Dem Namen gerecht geworden
- Norbert Ockenga
- 11. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Der Super Cooper fährt beim Thijs-Pokal das beste Eisspeedwayrennen seiner Karriere – und ist nun trotz eines kuriosen Ausfalls im Finale sogar im Grand Prix-Feld dabei.
Die Ehrlichkeit hat etwas Entwaffnendes. „Das war““, sagt Paul Cooper, als hätte er nie etwas vom heißen Brei gehört, „voll und ganz mein Fehler.“
Nur weil er selbst im entscheidenden Moment zu unkonzentriert gewesen sei, hätte der Grasbahnfahrer aus York nicht am Finale des Roloef-Thijs-Pokals teilnehmen können. Denn während rings um ihn herum Sebastian Reitsma und Melvin Björklin ihre Halblitermotoren auf der optimalen Startdrehzahl einpendeln lassen, muss der „Cooperman“ seine 110-Kilomaschine ins Innenfeld neben die Startanlage wuchten: klassisch abgewürgt.
Cooper kommt zwar dennoch als Dritter aufs Treppchen, und gegen den friesischen Vulkan und den schwedischen Kometen hätte er im Endlauf wohl eh’ keine Chance gehabt. Doch das simple Wegschieben vom Startband entwertet denn doch ein Stück weit seinen Abend.
Ich habe mich auf alles Mögliche konzentriert, nur nicht auf den Motor. – Paul Cooper
Dass ihm einfach so der Motor ausgegangen ist – dem geht der bärtige Engländer noch am Abend auf den Grund. „Mit der leichteren Kurbelwelle muss man beim Start eine höhere Drehzahl anliegen haben als mit jenem Motor mit einer schwereren Kurbelwelle, den ich bislang immer gefahren habe“, erklärt er. „Ich habe mich am Band auf alles Mögliche konzentriert: den richtigen Abstand zum Band, aber vor allem habe ich mir die Rillen vor mir im Eis auf dem Weg vom Start in Richtung der ersten Kurve angeguckt. Dabei habe ich schlicht und einfach nicht gemerkt, dass mir die Drehzahl in den Keller gesackt ist.“
So überhört Cooper selbst den „bog-down“, wie es auf gut Englisch heißt, wenn der Motor wegen zu niedriger Drehzahl zu stuckern und spotzen anfängt. Cooper würgt seine Maschine ab wie ein Fahrschüler an der Ampel.

Denn „Super Cooper“ ist eine Ausnahmeerscheinung im Fahrerlager: Er ist der einzige Eiseilige ohne eigenes Motorrad. Im schwedischen Winter, wo er Trainings und Ligarennen im hohen Norden fährt, leiht er sich ebenso ein Motorrad wie jetzt für den Thijs-Pokal. „Aber in Schweden hatte ich immer eine alte Maschine aus dem Bestand von Stefan Svensson. Jetzt konnte ich zum ersten Mal ein echtes Einsatzmotorrad von Niclas Svensson fahren.“ Und in dem werkelt ein neuer Motor des westfälischen Tuners Helmut Heimann. „Das alte Motorrad hatte auch eine alte, viel schwerere Kurbelwelle; an die hatte ich mich irgendwie gewöhnt.“
Kurbelwellen sind im Bahnsport ein beliebtes Tuninginstrument. Je leichter, desto besser spricht der Motor an, aber desto hochtouriger muss er auch gefahren werden, weil er beim nutzbaren Drehzahlband längst nicht so elastisch ist.
Im Thialf saß Cooper auf „der Weißen“, so heißt bei den Svenssons jener Klabo-Rahmen, der für Niclas Svensson in der WM zweite Wahl ist. Also auf der Reservemaschine vom WM-Favoriten aus Örnsköldsvik. Damit konnte Cooper seine ersten beiden Läufe in der Gruppenphase gewinnen, ein Sturz im dritten Heat spülte ihn für die K.O.-Phase in einen Lauf mit Leon Kramer, dem jungen Schweden Isak Dekkerhus und Jo Sætre.
Der Dragsterfahrer aus Norwegen wiederum war nachträglich ins Feld gerutscht, weil Martin Posch seinerseits als Nachrücker für den verletzten Martin Haarahiltunen in die Aufstellung für den letzten Grand Prix am Samstagabend hochgelobt wurde – und daher als WM-Teilnehmer nicht abends zuvor schon auf die Bahn durfte. Von dieser Regel gibt’s nur für Lokalmatadoren eine Ausnahme: Ein bisschen Heimvorteil muss sein.
Cooper ist auf der modernen Maschine – die auch schon ein altes Eisen, aber von den Svenssons neu aufgebaut worden ist – imstande, das Tempo des vorderen Mittelfelds mitzugehen. Er fährt sein bestes Rennen, seit er sich beim Thijs-Pokal vor zwei Jahren erstmals aufs Eis gewagt hat: Erstmals kann er auf der Bahn agieren statt nur auf die Maschine zu reagieren. In der K.O.-Phase schaltet er trotz eines Wacklers Bernhard Sanftl aus, zieht im selben Lauf nur gegen Christoph Kirchner den Kürzeren. Und im Halbfinale löst er dank Rang 2 hinter Sebastian Reitsma die Fahrkarte fürs Finale.
Und obschon er dort den Zweikampf zwischen Reitsma und Björklin nur vom Innenraum aus verfolgen kann, läuft er dennoch nach dem Rennen mit einem Strahlen zu einem Termin, den er sich selbst nicht hat vorstellen können: „Ich muss mir jetzt schnell meine Lizenz für morgen organisieren“, schnauft er mit breitem Lächeln, während er durch die langen grauen Gänge in den Katakomben des Thialf hastet. „Denn nun bin ich ja im Grand Prix als Reserve mit dabei.“



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