Deutsche Turbulenzen in Plattling
- Norbert Ockenga
- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Bei der Rückkehr des Traditions-Langbahnrennens in Bayern kommen die Deutschen nicht ungerupft über die Distanz, sodass es einen Überraschungssieger setzt.
Holger Lund kann kaum glauben, was er da hört. „Du hättest doch bloß was sagen brauchen“, bescheidet der deutsche Kupplungspapst am Abend nach dem offenen Langbahnrennen in Plattling seinen Schwager Stephan Katt. „Du gehörst doch zur Familie; Du hättest auf jeden Fall Material gekriegt.“
Doch es ist keine falsche Zurückhaltung, die den Catman vom Anruf bei Lund abhält – sondern Tüdeligkeit. „Ich hatte einfach vergessen, neue Kupplungsbeläge einzubauen“, gesteht der Deutsche Langbahnmeister. „Ich wollte beim Test in Scheeßel noch mit den alten fahren und für Plattling dann neue einbauen. Aber da bin ich irgendwie drüber weggekommen.“
Prompt plagt Katt sich bei der Rückkehr des bayerischen Klassikers, der ein Jahr Zwangspause machen musste und diesen Frühling in alter Stärke und mit dem üblichen Charme wieder in den Kalender kam, zunächst mit rutschender Kupplung rum. „Nach ein paar Läufen habe ich die Kupplung straffer gezogen – und dann ging’s.“
Katt ist nicht der einzige Deutsche, der auf der ungewöhnlich geformten Bahn in Plattling mit Startschwierigkeiten kämpft. Lukas Fienhage etwa hadert nach einem vorletzten Platz zum Auftakt: „Wir haben im ersten Lauf ewas mit dem ersten Gang getestet, aber das hat nicht funktioniert. Danach haben wir’s geändert – und ich war immer der Schnellste.“
Und Dominik Werkstetter bilanziert: „Mein Grundspeed war ziemlich schnell. Aber die Starts waren nicht optimal. Ein Mal bin ich sogar zwischen zwei Fahrer eingeklemmt worden. Dadurch hat’s mir den Steigbügel komplett verbogen. Ich bin ganz zurückgefallen, aber habe noch einen Punkt holen können.“
Fienhage erwächst nach der Getriebeänderung zum einzigen Gegner für Jesse Mustonen und Patrick Kruse. Mustonen hat den Dänen in Heat besiegt, wird dann aber im zweiten Durchgang hinter dem umgebauten Fienhage Zweiter. „Aber im dritten Lauf ist mir mit 300 Metern Vorsprung in Führung liegend die Kette gerissen“, berichtet Fienhage. „Und im vierten Lauf hatte ich einen Platten. Wenn die beiden Ausfälle nicht gewesen wären, hätte ich mich wahrscheinlich direkt fürs Finale qualifiziert So noch in Hoffnungslauf reingerutscht, da dann schlechten Start gehabt, konnte da nichts ausrichten.“
Mein Problem war nicht die Technik,sondern der Kopf. – Stephan Katt
Fienhage scheidet als Fünfter im Hoffnungslauf aus. Katt dagegen manövriert sich über die Zwischenrunde ebenso eins Finale wie Kruse. „Ich habe mein Motorrad erst unmittelbar vor dem Training in Scheeßel fertig gekriegt“, gesteht Katt. „Mein Problem war aber nicht die Technik – sondern der Kopf. Ich habe im Winter meine Selbständigkeit aufgegeben und mich fest anstellen lassen. Da fuhr zunächst im Hinterkopf mit: ‚Du musst Montag auf jeden Fall gesund wieder auf der Arbeit antanzen können.‘ Aber als der Helm ein paar Mal auf war, hat sich das Gefühl auch verflüchtigt.“

Auch Werkstetter kommt in den Last Chance Heat, wird da aber vor Fienhage Vorletzter und fliegt ebenfalls raus. "Für die lange Pause von fast einem Jahr bin ich mit meiner Leistung absolut zufrieden“, sagt der Bayer. „Ich konnte endlich wieder mal auf der Bahn fahren, die ich ziemlich gern mag. Denn Plattling ist eigentlich eine meiner Lieblingsbahnen. Sie ist am Sonntag sehr anspruchsvoll zu fahren gewesen.“ Das stellte auch Katt fest: „Das für Plattling übliche Rollieren vom Belag hat dieses Mal früher eingesetzt als sonst.“
Fürs Finale kann Mustonen, der nach der Niederlage gegen Fienhage in den Vorläufen ungeschlagen geblieben ist, zuerst den Startplatz wählen. Der Finne macht von Rot kommend alles klar, gewinnt vor Kruse und Katt. Mathias Tresarrieu dagegen vergreift sich fürs Finale mit Gelb und wird hinter Katt nur Vierter – nachdem der Franzose in den Vorläufen mit zwei Punkten Rückstand noch Zweiter hinter Mustonen gewesen ist.



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