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Die lange Nacht von Breslau

Ein Megagewitter mit folgendem Strom- und Startmaschinenausfall sorgt in Breslau für den längsten Speedway-Grand Prix aller bisherigen Zeiten.


Mehr als zwölf Monate musste Bartosz Zmarzlik auf seinen 30. Sieg in einem Speedway-Grand-Prix warten. Zwölf Monate und knapp fünf Stunden – denn so lange dauerte es, ehe am Samstagabend der Grand Prix von Breslau nach einer ganzen Reihe von Verzögerungen schließlich doch noch ein Ergebnis produzierte.


Das Rennen im schlesischen Olympiastadion stand im Zeichen eines Gewitters, das eine knappe halbe Stunde vor dem geplanten Rennstart herniederging und das Fahrerlager knöcheltief unter Wasser setzte. Fahrer und Teams mussten Werkzeug und Motorräder aus den überschwemmten Boxen auf eine Anhöhe schleppen. Weil aber auch der Strom ausgefallen war und zunächst nur Notstromaggregate versorgten, konnten die Maschinen nicht passabel vorbereitet werden. Die Fahrer gingen auf die Barrikaden und erzwangen auch nach dem Ende des eigentlichen Regens, als die Bahn an sich schon wieder befahrbar war, eine Verlängerung der Pause.


In der ergänzenden Wartezeit pumpte eine Feuerwehrbrigade das überschwemmte Fahrerlager ab. Zwischendrin begann es wieder zu regnen, sodass der Bahndienst eine ursprüngliche Planung auch noch ändern musste: Die matschige Deckschicht, die man nach dem ersten Guss nur hatte glattziehen wollen, musste nun doch komplett abgetragen werden. Als das getan war, streikte die Startautomatik: Wassereinbruch in den Stromkasten, in dem die automatische Betätigung des Startbandes untergebracht war. Weil auch im Schiriturm kein Strom war, konnten die Starts auch nicht auf Knopfdruck freigegeben werden. In einem mühsamen Prozess, hinausgezögert von holprigen Übersetzungen vom Englischen ins Polnische, lernten die Sportwarte, wie man einen Fahnenstart orchestriert.


Kaum war das hin und her übersetzt, hatte ein Elektriker das Startband doch wieder gangbar gemacht. Inzwischen war es nach 21:30 Uhr – und in Breslau ist nur bis Schlag Mitternacht Motorlärm erlaubt. Als Kacper Woryna in einem Manöver, das keine Zukunft haben konnte, sowohl Jason Doyle als auch Jack Holder abräumte und der Rettungswagen sehr lange beim unter ein Airfence-Element geruschten Holder bleiben musste, rückte nach Nachtfahrverbot bedrohlich nahe.


Am Ende fiel die Zielfahne des Finals exakt eine Minute vor Zapfenstreich.


Ausgerechnet bei diesem ach so turbulenten Jubiläumsrennen der Serie gelang Zwamrzlik nun die Rückkehr auf die oberste Stufe des Podiums: In der langen Nacht von Breslau setzte sich der sechsmalige Weltmeister in einem von Unwettern und langen Unterbrechungen geprägten Wettbewerb durch.


Ein Motorrad von Max Fricke wird aus dem überschwemmten Fahrerlager evakuiert. Foto: FIM
Ein Motorrad von Max Fricke wird aus dem überschwemmten Fahrerlager evakuiert. Foto: FIM

Im Finale verwies Zmarzlik den Briten Robert Lambert auf Platz zwei. Dritter wurde der Däne Michael Jepsen Jensen. Für den Polen war es der erste Grand-Prix-Sieg seit dem 14. Juni 2025, als er in Manchester erfolgreich gewesen war.


Dass ein Fahrer seiner Klasse mehr als ein Jahr auf einen Sieg warten musste, wirkt ungewöhnlich. Noch im vergangenen Jahr hatte Zmarzlik seinen sechsten Weltmeistertitel gewonnen und damit einen historischen Rekord eingestellt. Mit dem Erfolg in Breslau übernahm er zugleich wieder die Führung in der Weltmeisterschaftswertung vor dem Australier Brady Kurtz.


Das Rennen im Olympiastadion von Breslau, Austragungsort des ersten Speedway-Grands Prix überhaupt im Jahr 1995, entwickelte sich zu einer der außergewöhnlichsten Veranstaltungen der jüngeren Seriengeschichte. Heftige Regenfälle und Gewitter setzten die Strecke und das Fahrerlager unter Wasser. Der Rennbeginn verzögerte sich um rund zweieinhalb Stunden. Die Feuerwehr musste Wasser aus den Boxen abpumpen, während Streckenpersonal und Offizielle mit erheblichem Aufwand dafür sorgten, dass der Wettbewerb überhaupt stattfinden konnte.


Rund 13.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion erlebten schließlich einen emotionalen Triumph des Lokalmatadors, der den Erfolg anschließend gemeinsam mit seinen Söhnen Antoni und Franciszek feierte. „Es war ein unglaublich langer und schwieriger Tag“, sagte Zmarzlik nach dem Rennen. „Der 30. Grand Prix-Sieg bedeutet mir viel, weil ich lange darauf warten musste. Im Finale hatte ich das Gefühl, dass alles zusammenpasst.“


Mit Blick auf die Weltmeisterschaft bleibt der 31-Jährige zurückhaltend. Zwar führt er die Gesamtwertung zur Saisonhalbzeit an und könnte als erster Fahrer überhaupt einen siebten Weltmeistertitel gewinnen. Doch Zmarzlik will davon noch nichts wissen: „Wir sind erst bei der Hälfte der Saison. Da kann noch alles Mögliche passieren. Für mich steht die Freude am Rennsport im Mittelpunkt. Alles Weitere ergibt sich so, wie es passieren soll.“


Auch Robert Lambert zeigte sich mit Platz 2 zufrieden. Der Brite erreichte damit erstmals seit September 2024 wieder ein Podium und verbesserte sich auf Rang 3 der Gesamtwertung. Nach einem von Wetterkapriolen geprägten Abend sprach er von einem „großartigen Ergebnis“ und lobte insbesondere die Arbeit seines Teams.


Michael Jepsen Jensen wiederum setzte seine starke Saison fort. Der Däne erreichte bereits zum vierten Mal in sechs Grands Prix das Finale. Dennoch überwog nach Platz drei zunächst die Enttäuschung. Seit seinem bislang einzigen Grand Prix-Sieg im September 2012 wartet Jepsen Jensen auf einen weiteren Erfolg auf höchster Ebene. „Natürlich freue ich mich über das Podium“, sagte er. „Aber ich will diesen Sieg unbedingt. Ich hatte das Gefühl, dass es hier in Breslau möglich gewesen wäre. Deshalb bin ich ein wenig enttäuscht – und genau das ist vielleicht auch etwas Positives, weil es zeigt, wie hoch meine Ansprüche inzwischen wieder sind.“

 
 
 

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