„Das war schon Hardcore“
- Norbert Ockenga
- 11. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Warum es im Lager von Niclas Svensson vor und auch in Heerenveen außergewöhnlich viel Arbeit gab.
Sie sind schon wieder die Einzigen im menschenleeren Fahrerlager. Während die Konkurrenz sich nach dem Morgentraining samt und sonders zum Ruhen in Hotels oder Transporter zurückgezogen hat, arbeitet das Team von Niclas Svensson unverdrossen weiter.
Denn der Vormittag ist für den WM-Tabellenführer nicht nach Plan verlaufen. Eigentlich hatte Svensson sich vorgenommen, im Freien Training beide Motorräder einem Vergleichstest zu unterziehen. Denn das Weiße ist zwischen Inzell und Heerenveen in der Werkstatt in Örnsköldsvik gründlich überarbeitet worden. „Wir haben das Motorrad insgesamt tiefergelegt; die Radnaben sind nun exakt auf derselben Höhe wie der Kurbelwellenstummel. Vorher war der um 10 Millimeter tiefer.“
Die abgesenkte Geometrie des Motorrads sei vor allem beim Start ein Vorteil. Sie zog aber eine Kette von weiteren Umbauten nach sich: Es brauchte auch eine Anpassung der Kotflügel, damit die Spikes nicht von innen an den Radhäusern schaben und raspeln.
In das Schwarze habe ich einfach mehr Vertrauen. – Niclas Svensson
Durch die Modifikation steht das weiße Motorrad nun von der Geometrie her genauso da wie das schwarze, das Svensson wegen der Eislage eigentlich bevorzugt. In dem wiederum haben die Schweden in Örnsköldsvik neue Dichtungen im Stoßdämpfer eingebaut, um den Rebound auf rauem Eis zu verbessern. Zudem arbeitet Svensson mit anderen Gabeldrücken als mit jenen, die er noch in Inzell gefahren hat.
All’ das hätte er in einem Vergleich im Freien Training am Samstagmorgen verproben wollen. Doch im Schwarzen lief der Motor nicht. Tuner Helmut Heimann tauschte zunächst die Zündung aus, ohne dass sich Besserung einstellte. Danach reinigte er den Vergaser. Damit wurde man erst zum Startbandtraining fertig. Doch in dem starb Svensson der Motor im ersten der beiden Anläufe auf gut halber Distanz ab.

Heimann erklärt: „Im Vergaser gibt es einen kleinen Stellkolben. An dem reicht schon die kleinste Verschmutzung, dass nichts mehr funktioniert. Also haben wir nach dem Training alles noch Mal ganz besonders gründlich gereinigt – und seitdem funtioniert es.“
Svensson meint: „Am Ende waren wohl die Zündkerzen das Problem.“
Im Training hinterließen beide Motorräder einen sehr unruhigen Eindruck. „Aber das kann auch daran gelegen haben, dass ich immer in die Rillen gefahren bin.“ Zwar hätte er die Linienwahl von Sebastian Reitsma im Roloef-Thijs-Pokal – extrem dicht am roten inneren Begrenzungsstrich – genau verfolgt. „Aber so zu fahren, braucht schon viel Mut. Mir ist es lieber, wenn ich ein bisschen mehr in der Mitte fahre. Da ist es zwar rauer – aber dafür habe ich auch mehr Bewegungsfreiheit nach links oder rechts, wenn das Motorrad mal springt oder ich reagieren muss.“
Nach den massenhaften Umbauten und Reparaturen werkeln die Schweden und Westfalen gemeinsam bis in den Nachmittag hinein, um beide Motorräder auf denselben Stand zu bringen. „Das“, seufzt Heimann, „war schon Hardcore heute Morgen.“
Svensson plant, mit der Schwarzen in den Abend zu starten. „Vielleicht liegt’s daran, dass ich sie schon so lange gewöhnt bin – aber in die habe ich einfach mehr Vertrauen.“



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