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Die Story hinter dem Wunderknaben

Das steckt wirklich hinter dem Sieg des erst 14-jährigen Bruno Preibisch bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft in Ludwigslust.


Roman Diehn ist auch zwei Tage danach immer noch baff. „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, gesteht der Trainer nach dem Deutschen Jugendmeistertitel seines Schützlings Bruno Preibisch.


Der gerade 14-Jährige vom MSC Vier Tore Neubrandenburg ist er in dieser Saison von der 85-Kubikklasse in die 500R-Kategorie aufgestiegen. Beim Zweitligauftakt in Cloppenburg hat er zwar einen Plattfuss gehabt, und die reine Statistik kaschiert, was im Nordwesten wirklich passiert hat: Der 500R-Neuling hat bereits im Emstekerfeld, bei seinem Debüt für den MC Bergring Teterow, Anschluss an die erfahreneren und älteren Gegner halten können.

Bei den Bundesjugendspielen in Ludwigslust macht Preibisch sein Meisterstück. „Wir haben das gesamte Jahr eigentlich als Entwicklungsjahr gesehen. Unser Fokus lag darauf, in den neuen Klassen anzukommen, Erfahrungen zu sammeln, möglichst viele Kilometer zu fahren und einfach alles mitzunehmen, was möglich ist“, schraffiert Trainer Diehn. „Gerade in der 500R-Klasse gibt es aktuell viele starke Fahrer im Feld, was die Herausforderung natürlich noch größer macht.“


Wir analysieren Videos direkt im Fahrerlager. – Roman Diehn

Levi Böhme aus Meißen und Thies Schweer aus Zetel sind eigentlich die Favoriten für Ludwigslust. Doch die Bahn zeigt sich rutschig und schwierig. „Während des Renntages haben wir Stück für Stück realisiert, dass wir nicht nur mithalten können, sondern tatsächlich vorne mitfahren“, rekapituliert Diehn. „Mit jedem Lauf wurde uns bewusster, dass plötzlich sogar ein Podiumsplatz möglich ist. Dass Bruno am Ende tatsächlich den Sieg holt und Deutscher Meister wird, war für uns emotional kaum zu greifen. Im Team sind an diesem Tag unglaublich viele Emotionen zusammengekommen.“


Diehn begleitet Preibisch als Trainer und im Team, seit er ihn als 11-jährigen Dreikäsehoch beim MSC Vier Tore Neubrandenburg kennengelernt hat. „Bruno Preibisch ist aus unserer Teamsicht ein außergewöhnlich disziplinierter Fahrer“, charakterisiert Diehn. „Besonders auffällig ist seine ruhige und strukturierte Art. Bruno lernt extrem schnell, setzt Feedback sehr sauber um und kann Veränderungen am Motorrad erstaunlich gut adaptieren und zurückmelden. Das hilft uns enorm in der gemeinsamen Arbeit, weil wir dadurch relativ schnell auf Veränderungen reagieren und gegebenenfalls das Setup anpassen können. Trotz seines Alters von erst 14 Jahren arbeitet er bereits sehr professionell und analytisch.“


Bruno Preibisch freut sich im Kreise der Seinen über den Titel in Lulu: Vater Knzth, Mechaniker Jakob Femerling und Trainer Roman Diehn. Foto: Team Bruno Preibisch
Bruno Preibisch freut sich im Kreise der Seinen über den Titel in Lulu: Vater Knzth, Mechaniker Jakob Femerling und Trainer Roman Diehn. Foto: Team Bruno Preibisch

Das gelte auch für die gesamte Mannschaft, die zunächst nur aus Diehn und Vater Knuth Preibisch bestanden hätte, inzwischen aber um Jakob Femerling ergänzt worden sei – einem ehemaligen Speedwayfahrer, der nun die Schraubenschlüssel bei den Weißschwarzen schwingt. „Während der Veranstaltungen arbeiten wir sehr strukturiert. Wir filmen Trainings und Läufe, analysieren Videos direkt im Fahrerlager und nehmen die Setuparbeit sehr ernst“, sagt Diehn. „Dabei geht es nicht nur um Übersetzungen oder Einstellungen, sondern auch um Themen wie Fahrlinien, Bahnveränderungen, Starts oder das Verhalten der Motorräder unter unterschiedlichen Bedingungen.“


Da Preibisch sowohl in der Viertelliterklasse als auch auf einer 500R fährt, verdoppelt sich die Intensität Lernphase gerade. „Die ersten großen Rennwochenenden und Ligaeinsätze waren für uns deshalb extrem wichtig. Dort mussten wir teilweise während der Veranstaltung permanent Setups verändern und haben dabei natürlich auch Fehler gemacht. Mittlerweile verstehen wir die Motorräder deutlich besser. Bruno hat viele Kilometer gesammelt und wir finden bestimmte Setupfenster inzwischen wesentlich schneller. Gleichzeitig sind wir als Team routinierter geworden“, so Diehn. „Ein großer Entwicklungsschritt war zuletzt auch das gezielte Starttraining in Teterow. Gerade im 500R-Bereich hatten wir dort anfangs große Probleme. Teilweise sind wir am Start fast stehengeblieben. Der MC Bergring Teterow hat uns daraufhin kurzfristig ein Sondertraining ermöglicht. Dort konnten wir nicht nur Starts trainieren, sondern mit Zeitmessung aus dem Sprecherturm gezielt an beiden Motorrädern arbeiten und verschiedene Setups testen. Dass uns dort eine komplette Mannschaft inklusive Bahndienst unterstützt hat, war für uns alles andere als selbstverständlich und hat uns enorm geholfen. Dafür sind wir sehr dankbar.“


Im emotionalen Video zum Titelgewinn von Ludwigslust fließen sogar Freudentränen.

Man merkt: Da wird mit einer generalstabmäßigen Akribie gearbeitet, die man eher von der Rundstrecke als vom Bahnsport her kennt. „Unser Ziel“, nickt Diehn, „ist aktuell nicht einfach nur schnell zu sein, sondern reproduzierbar schnell zu werden. Die Umstellung auf die größeren Klassen ist für Bruno körperlich und mental enorm anspruchsvoll. Die Motorräder sind deutlich schwerer, aggressiver und leistungsstärker. Gleichzeitig sind Trainings aufgrund der Kosten deutlich intensiver, weil kürzer geplant und strukturiert als früher in der 85-Kubikklasse. Dadurch muss Bruno sehr schnell lernen und sich permanent weiterentwickeln. Da wir aktuell noch relativ neu in diesem Bereich sind, freuen wir uns jederzeit über Kontakte und Unterstützung aus der Speedwayszene – und über möglichst viele Veranstalter und Vereine, die Interesse haben, Bruno in der 500R-Klasse bei offenen Rennen, Rahmenprogrammen oder Trainingsveranstaltungen einzusetzen.“

 
 
 

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