Eisspeedway-WM ist Iwema der einzige Matthijssen-Kunde. „Normaler Weise sind seine Motoren immer sehr gut. Aber am Sonntag kam es mir so vor, als würde er am Ende immer schwächer werden.“


Klingt schwer nach Kompressionsverlust. Was sich beim Tuner fürs Heimrennen in Heerenveen in Windeseile richten lässt.


Und auch gerichtet werden muss. Denn die niederländische Nationalmannschaft braucht beim Team-WM-Finale in Heerenveen am 12. April den ehemaligen Rundstreckenfahrer als Zugpferd. Denn dann können die Oranjes – mit den beiden Jungtalenten Sebastian Reitsma und Leon Kramer ist die Nation gerade schwer im Aufwind – realistisch auf eine Medaille in der Team-WM hoffen.


Iwema nickt nachdenklich: „Aber dazu muss ich erst den alten Jasper wiederfinden.“

 
 
 

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