Die Jäger des verlorenen Pfandes
- Norbert Ockenga
- vor 13 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Wie pflichtschuldiger Gehorsam zum Trittin’schen Dosenpfand am Freitagabend in Lodz zu einem Becher-Gate führte.
Manche Geschäftsideen zünden einfach nicht. Im Stadion von Lodz etwa das Pfandbechersammeln. Denn am Abend des Junioren-WM-Laufs kamen vor allem die deutschen Besucher reichlich unerwartet zu einer stattlichen Sammlung von neuen Plastikbechern – weil sie alle einer Masche der Getränkeverkäufer auf den Leim gegangen waren.
Auch Podcaster Michael Czechan von Startband konnte nach der letzten Zielfahne ein knappes Dutzend neue Becher sein eigen nennen. Sein siebenjähriger Sohnemann Claas, auch erfolgreich im Kinderspeedway in der Schnapsglasklasse unterwegs, übernimmt während des SGP2-Laufs die Versorgung des elterlichen Tribünenvolks. „Bei 30 bis 35 Grad trinkst du natürlich viel“, rekapituliert Vater Czechan. „Claas kommt mit noch einem Becher – und noch einem, und noch einem. Nirgends stand etwas von Pfand oder von Rückgabe.“
Wir nennen das ab jetzt ‚Becher-Gate’. – Michael Czechan
Nach dem Finale möchten die erstaunlich zahlreichen deutschen Zuschauer, vom Trittin’schen Dosenpfand in der Heimat wohlerzogen, ihre Plastikbecher eintauschen – und stoßen auf taube Ohren bis aktiven Widerstand. „Irgendwo stand auf einem kleinen DIN-A5-Zettel: ‚Du bezahlst den ersten Becher mit 15 Złoty – und kriegst die nächste Füllung im 15 Prozent oder sowas billiger.‘ Aber das stand da natürlich nur auf Polnisch“, schildert Czechan. „Du hast also jedes Mal 15 Złoty mehr bezahlt und dafür jedes Mal einen neuen Becher gekauft. Du hättest einfach nur sagen müssen ‚Refill‘, aber das wusste keiner.“

Statt der wie in Köln üblichen automatischen Nachschenkfunktion der dortigen Köbes hätte man das „Luft Rauslassen“ in Lodz expressis verbis anfordern müssen. Widrigenfalls spendet man 15 Złoty pro Becher – und das sind umgerechnet immerhin knapp 3,50 Euro, also ein einträgliches Zubrot für die Versorgungseinheiten im Stadion.
In Tateinheit mit den überwiegend schwarzen Bratwürsten, die als einzige Essensmöglichkeit in der Arena angeboten worden seien, und den ellenlangen Wartezeiten hätte das am Abend „den totalen Aufstand“ unter den deutschen Besuchern an den Bierbuden gegeben, beschreibt Czechan. „Wir nennen das ab jetzt ‚Becher-Gate’.“



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